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Erfolgsfaktor Team

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Arbeitsstrukturen in Kliniken oder Pflegeeinrichtungen unterliegen aufgrund neuer Verfahren und Methoden ständig Veränderungen. Im Sinne der Qualitätsentwicklung müssen die Arbeitsprozesse laufend an die neuen Anforderungen angepasst werden. Dabei spielt die Bildung von interdisziplinären Projektgruppen zur Qualitätsentwicklung von Abläufen eine ausschlaggebende Rolle. Eine erfolgreiche Teambildung ist aber in Kliniken oder in Bereichen der Seniorenhilfe immer noch ein schwieriges Unterfangen.

Kriterien der Teamzusammenstellung
Bei der Teambildung muss beachtet werden, dass Menschen mit unterschiedlichen Rollen in der Gruppe vertreten sind. Damit die Stärken der Mitarbeiter konstruktiv eingesetzt werden können, sollte die Zusammensetzung vor der Arbeit in Qualitätszirkeln, Projekt- oder Arbeitsgruppen sehr sorgfältig vorgenommen werden. Zuvor erstellte Persönlichkeitsprofile zur Erfassung der Stärken der Mitglieder können eine professionelle Teambildung vereinfachen. Dazu eignet sich etwa das DISG- Modell von Seiwert & Gay. Es dient dazu, anhand eines auf Selbstbeschreibung basierenden Persönlichkeitstest zu ermitteln, welcher der vier Verhaltensstile „dominant", „initiativ", „stetig" oder „gewissenhaft" das jeweilige Teammitglied auszeichnet.



Auswertung: Je mehr Kreuze Sie in einem Feld haben, desto ausgeprägter ist die betreffende Eigenschaft bei Ihnen.


Bei der Zusammenstellung der Projektgruppe sollten Verhaltenstypen aus allen vier Kategorien vertreten sein, um Potenziale vollständig auszuschöpfen. Darüber hinaus können anhand des DISG-Modells Stärken, Ziele, Ängste, Motivations- und Frustpotenziale von Mitarbeitern aufgedeckt werden.


Die Teamfindung

Besonders in einem interdisziplinär arbeitenden Team ist es in der Findungsphase wichtig, eine positive Arbeitsatmosphäre zu schaffen, in der sich die Kollegen kennenlernen. Nach dem Persönlichkeitstest sollten die ermittelten Rollen der einzelnen Teammitglieder besprochen werden sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede reflektiert werden. So wird Verständnis für bestimmte Reaktionen der einzelnen Kollegen erzeugt und gegenteilige Meinungen werden als hilfreich und nicht als persönliche Kritik aufgenommen. Gerade bei Qualitätsentwicklungsteams ist es wichtig, dass die unterschiedlichen Perspektiven und Wertvorstellungen beachtet werden. Nur so wird die Gruppe schnell arbeitsfähig.




Die verschiedenen Rollen im interdisziplinären Team


Der dominante Mitarbeiter
Mitarbeiter, die innovative und zukunftsorientierte Ideen vertreten, werden oft als dominante Typen erlebt. Sie bringen ihre Meinung deutlich zum Ausdruck und sind von ihren Ideen überzeugt. In ihrem Fachgebiet sind sie oft Pioniere. Ihr Auftreten im Team führt dazu, dass sie als anstrengend empfunden werden. Ihre Stärke liegt darin, dass sie keine Angst vor Entscheidungen haben, schnelle Lösungen bevorzugen, jedoch häufig die Folgen ihrer Entscheidung nicht durchdenken – ihre Ziele möchten sie im Schnelldurchgang umsetzen. Das kann dazu führen, dass sich Kollegen überfordert fühlen, weil sie ganz anders an Aufgaben herangehen. Dabei geraten vorzugsweise gewissenhafte Mitarbeiter an ihre Grenzen. Sie betrachten diese schnelle Herangehensweise als Fehler und befürchten, dass Qualitätsansprüche nicht erfüllt werden können. Das birgt Konfliktpotenzial im Team.

Der gewissenhafte Mitarbeiter
Der Gewissenhafte wird oft als Gegenspieler des Dominanten empfunden, weil er sich auf Details konzentriert und genau wissen will, welche Folgen seine Entscheidung hat. Seine Stärke ist es, das Für und Wider eines Vorschlags sehr genau zu prüfen. Er setzt äußerst hohe Leistungsmaßstäbe, die für alle verbindlich sind. Er verhält sich aber dabei immer diplomatisch. Persönliche und unberechtigte Kritik verletzen ihn und führen dazu, dass er neue Richtlinien fordert, die sein analytisches Arbeiten unterstützen.

Die beiden Antagonisten – Dominante und Gewissenhafte – sind für das Team sehr wichtig, denn: Der eine sieht die Chancen, der andere die Risiken.

Der initiative Mitarbeiter
Seine Stärke ist es, andere Menschen für eine Idee zu begeistern. Er kann seine Gedanken gut formulieren und dabei auch die Gefühle der anderen mit Ideen verbinden. Der Initiative steht gerne im Rampenlicht und verpasst keine Gelegenheit, mit anderen zusammenzuarbeiten und sie für ihre Aufgaben zu motivieren. Außerdem geht der initiativ Typ mit Zuversicht an anfallende Aufgaben heran, ist humorvoll und flexibel. Er braucht allerdings auch Anerkennung für seine Leistungen. Die Schwäche des Initiativen liegt bei der Aufgabenerfüllung. Er verspricht sehr viel, aber andere machen die Arbeit für ihn. Eine zeitnahe Kontrolle der zu erledigenden Aufgaben bei dem Initiativen ist hilfreich. Es sollten Termine zur Ergebniskontrolle vereinbart werden.

Der stetige Mitarbeiter
Er ist in vielen Situationen angenehm, unterstützend und loyal. Der Stetige schätzt konstruktive Zusammenarbeit und klar definierte Verantwortungs- und Autoritätsbereiche. Er übernimmt häufig die Koordination im Team und sorgt für möglichst konfliktfreie Kommunikation. Seine Ängste liegen eher in unklaren Situationen. Sie bieten wenig Orientierung und führen beim stetigen Typ zu Verunsicherungen bei der Aufgabenwahrnehmung. Auch Veränderungsprozesse beunruhigen ihn. Er strebt nach Stabilität und Sicherheit und passt sich in kritischen Situationen der Meinung anderer eher an. Aus diesen Unsicherheitssituationen können schnell Zielkonflikte entstehen, die den stetigen Mitarbeiter belasten. 

   
Zusammenarbeit im interdisziplinären Team

Nach der Kennenlernphase im Team geht es zunächst darum, festzustellen, welche Punkte die Zusammenarbeit erschweren oder erleichtern. Dazu schreibt jedes Teammitglied auf Moderationskarten, welche Aspekte für die Teamarbeit hilfreich beziehungsweise nicht hilfreich sind. Sie werden danach an einer Pinnwand vorgestellt und besprochen. Nun können Regeln für die Zusammenarbeit aufgestellt werden und die eigentliche Arbeit kann mit der Festlegung von Projektzielen und –maßnahmen beginnen.





Fazit

Es macht keinen Sinn, bei einem innovativen Projekt nur gewissenhafte Mitarbeiter in ein Team zu berufen, denn ihre Stärke ist eben nicht die Innovation, sondern die Detailarbeit. Bei der Umsetzung der Ideen sind die Gewissenhaften im Hinblick auf ihr Abwägungspotenzial der Vor- und Nachteile bei Entscheidungen aber sehr wichtig. Die Steuerung des Teams sollte vorzugsweise von einem stetigen Mitarbeiter übernommen werden. Er kann die verschiedenen Aufgaben und Meinungen am besten koordinieren. Die Stetigen nehmen die Ideen der anderen eher auf und arbeiten gern mit ihnen zusammen. Für das Marketing der Projektergebnisse sollte der Initiative eingesetzt werden. Er kann dramatische Appelle an die Mitarbeiter richten, Ideen gut verkaufen und schwierige Situationen positiv gestalten. Um ein erfolgreiches Team zu werden, müssen alle Beteiligten lernen, die Stärken der anderen zu nutzen. Nur so können Projekte erfolgreich abgeschlossen und umgesetzt werden.

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