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Yoga: Dem Geist über das Körperliche Gutes tun

Yoga ist „in": Ob Lifestyle-Magazine, Veranstaltungsprogramme der Volkshochschulen oder Esoterikmessen – Yoga ist allseits präsent. Doch Yoga ist auch ein sehr alter und erprobter Weg der Menschen, um die Gesundheit zu pflegen. Yoga kann ein gutes Mittel zur Selbstpflege sein. Immer wieder haben professionell Pflegende mit Überlastung zu kämpfen – bei Yoga finden sie Ruhe und Entspannung, auch im hektischen Alltag.

Yoga hat eine lange Tradition
Die genauen Ursprünge verlieren sich, aber sicher ist, dass Yoga eine lange indische Tradition hat, die zunächst mündlich und dann schriftlich überliefert wurde. Die Bedeutung des Wortes „Yoga" hat etwas mit unserem deutschen Wort Joch zu tun. Dieser Begriff hat heute eine eher negative Bedeutung, doch als Funktion hat ein Joch ja etwas Verbindendes.
Das Joch half, zwei Ochsen zusammenzuführen, die gemeinsam ein Feld pflügten, sich im Einklang bewegten und den Boden für die Saat vorbereiteten. Menschen haben immer Vergleiche aus ihrem Alltag bemüht, um geistige Vorgänge in Worte zu fassen. So sprechen wir heute beispielsweise in Anspielung auf unsere Gehirntätigkeit von der Festplatte, einem Begriff aus der Computertechnologie.
Menschen in früheren Zeiten erkannten durch Beobachtung einen engen Zusammenhang zwischen Geist und Körper, die meistens in einem gewissen Spannungsfeld zueinanderstehen. Sie erkannten auch, dass der Mensch sehr viel Energie darauf verwendet, einigermaßen im Einklang mit sich selbst zu leben. Krankheit wurde in diesem Denken schon sehr früh als ein Ausdruck eines sehr großen Ungleichgewichts gesehen. Die Möglichkeiten der Heilung waren damals im Vergleich zur heutigen Medizin sehr begrenzt, also suchte man nach Möglichkeiten, wie das Gleichgewicht zwischen Körper und Geist erhalten und gestärkt werden konnte. Wer konnte hier also Ratgeber und Wegweiser sein? Es war die Beobachtungsgabe, die entscheidend den Weg des Yoga geformt hat. Alles im Leben folgt gewissen Rhythmen, die teilweise gegenläufig sind. Es gibt die Einatmung und die Ausatmung, die Zeit der Saat und die Zeit der Ernte, den Tag und die Nacht, die Sonne und den Mond. Daher kommt auch die Zusatzbezeichnung „Hatha Yoga". Der Begriff „Hatha" steht für die Symbolik von Sonne und Mond. Hatha Yoga beschäftigt sich mit dem Körper und baut auf der Erkenntnis auf, dass die äußere Haltung die innere Haltung beeinflusst und umgekehrt.
Dem Geist über die körperliche Bewegung etwas Gutes zu tun, steht im Mittelpunkt des Yoga. Heute ist es in der Schulmedizin eine anerkannte Tatsache, dass Bewegungsmangel mit zum Entstehen von körperlichen Beschwerden beiträgt und dass andererseits durch die Bewegung die so genannten Glückshormone ausgeschüttet werden. Somit wird diese alte Erfahrung des Yoga heute durch die Schulmedizin bestätigt.

Die Haltungen orientieren sich an der Umwelt
Die Körperhaltungen im Yoga, „Asanas" genannt, orientieren sich an Tieren und Gegenständen aus der natürlichen Umwelt der damaligen Zeit. So gibt es etwa den Hund und die Katze im Yoga, und in den Haltungen wird die Stellung der Wirbelsäule nachempfunden, die die alten Yogis bei den Tieren beobachtet haben: Die Rundung des Katzenbuckels oder das elegante Strecken eines Hundes, der sich vom Schlaf erhoben hat. Die positiven Erfahrungen, die Menschen durch das Einnehmen dieser Haltungen erlebten, wurden über viele Generationen weitergegeben. Es wurde auch sehr genau beobachtet, wie die Gedankenwelt des Übenden sich veränderte.
Das ständige Grübeln verlangsamt sich, die Stimmung wird oft heiterer, gelassener, weil wir uns in den Asanas anders erleben. Wir kommen in einen klaren Kontakt zu unseren Empfindungen: Wie ist es denn beispielsweise um meine Standfestigkeit oder um mein Gleichgewicht bestellt?
Das alles geschieht im Yoga in einem sehr geschützten Rahmen, ohne Ehrgeiz und Leistungsdruck. Die Welt darf sich für den Übenden auf die Größe seiner Matte verkleinern, um sich später wieder auszubreiten. Die Erfahrungen der Standfestigkeit oder Gelassenheit in den Haltungen finden oft Eingang in das Erleben außerhalb der Yoga-Übungen.
Nach und nach stellt sich ein anderes Körpergefühl ein. So richtet sich durch die sanften Dehnungen der Körper von innen her wieder mehr auf und das Wohlbefinden nimmt zu. Besonders der Rücken ist für diese Haltungen sehr empfänglich, und in den Schriften wird die Wirbelsäule als die Quelle der Lebenskraft beschrieben. So ist es kaum verwunderlich, dass viele Haltungen aus dem Yoga Eingang in die Rückenschule gefunden haben. Yoga wirkt im Gegensatz zur reinen Gymnastik immer über die Aufmerksamkeit und die Atmung. Auch bei Wiederholungen wird immer wieder an die Verknüpfung von Atmung und Bewegung erinnert.

Nachspüren ist sehr wichtig
Das Nachspüren ist im Yoga eine weitere sehr wichtige Komponente. Wie fühle ich mich in einer bestimmten Haltung, welche Erfahrungen mache ich? Unbewusst haben wir ein Bild von uns, wie wir eine Übung ausführen. Nehmen wir diese Haltung ein, so erfahren wir, ob unser Bild mit der Wirklichkeit im Einklang steht. Oft erleben wir zum Beispiel, dass wir langsame Dehnungdoch als angenehm und wirkungsvoll empfinden, oder wir erspüren schnell unsere Blockaden. Erfreulich und ermutigend im Yoga ist die eigene Erfahrung, dass sich selbst durch kleine Bewegungsabläufe etwas zum Guten verändert und das ohne Muskelkater oder Erschöpfung. Savasana, die Reise durch den eigenen Körper, beendet jede Yogazeit. Hierbei wird dem Körper die Gelegenheit zur Ruhe und zur Entscheidung gegeben, wohin die gewonnene Energie gelenkt werden kann, ohne dass der Verstand entscheidet.

Yoga ist jederzeit erlernbar
Yoga ist in jedem Alter erlernbar, und es gibt viele Kursangebote über die Volkshochschulen, private Anbieter sowie die Krankenkassen, die Yoga-Kurse als Präventionsmaßnahme bezuschussen. Für Menschen, die wie Krankenschwestern und -pfleger im Schichtdienst arbeiten, gibt es auch die Möglichkeit, Yoga als Kompaktseminar kennenzulernen. Auch hier geben die Krankenkassen gerne Auskunft. Angesichts des vielfältigen Angebotes ist es in der Regel sinnvoll, seinen eigenen Yoga-Weg mit einem erfahrenen Reisebegleiter in Form eines Kurses zu beginnen und dann weiter zu schauen, wie Yoga im persönlichen Alltag ein Platz eingeräumt werden kann.

Und so geht es: Yoga-Haltung „Der Käfer“

Die Übung
Eine Decke auf den Boden legen und die Beine in den Knien anwinkeln, die Füße übereinander kreuzen, die Arme liegen locker neben dem Körper und die Handinnenflächen zeigen zur Zimmerdecke. Legen Sie ruhig einmal zum Vergleich jede Hand auf ein Schienbein und beobachten Sie die Reaktion im unteren Rücken, geben Sie einmal mehr einmal weniger Druck mit den Händen auf das Schienbein und versuchen Sie, sich von der Vorstellung zu lösen, dass nur große Bewegungen große Wirkungen haben.

 

Die Wirkung
Der Lendenwirbelbereich wird gedehnt. Das Gesäß bleibt am Boden, der Nacken dehnt sich ebenfalls angenehm. Wichtig ist, sich auf das Atmen zu konzentrieren. Versuchen Sie einmal, sich 40 Atemzüge lang – das sind etwa zwei Minuten – ausschließlich auf Ihre Atmung zu konzentrieren, während Sie in dieser Haltung verweilen. Um den Boden wieder zu verlassen, drehen Sie sich auf die Seite und richten sich dann auf. Legen Sie sich auch über die Seite auf den Boden, damit erfreuen Sie Ihre Lendenwirbelsäule.

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