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Auch die Qualität wird reformiert

Seit ihrer Einführung im Jahr 1995 wird die Pflegeversicherung jetzt erstmalig reformiert. Die Reform mit dem Namen Pflege-Weiterentwicklungsgesetz (PfWG) greift nach unzähligen Diskussionen zum 1. Juli 2008. Neben den finanziellen Leistungsanhebungen sieht die Reform strengere Rahmenbedingungen für Qualitätsprüfungen vor. Pflegeeinrichtungen müssen ihr Augenmerk daher auch auf das Qualitätsmanagement lenken.

Finanzielle Nachhaltigkeit  ist nicht gewährleistet
„Das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz verändert die Strukturen der Pflege zugunsten aller Beteiligten, insbesondere aber der Pflegebedürftigen, der Angehörigen und der Pflegenden. Das führt dazu, dass die Pflegeversicherung noch besser auf die Bedürfnisse und Wünsche der Pflegebedürftigen sowie ihrer Angehörigen ausgerichtet wird", heißt es in einer Mitteilung aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) anlässlich seines 260-seitigen Referentenentwurfes zum Pflegeweiterentwicklungsgesetz (PfWG). Diesem stimmte der Bundesrat am 25. April 2008 zu, und auch der Bundespräsident hat das Gesetz nun gegengezeichnet. Nach der Verkündung im Bundesgesetzblatt tritt die Pflegereform zum 1. Juli 2008 in Kraft.  Erstmalig seit Bestehen der Pflegeversicherung werden die Beträge für ambulante Sachleistungen, das Pflegegeld und die stationären Leistungen erhöht. Eine Anhebung erfolgt hier schritt weise bis zum Jahr 2012. Danach sollen die Leistungen der Pflegeversicherung in einem Rhythmus von drei Jahren dynamisiert werden. Das bedeutet, dass die Beträge erstmalig im Jahre 2015 an die dann aktuelle Preisentwicklung angepasst werden können. Genauer will man an dieser Stelle nicht werden.   Mit der Leistungsanhebung  ist unweigerlich auch eine Anpassung der Beiträge für die gesetzliche Pflegeversicherung verbunden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen sich ab  1. Juli 2008 einen Beitrag von 1,95 Prozent vom Bruttoeinkommen, zuvor waren es 1,7 Prozent. Für kinderlose Arbeitnehmer wird weiterhin ein Zusatzbeitrag in Höhe von 0,25 Prozent fällig – insgesamt also 2,2 Prozent. Eine Ausnahmeregelung gibt es im Bundesland Sachsen. Dort tragen die Arbeitnehmer bislang 1,35 Prozent und die Arbeitgeber 0,35 Prozent. Viele Experten sind der Auffassung, dass die finanzielle Nachhaltigkeit mit diesem Ergebnis nicht gewährleistet ist. Daher gehen ihnen diese Leistungsanpassungen nicht weit genug. Insbesondere im Hinblick auf den Demografischen Wandel werden die Ansprüche an die Pflegeversicherung nicht abnehmen – das Gegenteil ist bereits der Fall. Das Statistische Bundesamt erwartet bis zum Jahr 2030 eine 58-prozentige Steigerung der Pflegebedürftigen. Dies würde bedeuten, dass dann rund 3,4 Millionen Pflegebedürftige betreut werden müssen. Aus diesem Grund wird erwartet, dass die Politik den finanziellen Rahmen schon in wenigen Jahren erneut anpassen muss, um dieser Entwicklung zumindest monetär gerecht zu werden. „Nach der Reform ist vor der Reform", scheint hier mehr als zutreffend zu sein. Letztlich ist die finanzielle Ausgestaltung aber durchaus ein erster Schritt in die richtige Richtung.  

Qualität im Fokus
Mit der Entscheidung des Bundesrates für das PfWG sind letztlich die Weichen für weiterführende Aufgaben gestellt worden. Der Druck, Qualität in der Pflege nicht nur abzuliefern, sondern  auch zu dokumentieren, wird offensichtlich auch durch die mäßigen Ergebnisse und die damit verbundenen Berichte und Diskussionen um den Pflegebericht des Medizinischen Dienstes der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) vom August vergangenen Jahres noch erhöht.   Vielleicht sieht deshalb auch die Bundesregierung akuten Handlungsbedarf. So soll die Qualität aufgrund von Darstellung und Vergleichbarkeit für die Pflegebedürftigen und deren Angehörige gewährleistet sein. Danach finden jährliche Stichprobenprüfungen unangemeldet statt, die vorwiegend auf die Ergebnisqualität abzielen sollen. Die Prüfergebnisse sollen für den Laien verständlich aufbereitet und zugänglich gemacht werden. Der Wettbewerb wird also auch durch die oftmals geforderte Transparenzsteigerung in punkto Qualität weiter belebt werden.  Um dieses Ziel zu erreichen, müssen vorher Strategien und Verfahren beschrieben werden. Qualitätsmanagement-Systeme (QM) unterstützen dabei, die Prozess-, Struktur- und Ergebnis qualitäten im Unternehmen darzustellen. Den Nachweis für ein der Norm entsprechendes QM-System können Pflegeeinrichtungen mittels Zertifizierung durch einen unabhängigen Gutachter nachweisen. Die Implementierung eines funktionierenden QM-Systems sollte aber nicht nur aufgrund des Pflegeweiterentwicklungsgesetzes oder um des Zertifikates willen ein Thema für Pflegeeinrichtungen sein. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass ein solches System nicht nur zum Selbstzweck im Unternehmen Anwendung finden sollte.  QM-Systeme werden im Zuge des Wettbewerbs und der damit geforderten Vergleichbarkeit immer wichtiger, da sie neben Wettbewerbsvorteilen auch klare Strukturen und Richtlinien schaffen. Neben den Unternehmensleitlinien, der Politik und Strategie geben QM-Systeme den Unternehmen eine Richtschnur zur Unternehmenssteuerung an die Hand. Pflegeeinrichtungen, die sich bereits mit einem strategischen Qualitätsmanagement beschäftigen, sind daher für den Wettbewerb gut aufgestellt und brauchen MDK-Prüfungen nicht zu fürchten. 






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