• Praxis
Cochrane Pflege Corner

Eiweißreduzierte Diät für chronische Nierenerkrankung bei erwachsenen Nicht-Diabetikern

Die Review-Fragestellung: Wie wirksam sind eiweißreduzierte Diäten gegen das natürliche Fortschreiten chronischer Nierenerkrankungen in Bezug auf das Endstadium und in Bezug auf einen Aufschub der Notwendigkeit, eine Dialyse zu beginnen?

Relevanz für die klinische Praxis
Nierenerkrankungen können zum Nierenversagen führen. Manche Fachkräfte empfehlen eine Reduzierung der Eiweißzufuhr, um die Entwicklung von unspezifischen glomerulären oder interstitiellen Läsionen und somit das Endstadium der Nierenerkrankung hinauszuzögern. Es ist immer noch unklar, ob die Patienten ihre Eiweißaufnahme begrenzen sollten, und wenn ja, in welchem Ausmaß die Ernährung bei einer chronischen Nierenerkrankung umgestellt werden sollte.

Merkmale der Evidenz
Der Review umfasste zehn Studien, die erwachsene Personen mit mäßigem bis schwerem Nierenversagen aufnahmen. Die Teilnehmer wurden zufällig entweder der Gruppe mit der üblichen Eiweißaufnahme oder der anderen Gruppe zugeordnet, die ihre Eiweißaufnahme für mindestens zwölf Monate reduzierte.

Die normale Eiweißzufuhr wurde definiert als 0,8 g pro kg Körpergewicht pro Tag, die mäßige Eiweißzufuhr als 0,6 g pro kg Körpergewicht pro Tag und die starke Eiweißeinschränkung als 0,3 g pro kg Körpergewicht pro Tag. Insgesamt nahmen 2000 Personen teil, wobei alle Studien darauf hinwiesen, dass eine Randomisierung vorgenommen wurde. Jedoch beschrieben einige Studien nicht, auf welche Weise diese ausgeführt wurde.

Nierenversagen war die relevante Zielgröße, welches für diesen Review folgendermaßen definiert wurde: Nierenversagen während der Nachbeobachtungsphase (aufgrund jeglicher Ursache), der Notwendigkeit, während der Nachbeobachtungsphase eine Hämodialyse oder Peritonealdialyse zu beginnen, oder während des Studienverlaufs eine Nierentransplantation durchzuführen.

Neun der zehn Studien zeigten einen Trend zugunsten einer reduzierten Eiweißzufuhr. Das Ergebnis wies keine Heterogenität zwischen den Studien auf. Es wurde eine Meta-Analyse mit der reduzierten Eiweißaufnahme versus der freien oder höheren Zufuhr durchgeführt. Die Gesamtwirkung war hoch signifikant (p=0,0002), wobei 113 Patienten mit Nierenversagen bei der reduzierten Eiweißzufuhr im Vergleich zu 168 Fällen bei der unbegrenzten Eiweißaufnahme festgestellt wurden.

Die Subgruppen-Analyse, die eine freiere Zufuhr untersuchte (0,6 g pro kg Körpergewicht pro Tag versus höhere Eiweißzufuhr, drei Studien), zeigte geringe Auswirkungen auf das Eintreten des Nierenversagens, wogegen bei der Analyse von stärker reduzierter Eiweißzufuhr (0,3 bis 0,6 g pro kg Körpergewicht pro Tag versus höhere/freie Eiweißaufnahme, 7 Studien) der Unterschied in der Anzahl der Patienten mit Nierenversagen hoch signifikant war (p=0,0009).

Implikationen für die klinische Praxis
Die Evidenz legt nahe, dass eine reduzierte Eiweißaufnahme Patienten mit mäßigem chronischen Nierenversagen vorgeschlagen werden sollte. Das optimale Maß der Eiweißaufnahme kann aufgrund der Reviewergebnisse nicht definiert werden. Jedoch legt das Ergebnis der Meta-Analyse nahe, dass 0,3 bis 0,6 g pro kg Körpergewicht pro Tag signifikant förderlicher ist als eiweißreiche Ernährung.

Implikationen für die Forschung
Weitere Ernährungsstudien wären notwendig, um das optimale Maß der Eiweißreduktion und die optimale Dauer der Intervention zu bestimmen. Zusätzlich wäre es notwendig zu testen, ob ein potenzieller zusätzlicher Effekt einer eiweißarmen Ernährung in Kombination mit ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten oder anderen antiproteinurischen Medikamenten vorhanden ist.

Nachweis in der Cochrane Database of Systematic Reviews:
Fouque D, Laville M. Low protein diets for chronic kidney disease in non diabetic adults. Cochrane Database of Systematic Reviews 2009, Issue3.Art. No.: CD001892.DOI:10.1002/14651858.CD001892.pub3.

Englische Original Zusammenfassung: Yun, C. (2010). Cochrane Nursing Care Corner: Low Protein Diets for Chronic Kidney Disease in Non Diabetic Adults. Ren Soc Aust J, 6(1), 25

Autoreninformationen: Cheng Yun, RN MSN ist Director of Nursing am Huadong Hospital, Fudan University Shanghai und ist Mitglied des Cochrane Nursing Care Fields

Korrespondenz: Cheng Yun, Huadong Hospital Shanghai. yun91@hotmail.com

Übersetzung ins Deutsche von Christine Scheufele und Sabine Lins vom Deutschen Cochrane Zentrum. Institut für Medizinische Biometrie und Medizinische Informatik, Universitätsklinikum Freiburg
 


Glossar
Evidenz: Abgeleitet vom englischen Begriff „evidence“; vorhandenes Wissen (Beweise) aufgrund von Studienergebnissen.
Randomisierung: Verfahren, das eine zufällige Verteilung der Studienteilnehmer auf zwei oder mehr Gruppen bewirkt. Dies kann durch computergenerierte Zufallszahlen oder andere Mechanismen erreicht werden.
Heterogenität: Unterschiedlichkeit der Effekte.
Subgruppenanalyse: Von den eingeschlossenen Studien werden nur diejenigen zusammengefasst, die ein bestimmtes gemeinsames Merkmal aufweisen.

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