• Praxis
Dekontamination von MRSA-Patienten

Mit Salbei und Thymian Erregern den Kampf ansagen

Die Dekontamitation eines beispielsweise mit Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus besiedelten Patienten stellt in jedem Bereich der Pflege eine große Herausforderung dar. Um dagegen vor zu gehen, gibt es eine große Anzahl synthetischer Antiseptika. Eher selten angewendet, aber nicht weniger wirksam, sind Phytotherapeutika. Thymian, Johanniskraut oder Rosmarin haben beispielsweise desinfizierende Wirkung.

Die Dekontamitation eines beispielsweise mit Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus besiedelten Patienten stellt in jedem Bereich der Pflege eine große Herausforderung dar. Um dagegen vor zu gehen, gibt es eine große Anzahl synthetischer Antiseptika. Eher selten angewendet, aber nicht weniger wirksam, ist das Vorgehen gegen pathogene Keime mittels Phytotherapeutika.

 

Praxistipp
Hilfreich ist es, Patienten und Angehörigen unterschiedliche hygienische Erfordernisse einer Klinik und eines Alten- und Pflegeheimes oder ambulanten Dienstes im Gespräch zu erläutern. Dadurch lassen sich Maßnahmen der Standardhygiene verstehen. Eventuell ist eine schriftliche Begründung, gemeinsam formuliert von Teamleitung und Hygienebeauftragten, hilfreich (Muster s. Sitzmann, 2007).

 

Neben den in der Klinik erforderlichen Maßnahmen, die zu einer frühest möglichen Erkennung der mit pathogenen Keimen, wie beispielsweise MRSA, kolonisierten beziehungsweise infizierten Patienten führen (Aufnahmescreening), zeigt sich, dass konsequent angewandte Elemente der Standardhygiene die wirksamste Methode ist, klinikbezogen die Zunahme zu begrenzen (Kappstein, 2009). Standardhygiene umfasst die Maßnahmen, die grundsätzlich bei allen Patienten in Klinik und ambulanter Pflege durch alle Mitarbeiter zu beachten sind. Sie schließt folgendes ein:
- Sorgfältige Händehygiene ("Beherrschen" der Hände, Distanzierung, hohe Compliance beim Praktizieren der Händedesinfektion, Hautpflege),
- Persönliche Schutzausrüstung bei Patientenkontakt, Kontaminationsgefahr mit Blut, Körperflüssigkeiten, Exkreten gezielt je nach Erfordernis das Tragen einer Schutzschürze, Schutzhandschuhe, evtl. Schutzbrille,
- Vermeiden von Verletzungen durch spitze oder scharfe Gegenstände,
- Gezielte Desinfektion einer Kontamination kleiner Flächen mit Blut, Exkreten u. ä. mit 70 % Alkohol und Einmaltuch,
- Adäquates Umgehen mit Bettwäsche und Abfällen (Sitzmann, 2012).
Es empfiehlt sich, je nach Indikationsstellung (Kolonisation ohne weitere Risikofaktoren versus Kolonisation mit Risikofaktoren) ein geeignetes Konzept auszuwählen.

Der Nutzen synthetischer Antiseptika
Meist werden vonseiten der Industrie Ganzkörperwaschungen mit haut- oder schleimhautwirksamen synthetischen antibakteriellen Seifen oder Antiseptika propagiert. Diese Art der Waschungen bei MRSA-kontaminierten Patienten sind umstritten. unter anderem, da  die Gefahr besteht, physiologische Flora zu zerstören und dadurch anderen pathogenen Mikroorganismen eher Ausbreitungs- und Vermehrungsmöglichkeiten zu schaffen (Kappstein, 2004).

Zudem ist die Effektivität einzelner empfohlener Sanierungsmaßnahmen der Dekontamination von Patienten mit MRSA-Infektion oder – Kontamination nicht ausreichend belegt (Dziekan, 2001) und nur unzureichende Wirkungen beschrieben (Lauster/Grosch, 2005). Es handelt sich bei den Betroffenen häufig um Schwerkranke mit erheblichen Hautproblemen, die mit Unverträglichkeit auf die Waschung oder das Bad mit Desinfektionsmittel reagieren. Als Behandlungsziel muss aber auch hier lauten: Vor allen Dingen dem Patienten nicht zu schaden!

 

Fallbeschreibung
„Meine Tochter Maximiliane, gerade mal 8 Wochen alt, ist MRSA positiv in der Nase und auf der Haut. Ich bin Krankenschwester, und weiß auch woher sie ihn hat. Da sie noch so klein ist, will ich auf Desinfektionsmittel verzichten und habe jetzt angefangen, sie abwechselnd mit einem Gemisch aus Salbei-, Thymian- und Rosmarin-Tee zu baden.“

 
Sanierung innerer Oberflächen

Mit Waschungen wird lediglich auf äußere Körperoberflächen eingewirkt, der Mensch ist jedoch auch auf seinen inneren (Schleimhaut-) Oberflächen (z. B. Darm, Atemwege, Harntrakt) kontaminiert oder infiziert. So zeigte sich die unzureichende Wirkung von Chlorhexidin an Zahnimplantaten und zur mechanischen Reinigung bei periimplantärer Mukositis, dagegen erzeugte in einer Doppelblindstudie der Einsatz ätherischer Öle zur normalen täglichen Mundhygiene eine signifikante Verbesserung (Schwarz/Becker, 2008).  

Mangelnde Wirkung bei Schwerkranken
Der Erfolg des Einsatzes von Seifen und Antiseptika ist erheblich von der körperlichen Beeinträchtigung und gesundheitlichen Vorschädigung der betroffenen Person abhängig. Insbesondere die Behandlungen älterer Menschen mit zahlreichen Vorerkrankungen und Risikofaktoren, zum Beispiel offene Wunden, Punktionsstellen von Verweilkathetern usw. zeigen reduzierte Sanierungserfolge (Anonym, 2005).

Antibakteriell wirksame phytotherapeutische Substanzen
Anders als synthetisch erzeugte Antiseptika stehen aus dem phytotherapeutischen Erfahrungsschatz eine große Zahl von Substanzen zur Verfügung, die keinerlei Schädigungspotenz aufweisen und äußerlich und zum großen Teil auch innerlich regulierend auf die pathogene Keimflora einwirken.

Pflanzen und ätherische Öle
Pflanzen verfügen zum Schutz gegen infektionsfördernde Mikroben über wirksame antimikrobielle Substanzen (Phytobiotika), wodurch Pilze und Bakterien abgetötet werden. Wichtiger Vorteil dieser Stoffe besteht darin, dass sie keinen Anreiz zur Bildung resistenter Keime darstellen.

Zu den klassischen, natürlichen Antibiotika gehören sanft wirkende Heilpflanzen und die stärker wirkenden ätherischen Öle. Sie nehmen dem Körper nicht die Aufgabe ab, selbst gegen die Krankheit vorzugehen. Es gibt keine Nebenwirkungen, allerdings können vereinzelt Allergien auf bestimmte Stoffe vorkommen. Daher ist es angebracht, individuelle Vorlieben des Patienten im Sinne pflegetherapeutischer Zielsetzungen der basalen Stimulation zu berücksichtigen.

Praktische Anwendungshinweise
Ätherische Öle besitzen ein breites Wirkungsspektrum gegen Bakterien, Pilze und Viren (Hübner, 2008):
Salbei (Salvia officinalis L) mit den Hauptkomponenten des Salbeiöls Thujon, Cineol und Campher wirkt adstringierend und antiseptisch. Sowohl das ätherische Öl als auch Heißwasserextrakte (Tees) zeigen antibakterielle und virustatische Wirkung.

Thymian (echter bzw. spanischer Thymian = Thymus vulgaris L und Thymus zygis L) mit den Hauptinhaltsstoffen Thymol (Phenolverbindung) und Carvacrol. Thymol wirkt bei geringerer Giftigkeit etwa 30-mal so wirksam wie Phenol (Kramer, 2008) bei guten bakteriziden und fungiziden Eigenschaften (Nelson, 1997). Lokal angewendet besteht antivirale Wirkung (Hübner, 2008). Mit den Inhaltsstoffe des Thymian Thymol und Eucalyptol (enthalten in Listerin™) konnte in einer placebokontrollierten Doppelblindstudie eine effektive Behandlung des Foetor ex ore nachgewiesen werden und sind daher ergänzend zur Mundpflege (antiseptische Mundspülung) anzuwenden.

Johanniskraut (Hypericum perforatum, Herba). Der Inhaltstoff Hyperforin stellte sich als wirksam gegen resistente Stämme, z. B. MRSA heraus.



Praxistipp:
Bewährte praktische Verwendungen zu antibakteriell wirksamen Pflanzenextrakten sind im Internet unter www.klinik-hygiene.de/MRE_Gesamtkonzept.html zu finden.


Anwendung als Zusatz zur Körperwaschung
Als Rezept zur äußeren Anwendung einzelner Teedrogen (z. B. Thymian, Salbei, Johanniskraut oder Rosmarin) hat es sich zur Hautsanierung bei MRSA-Patienten bewährt, täglich die Körperwaschung mit einem Aufguss einer dreifachen Teedosierung (d. h. ca. 1 Teelöffel Teedroge auf 150 ml Wasser oder 1 Liter sprudelnd gekochtes Wasser auf 2 Esslöffel = 10 g Kraut, 10 min ziehen lassen) vorzunehmen.

 

Praxistipp
Im ambulanten Bereich empfiehlt es sich, die Angehörigen zu bitten, die Teezubereitung vor Arbeitseinsatz der Pflegenden fertigzustellen und den Sud abgedeckt aufzubewahren.

 

Wichtig ist, hochwertige Teedrogen (am besten aus der Apotheke) zu beziehen. Qualitativ minderwertige Phytopharmaka sind im günstigsten Fall wirkungslos, im schlimmsten Fall sogar schädlich - etwa wenn sie von mit Pestiziden verunreinigten Heilkräutern stammen oder bakteriell kontaminiert sind. Weiter ist zu berücksichtigen, dass ätherische Öle wasserdampfflüchtig sind, daher muss Tee beim Ziehen zugedeckt werden.

Auch wenn es unter der alleinigen Anwendung pflanzlicher Dekontaminationsmittel meist nicht zu einer vollständigen Beseitigung von MRSA kommt, ist die Annahme plausibel, dass mit der Abnahme der Kontaminationsdichte der Mikroben (Abreicherung) die Wahrscheinlichkeit einer weitergehenden MRSA-Infektion bzw. einer MRSA-Übertragung auf Mitpatienten sowie auf Mitarbeiter reduziert wird (Geipel/Herrmann, 2005). Dazu dienen auch die begleitenden pflegerischen Maßnahmen des kurzfristig häufigen Bett- und Körperwäschewechsels.


 

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