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Ehrenamt: Engagement fällt nicht vom Himmel

Einrichtungsleitungen müssen wissen, wie Ehrenamtliche „gestrickt" sind: Welche Einstellungen und Motive, Erfahrungen und Erwartungen sie haben und welche Aufgabenfelder für sie infrage kommen. Im Sommer haben 1020 freiwillig Engagierte der Evangelischen Heimstiftung (EHS) einen umfangreichen Fragebogen ausgefüllt. Hier ein kurzer Überblick über Ergebnisse der Ehrenamtsbefragung.

Für die Weiterentwicklung der Gewinnung und Begleitung von Ehrenamtlichen der Evangelischen Heimstiftung GmbH (EHS) bedarf es verlässlicher Daten. Sie sind Grundlage für Handlungsempfehlungen und Konzeptionen. Neben einer Bestandsaufnahme sollte die Befragung auch Indikatoren für die künftige Ausrichtung der Ehrenamtsarbeit geben.

Die Ehrenamtsbefragung hat zahlreiche Grunddaten geliefert. Die Allermeisten engagieren sich kontinuierlich. 31 Prozent der Befragten arbeiten schon länger als zehn Jahre in der Einrichtung, 23 Prozent zwischen fünf und zehn Jahren. Weitgehend handelt es sich um geschlossene und eingespielte Gruppen. Vorwiegend ältere Menschen und in hohem Maße Frauen engagieren sich. Damit liegt die EHS im Trend anderer Befragungen, die zeigen, dass in der Altenhilfe die Gruppe der Rentner die meisten Engagierten stellt und eine wichtige Stütze ist. 35 Prozent der Ehrenamtlichen in der EHS sind 70 Jahre und älter, 34 Prozent zwischen 60 und 69 Jahre. Diese Ehrenamtsgruppen sind ein starkes „Rückgrat" für die Einrichtungen, aber kein Grund, sich zurückzulehnen. Denn mit diesen Daten wird auch verständlich, weshalb die Frage der Gewinnung neuer Ehrenamtlicher oder die Weiterführung von Aufgaben bei Ausscheiden „lang gedienter" Ehrenamtlicher mehr und mehr eine zentrale Herausforderung wird.

 

Kernmotiv: Die Lebensqualität der Bewohner verbessern

Was ist neu und überraschend? Ergründet wurde, ob sich neben dem „klassischen Ehrenamt" weitere Engagementgruppen ausmachen lassen, ob der kirchliche Hintergrund an Bedeutung verliert und ob die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen gelingt. Die ermittelten Ergebnisse lassen erkennen, dass die Motivation zum Ehrenamt sehr vielschichtig ist. Altruismus und Eigennutz sind kein Widerspruch, und das Ehrenamt muss auch Spaß machen. Bei den Ehrenamtlichen der EHS handelt es sich keineswegs um eine einheitliche Gruppe. Sechs Engagementgruppen mit zum Teil eindeutig voneinander abweichenden Orientierungen und Merkmalen lassen sich feststellen. Es ist aber auch EHS-spezifisch, dass die Engagierten – quer durch alle Alters- und Motivgruppen – ein zentrales Ziel haben: die Lebensqualität der Bewohner zu verbessern. Für Einrichtungsleitungen wird es darauf ankommen, das gemeinsame und verbindende Kernmotiv in den Mittelpunkt zu stellen und offen zu sein für unterschiedliche Formen und Motive, sie zu koordinieren und zu orchestrieren.

 

Enge Verbundenheit zu Kirche und Glauben

Die Ehrenamtlichen der EHS sind durch eine enge Verbundenheit zu evangelischer oder katho-lischer Kirche geprägt. Die Auswertung zeigt aber auch, dass ein kirchlicher oder religiöser Hintergrund für das ehrenamtliche Engagement tendenziell an Bedeutung verliert. Bei jüngeren Ehrenamtlichen ist der konfessionelle Hintergrund deutlich geringer ausgeprägt. Zahlreiche Ehrenamtliche sind aktiv, ohne ihr Engagement mit Glaube oder Kirche in Verbindung zu bringen. Ihr Weg führt sie dorthin, weil sie sich für pflegebedürftige Menschen in ihrem Lebensumfeld einsetzen wollen und ihnen in diesem Anliegen die EHS-Einrichtung mit ihren Mitarbeitenden vertrauenswürdig scheint. Je mehr der religiöse Hintergrund für ehrenamtliches Engagement als Einflussfaktor an Bedeutung verliert, umso wichtiger ist es, auch kirchenfernere Personen zu gewinnen. Entscheidend für die EHS: von ihrem Selbstverständnis her Teil von Kirche zu sein, ohne die Engagierten vereinnahmen zu wollen.

 

Profis und freiwillig Engagierte – ein Kompetenzteam?

Eher zurückhaltend fallen die Urteile über die Zusammenarbeit mit den hauptamtlichen Mitarbeitenden aus. Absprachen sind aus Sicht der Ehrenamtlichen großteils unklar. Gerade 37 Prozent bestätigen solche Agreements. Nur jeder Zweite erhält Unterstützung von den hauptamtlichen Mitarbeitenden und hat einen festen Ansprechpartner. Berührungsängste mögen Gründe sein. Oder: dass die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen nicht in der Arbeitsplanung berücksichtigt wird. Andererseits wissen Mitarbeitende in Pflege und Verwaltung mit Ehrenamtlichen umzugehen. Das ist Bestandteil ihrer Professionalität. Günstiger fallen die Urteile über den Austausch und die Zusammenarbeit mit anderen Ehrenamtlichen aus. Betont wird, wie wichtig es ist, sich in einem Kreis Gleichgesinnter zu bewegen, Netzwerke zu bilden und professionelle Pflege zu ergänzen. Diese gemeinsame Zielsetzung macht es möglich, dass Ehrenamtliche aus unterschiedlichen Engagementgruppen gemeinsam kooperieren.

 

Wunsch nach Mitsprachemöglichkeiten

Neu ist das Thema „Partizipation". Die als so wichtig empfundene Möglichkeit des Austausches bildet nicht nur Rückhalt und Sicherheit für die Ehrenamtlichen. Sie eröffnet gleichermaßen auch den Wunsch zur Mitsprache. Nachdenklich stimmt, dass in der Befragung nur jeder Dritte erlebt, dass seine Meinung in den Einrichtungen wirklich „zählt". Je jünger Ehrenamtliche sind, desto entscheidender wird das Partizipationsmoment. Partizipation bedeutet, eigene Schwerpunkte in der ehrenamtlichen Arbeit festlegen zu können, Neues in Angriff zu nehmen. Hier steckt ein besonderer Anreiz für Engagementgruppen, für die Eigeninitiative und Selbstorganisation besonders wichtig erscheinen. Damit wird ein Ehrenamts(miss)verständnis ausgeschlossen, das in Engagierten „Lückenbüßer" oder eine billige Personalressource sieht. Sie wären schnell frustriert und würden sich abwenden.

 

Anerkennungskultur

Die Anerkennung durch Wertschätzung/Dank/Lob der ehrenamtlichen Tätigkeit ist außerordentlich hoch. Auffallend ist, dass die über 70-Jährigen deutlich weniger mit Formen der Anerkennung bedacht werden wollen als jüngere Altersgruppen. Weniger für die Gewinnung, aber mehr für Motivation und „gute Laune" ist der Dank wichtig. Dabei gilt stets: Die Form der Anerkennung muss zur Person passen. Auch die Kostenübernahme von Fortbildungen, Supervision und Mitsprachemöglichkeiten sind Formen der Anerkennung.

 

Ehrenamtliche sind (sehr) zufrieden

Der weitaus größte Teil der EHS-Ehrenamtlichen ist mit ihrem Aufgaben- und Tätigkeitsbereich (sehr) zufrieden undsieht die persönlichen Erwartungen erfüllt. Dies sollte Ansporn sein, weiter an guten und fördernden Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement zu arbeiten. Ehrenamtliche vermitteln Perspektiven in Situationen, denen viele Menschen mit großen Ängsten entgegensehen. Ihr Engagement ist der Schlüssel für mehr Lebensqualität. Es tut der eigenen Seele gut und ist Geschenk für Bewohner und Bezugspersonen, die Einrichtung und die gesamte Gesellschaft.

 




 

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