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Zahl in der Mitte

Im Land der Rollatoren

Doppelt so viele mobile Gehhilfen wie im Vorjahr hat die DAK-Gesundheit im Jahr 2012 vermittelt. Dabei geben sich viele Versicherte längst nicht mehr mit dem schnöden Kassenmodell zufrieden. 

65.000 

Mitglieder der DAK Gesundeheit haben im Jahr 2012 eine mobile Gehhilfe erhalten - doppelt so viele wie im Vorjahr

Die DAK-Gesundheit spricht bereits von einer „Generation Gehhilfe". 2012 habe sich die Zahl der von der Krankenkasse vermittelten Rollatoren im Vergleich zum Jahr 2009 auf nahezu 65000 verdoppelt, teilte die Versicherung jüngst mit. Dafür seien 5,1 Millionen Euro ausgegeben worden. Dabei gilt: Immer mehr Versicherten reicht das Kassenmodell nicht – sie wollen einen mobilen Oberklasse-Gehwagen.

„Besonders gefragt sind leichte Rollatoren und Modelle, die sich platzsparend zusammenklappen lassen", sagte Helge Dickau von der DAK-Gesundheit. Wer einen „Rolls-Royce" unter den vierrädrigen Gehstützen „fahren" möchte, der muss jedoch selbst in die Tasche greifen und die Differenz zwischen dem Hilfsmittelfestbetrag, den die gesetzliche Krankenversicherung leistet und der bei etwa 30 bis 100 Euro liegt, und dem Preis für das Premiummodell selbst bezahlen, auch wenn die rollende Gehstütze vom Arzt verschrieben worden ist. Der durchschnittliche Betrag, den die gehbehinderten Patienten bereit sind privat zu finanzieren, um einen besseren Rollator als den kassenfinanzierten Standardgehwagen zu bekommen, liegt laut dem Rehaprodukte-Anbieter Dietz je nach Modell zwischen 50 und 250 Euro.

Aber warum geht der Trend eigentlich zur teuren Luxusausführung? Sind die günstigeren Kassenmodelle wirklich so schlecht wie ihr Ruf? „Nein", sagt die DAK-Gesundheit. Alle Rollatoren müssten die Qualitätskriterien des Hilfsmittelverzeichnisses erfüllen. Ein preislicher Unterschied ergebe sich nicht durch die unterschiedliche Qualität, „sondern durch die Ausstattung". Manche der rollenden Gehhilfen hätten beispielsweise lederbezogene Griffe oder Stollenreifen für unebenes Gelände. Diese Extras seien aber „medizinisch nicht notwendig und werden deshalb von den Krankenkassen nicht übernommen", sagte Dickau.

Anders sieht das allerdings der Bundesverband des Sanitätsfachhandels: „Rollatoren müssen an die medizinischen Bedürfnisse und das persönliche Umfeld des Patienten angepasst werden. Da ist mehr Sensibilität der Kassen gefordert", sagt Verbandsgeschäftsführer Uwe Behrens. Bei der Wahl eines geeigneten Rollators stelle sich dem Patienten die Frage, „will ich mit einem von der Kasse finanzierten und in der Regel gebrauchten Standardmodell grundversorgt werden oder will ich so versorgt werden, dass auf meine körperlichen Beeinträchtigungen medizinisch angemessen eingegangen wird? Da fällt die Entscheidung häufig leicht, auch wenn das im Umkehrschluss bedeuten kann, dass die Gehhilfe selbst bezahlt werden muss". In vielen Fällen seien die Betroffenen bereit, den Kaufpreis unter Anrechnung des jeweiligen Erstattungspreises privat zu tragen, um einem langwierigen Streit mit der Krankenkasse um den Erhalt eines besser auf den eigenen Körper abgestimmten Rollators aus dem Weg zu gehen.

Auch wenn der Anteil der Selbstzahler nach Schätzungen des Bundesverbands des Sanitätsfachhandels derzeit nur bei etwa zehn bis zwölf Prozent liegt, wird die mobile Gehhilfe laut dem Rollatorhersteller Dietz mehr und mehr zum „Lifestyleprodukt". Das haben auch die Produzenten der oft als „Rentner-Porsche" bezeichneten Hilfsmittel erkannt. Sie locken mittlerweile mit Feintuningmöglichkeiten wie schicken Metallic-Lackierungen, LED-Beleuchtung, Sonnendach, Handwärmern für kalte Wintertage oder ultraleichtgewichtigen Ausführungen. Sogar anklettbare Designstrümpfe für den Rahmen in knalligem rot für die Dame oder gediegenem Karo für den Herren sind inzwischen erhältlich, um das 1978 in Schweden erfundene Gefährt passend zum Outfit aufzupeppen. So lässt es sich für die „Generation Gehhilfe" doch gleich viel trendiger durch die Straßen rollen.

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