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Kommentar zu den Pflegetransparenzvereinbarungen

"Es gibt keinen Pflege-TÜV"

Das derzeitige Bewertungssystem mit Schulnoten spiegelt nicht die Qualität der Pflege wider, sondern lediglich die Vollständigkeit der Pflegedokumentation. Dies ist gesetzlich nicht gewollt gewesen – und auch eine fatale, wenn auch nicht gewollte, Täuschung der Verbraucher. Daher ist es umso unverständlicher, dass die bisherigen Prüfergebnisse noch weiter veröffentlicht werden. Angebracht und auch gerecht wäre eine sofortige Aussetzung der Veröffentlichung der Noten bis ein adäquates Prüfsystem entwickelt worden ist. Der Verbraucher bekommt derzeit nicht nur intransparente Ergebnisse vorgelegt, sondern erleidet durch diese Täuschung auch einen Schaden.  Das muss allen Beteiligten klar sein. Es wird jedoch trotzdem auf Kosten der Verbraucher und auch der Pflegeeinrichtungen hingenommen.

Ohne Zweifel ist es gut, dass die Qualität von Pflegeeinrichtungen transparent gemacht werden soll. Der Verbraucher könnte – vorausgesetzt er bekäme eine realistische Bewertung vorgelegt – die für sich beste Pflegeeinrichtung aussuchen. Und die Pflegeeinrichtung könnte mit ihrer guten Leistung – insbesondere der guten Pflege – selbstbewusst am Markt auftreten.

Jedoch muss die Frage erlaubt sein, ob die Pflegeeinrichtungen denn generell so schlecht sind, dass hinter jedem professionell Pflegenden auch ein Prüfer stehen muss? Zumindest wird dies oft über die Medien vermittelt. Ohne Zweifel gibt es Fälle von Pflegefehlern, die dann reißerisch mit dem Titel "Pflegeskandal" veröffentlicht werden. Viel zu kurz kommt leider, dass Pflegende tagtäglich unter teilweise miserablen Rahmenbedingungen hochwertige Arbeit abliefern! Dabei gehen viele Pflegende immer wieder über ihre persönlichen physischen und psychischen Grenzen. Dies zu erwähnen ist aber nicht medienwirksam und würde auch offenbaren, dass man deutlich mehr finanzielle Mittel für die Pflege zur Verfügung stellen müsste. Bei chronisch leeren Kassen ist dieses Thema also unerwünscht. Daher bietet es sich an, lieber die Diskussion über die Qualität der Leistungen zu führen.

 

„Pflegende liefern tagtäglich unter teilweise miserablen Bedingungen hochwertige Arbeit – das kommt in der Diskussion viel zu kurz"
Ali Celik, Krankenpfleger, ist Geschäftsführer des Pflegedienstes „Pflege optimal" in Krefeld

 


Oft heißt es, dass die bisherigen Noten ja eigentlich viel zu gut seien. Was heißt das konkret? Ist die Pflegequalität also sogar schlechter als die Noten, die bisher aufgrund der Dokumentationsprüfungen vergeben wurden? Oder ist man mit den relativ guten Noten nur nicht zufrieden, weil es einem grad nicht ins Bild passt? Warum werden eigentlich alle Pflegenden und alle Pflegeeinrichtungen unter den Generalverdacht gestellt, dass man schlechte Pflege erbringen würde? Und warum ist eigentlich die Befragung der Kunden fast durchweg mit "sehr gut" festgestellt worden? Auch wenn Patienten behandlungspflegerische Qualität oftmals nicht beurteilen kann, müsste die Meinung der Verbraucher dringend in die Gesamtbewertung aufgenommen werden, damit man ein „ganzheitliches" Ergebnis erhält.

Der MDK wendet letztlich auch nur die ihm zur Verfügung gestellten Instrumente an. Fast kann er einem schon leid tun. Auch kann er nichts dafür, dass er "Pflege-TÜV" genannt wird. Dieses Wort ist von den Medien geprägt worden, weil es ein schönes Schlagwort ist. Es verdeutlicht dem Verbraucher, welche Aufgabe in etwa, durch die doch mit einem etwas sperrigem Namen versehene Institution, geleistet wird. Dennoch müssen wir letztlich aufgrund der angebrachten Einwände feststellen, dass es keinen Pflege-TÜV in Deutschland gibt! Man kann die Prüfbedingungen überhaupt nicht miteinander vergleichen, wenn man an die oft zum Vergleich bemühte KFZ-Prüfung beim TÜV denkt. Pflege muss sich da deutlich strengeren Bedingungen stellen. Vor allem wenn man daran denkt, dass die Prüfungen jährlich stattfinden, ohne Vorankündigung, und nicht nur mit einer Plakette versehen werden, dass die Pflege "sicher" sei.

Tausende von Gutachtern musste der MDK in ganz Deutschland einstellen, um seinem Auftrag gerecht zu werden. Interessant wäre einmal durchzurechnen, wie viel Geld eingespart werden könnte, wenn man ein „schlankeres" System installieren würde, das die Qualität der Pflege dann tatsächlich auch bewertet. Mal ganz abgesehen von den vielen Millionen,  die von den Pflegeeinrichtungen ausgegeben werden müssen, damit man dieses System bedienen kann. Schließlich kann sich keine Einrichtung eine schlechte Note leisten.

Deshalb sollte man im Rahmen der aktuellen Evaluationen auch über das System nachdenken, um schon bald den Verbrauchern einen angemessenen und vor allem auch transparenten Überblick der Qualität in Pflegeeinrichtungen bieten zu können.

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