• Bildung

Integrierte Kranken- und Altenpflegeausbildung

Die Pflegeausbildung steht vor einem Wandel. Bundesweit gibt es diverse Modellversuche, in denen neue Wege in der Ausbildung beschritten werden. Beispielhaft haben wir das Ökumenische Institut für Pflegeberufe in der Ortenau in Offenburg besucht, wo die ersten Absolventen ihre integrierte Ausbildung zum Alten- sowie Gesundheits- und Krankenpfleger absolviert haben.

Während noch heiß diskutiert wird, ob es sinnvoll ist, auch Hauptschülern den Zugang zur Krankenpflegeausbildung zu öffnen, wird dies am Ökumenischen Institut für Pflegeberufe in der Ortenau im baden-württembergischen Offenburg bereits praktiziert. Das ist aber streng genommen nur ein Nebenprodukt des eigentlichen Anliegens, das die Schulleiterinnen Sonja Mutschler-Prater und Schwester Ratmunda Klein haben. „Wir möchten unseren Absolventen größtmögliche Chancen auf dem Arbeitsmarkt bieten", sagt Sonja Mutschler-Prater. Die 50-Jährige ist als Leiterin für den Bereich Altenpflege zuständig. Gemeinsam mit ihrer katholischen Mitstreiterin Sr. Ratmunda entwickelte sie die kombinierte Alten- und Krankenpflegeausbildung, die seit 2005 als Modellkurs am Ökumenischen Institut angeboten wird.
Die ersten 28 Absolventen haben vor kurzem das Institut als staatlich geprüfte Alten- und Krankenpfleger verlassen. „In dreieinhalb Jahren können unsere Schüler zwei Berufsabschlüsse erwerben", sagt Sr. Ratmunda. Voraussetzung ist ein Realschulabschluss oder ein Hauptschulabschluss mit anschließendem einjährigen Besuch einer Vollzeitschule, Praktikum oder Freiwilligem Sozialen Jahr. Nach dem ersten Ausbildungsjahr müssen alle Schüler eine Altenpflege-Prüfung absolvieren. Hauptschüler müssen diese mindesten mit einer Note von 2,5 bestehen. „Auch wenn Hauptschüler eine Minderheit in unseren Kursen darstellen, haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Integration sehr gut klappt", berichtet Mutschler-Prater.

 

Katharina Biedermann, die mit ihrem Fachhochschulabschluss die Wahl gehabt hätte, gleich in eine dreijährige Ausbildung zur Kranken- und Gesundheitspflegerin einzusteigen, bekräftigt diese Erfahrungen. Die 19-Jährige, die sich im zweiten Jahr der integrierten Ausbildung befindet, begründet ihre Entscheidung so: „Es kommen immer mehr ältere Menschen ins Krankenhaus, da ist es gut, geriatrische Kenntnisse zu haben." Erst während der Ausbildung, die mit dem Bereich Altenpflege beginnt, merkte Katharina Biedermann, dass ihr der Umgang mit alten Menschen besonders viel Freude bereitet. So ist das Berufsfeld Altenpflege plötzlich für sie in den Vordergrund gerückt.

 

Kooperationspartner für die Praxis
In der dreieinhalbjährigen Ausbildungszeit durchlaufen die Schüler insgesamt 14 Bereiche. Um genügend praktische Erfahrungen zu sammeln, stehen insgesamt 40 Kooperationspartner des Instituts zur Auswahl. Nachdem die Schüler im Altenpflegebereich Stationen wie die geriatrische Rehabilitation, die Gerontopsychiatrie und die ambulante Altenpflege durchlaufen haben, geht es für die Praxis in der Krankenpflege in die Chirurgie, Neurologie, Pädiatrie, Psychiatrie oder Innere Medizin. Einen großen Teil (insgesamt 500 Stunden) nimmt der ambulante Bereich, also der Einsatz in einer Notfallambulanz oder der Tagespflege in Anspruch. „Wir sind mit den Bewerberzahlen sehr zufrieden. Es gibt ein großes Interesse vonseiten der Ausbildungsträger, das bestätigt uns", resümiert Sr. Ratmunda, die seit 39 Jahren in der Krankenpflegeausbildung tätig ist. Die 67-Jährige teilt die Ansicht ihrer 50-jährigen Schulleiter-Kollegin, dass berufspolitisch ein Wandel anstehe und es die traditionelle Pflegeausbildung in Zukunft so nicht mehr geben werde. „Unser Institut befindet sich hier bereits auf dem richtigen Weg", sagen beide.

 

Ausbildung zum Heilerziehungs- und Altenpfleger
Zur Untermauerung seiner Innovationsfreude sattelt das Führungsduo sogar noch auf: Im September beginnt der erste Modellkurs mit der Ausbildung zum staatlich anerkannten Heilerziehungs- und Altenpfleger. Sonja Mutschler-Prater sieht einen gestiegenen Bedarf an diesen speziell ausgebildeten Menschen: „Heilerziehungspfleger stehen vor einer neuen Herausforderung. Sie müssen sich jetzt auch um den mehrfach behinderten geriatrischen Menschen kümmern." Die moderne Medizin habe in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass auch schwer behinderte Menschen zunehmend ein hohes Lebensalter erreichen können. Dem klassischen Heilerziehungspfleger fehlten nach ihrer Ansicht wichtige Kenntnisse im Umgang mit Menschen mit geriatrischen Erkrankungen. Umgekehrt profitiere auch die Altenpflege von einem in der Heilerziehungspflege versierten Mitarbeiter. Mutschler-Prater: „Aufgrund seiner sozialpädagogischen Kompetenz kann der Altenpflege-Kollege mit Zusatzausbildung beispielsweise in der Tagesgestaltung oder Alltagsbegleitung von Dementen neue Impulse setzen. In der klassischen Ausbildung beider Berufe sieht Mutschler-Prater bei den Heilerziehungspflegern einen zu geringen Anteil pflegerischer Kenntnisse, Altenpfleger erlangen andererseits nach ihrer Ansicht zu wenig pädagogisch-didaktisches Wissen über Gruppen- und Alltagsbegleitung. Den Grundstein für diesen innovativen Ausbildungsweg hat Walter Anton, der als Diplom-Berufspädagoge und Lehrer für Pflegeberufe an der Schule beschäftigt ist, gelegt. Der 33-Jährige hat das Konzept im Rahmen seiner Masterarbeit entworfen.

 

Auch Einzelausbildung ist möglich

Einer, der beide Berufe von der Pike auf gelernt hat beziehungsweise noch lernen will, ist Sebastian Baas. Der 27-Jährige ist ausgebildeter Heilerziehungspfleger und jetzt im dritten Lehrjahr zum Altenpfleger. Als Baas seine Ausbildung im sozialpädagogischen Bereich begonnen hatte, gab es noch keine Möglichkeit, zwei Berufe auf einmal zu erlernen. Der junge Heilerziehungspfleger liebt seinen Beruf und hat auch schon die Aussicht, im Anschluss an seine Altenpflegeausbildung in einem Altenheim zu arbeiten. „Ich hatte allerdings nach meiner ersten Ausbildung das Gefühl, zu wenig Wissen im Umgang mit geriatrischen Patienten zu haben." Daher hat er sich für die weitere Ausbildung entschieden. „Ich finde das kombinierte Angebot lobenswert", sagt der junge Mann, dem aufgrund seiner Vorbildung die Altenpflegeausbildung um ein Jahr verkürzt wurde. Ein bisschen Bedauern schwingt hier dennoch mit: „Meine Kollegen lernen in dreieinhalb Jahren, wozu ich fünf brauche."

 

Hintergrund
Die integrierte Ausbildung zum Alten- sowie zum Gesundheits- und Krankenpfleger am Ökumenischen Institut in der Ortenau hat als Modellprojekt im Jahr 2005 begonnen. Für drei Jahre zahlen die Absolventen jeden Monat 34 Euro, das letzte halbe Jahr der dreieinhalbjährigen Ausbildung ist so finanziert. Zugangsvoraussetzungen sind ein Realschulabschluss (oder gleichwertiger Abschluss) oder ein Hauptschulabschluss mit anschließendem einjährigen Besuch einer Vollzeitschule.
Die integrierte Ausbildung zum staatlich anerkannten Heilerziehungs- und Altenpfleger wird es ab September dieses Jahres geben. Während der 42 Monate dauernden Ausbildung zahlen die Schüler jeden Monat etwa 80 Euro. Zugangsvoraussetzung ist ein Realschulabschluss plus Vorpraktikum.

 

Kontakt und weitere Informationen:
Ökumenisches Institut für Pflegeberufe
in der Ortenau gGmbH
Louis-Pasteur-Straße 12
77654 Offenburg
E-Mail: oekumeninstitut@pgw-og.de

 



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