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Kommentar: "Qualitätsprüfungen sind immer nur Momentaufnahmen"

Wer die Wahl hat, hat die Qual – Diese Weisheit ist uralt und hat vordergründig mit der so genannten neuen Transparenzoffensive nichts zu tun. Diese soll die Suche nach der „richtigen" Pflegeeinrichtung einfacher machen. Ein so genannter Pflege-TÜV und die Bewertung von Einrichtungen anhand von Schulnoten etablieren sich, und schon ist die Nation gespalten. Die Einen fordern schärfere Sanktionen, die Anderen sprechen von exzessivem Prüfungswahn. Journalistisch gut aufbereitet wird im Fernsehen dargestellt, dass beispielsweise durch Erste-Hilfe-Schulungen, durch ein gutes Weiterbildungsmanagement und abwechslungsreiche Essenspläne eine mangelhafte, also schlechte Einrichtung zur guten werden kann. Der Verbraucher ist verwirrt und schimpft laut von Skandal. Was aber steckt dahinter?

Dass es hier zu leichten Verschiebungen kommen kann, hat bereits Gesundheitsministerin Ulla Schmidt im Frühjahr erkannt und die Beteiligten zu Lösungsansätzen aufgerufen. Dass eine mangelhafte Einrichtung durch Erste-Hilfe-Kurse die Gesamtnote 1,3 erzielt, ist weder im System möglich, noch belegbar. Wird hier also übertrieben? Um wie viel verschiebt sich die Bewertung wirklich? Natürlich muss das System verbessert werden oder besser noch, komplett infrage gestellt werden. Wir brauchen Transparenz, aber die muss so gestaltet sein, dasssie verständlich ist.

 

Es gibt in Deutschland nicht eine Studie, die empirisch nachweisen kann, was der Verbraucher an Daten möchte oder braucht, um eine Einrichtung für sich beurteilen zu können. Schon der neu eingeführte Begriff Pflege-TÜV muss bei näherer Betrachtung Verwirrung stiften und läuft in die falsche Richtung. Wenn bei den ersten vorgestellten Ergebnissen, bei denen etwa 1060 stationäre Pflegeeinrichtungen geprüft wurden, 256-mal die Note „befriedigend", 73-mal „ausreichend" und zwölfmal „mangelhaft" erteilt wurde, so bleibt die Frage: „Ab wann bekommt jemand keine Auszeichnung des so genannten TÜVs?" TÜV bedeutet, sich zu positionieren und zu entscheiden, ob eine Einrichtung am Markt bestehen darf oder nicht.

Und noch eins: Qualitätsprüfungen, egal von wem und wie sie vorgenommen werden, sind immer nur Momentaufnahmen und zeigen den jeweiligen Stand der leider noch sehr unterschiedlich definierten Qualität in den jeweiligen Einrichtungen. Qualitätssiegel, Prüfnoten oder jährliche Prüfungen garantieren nicht, dass Einrichtungen keine Fehler machen. Auf keinen Fall garantieren diese aber, dass Einrichtungen immer die 100-prozentig gleiche nachgewiesene Qualität haben wie am Prüftag. Qualität von Einrichtungen wird nicht dadurch besser, dass sie ständig geprüft wird. Nein, sie wird besser, wenn die Einrichtung verstanden hat, dass dies von innen heraus wachsen muss. Prüfinstitutionen sollten diese Bemühungen sehen und bescheinigen, anstatt defizitorientiert zu berichten.

 

In der heutigen Debatte über Qualitätssicherung werden oft Dinge eingeführt und gefördert, die auf ihre Praxistauglichkeit hin nicht getestet sind und die nicht finanziert werden.

1. Wenn wir von TÜV reden, dann müssen wir wie TÜV handeln. Wenn wir dies nicht können oder wollen, ist der Name TÜV falsch und irreführend.

2.Es gibt kein perfektes Transparenzsystem, jede Einrichtung – im Übrigen auch der Medizinische Dienst und die Krankenkassen – sind so gut, wie sie jeden Tag ihre Arbeitsanforderungen erfüllen.

3.Die Verurteilung der Gesamtbranche bringt uns nicht weiter. Wenn Einrichtungen wirklich nachgewiesen eine schlechte Qualität haben, müssen diese vom Markt. Gute Einrichtungen müssen die Chance erhalten, ihr gelebtes Qualitätsmanagement weiter auszubauen. Dazu gehören nicht nur Transparenz, sondern auch entsprechende finanzielle Mittel.

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