• Management
Intelligente Notfallkette für Menschen mit Demenz

Nicht ohne Quarterback

Ein wesentliches Merkmal von Demenzerkrankungen ist eine typische Ruhe- und Rastlosigkeit, verbunden mit einer deutlichen Verschlechterung des Orientierungssinns. Viele Menschen mit Demenz verspüren deshalb den Drang, umherzuwandern und biografische Punkte wie das Elternhaus aufzusuchen. Dabei verlieren sie oftmals die Orientierung. Das Projekt QuartrBack schafft eine intelligente Notfallkette für derartige Situationen und greift ein, bevor es zu einer Notsituation kommen kann.

Er ist die wichtigste Person auf dem Platz: Der Quarterback im American Football. Als verlängerter Arm des Trainers muss er die vorgegebenen taktischen Spielzüge umsetzen und sein Offensiv-Team entsprechend koordinieren. Doch ist er nicht nur bloßer Befehlsempfänger, sondern auch kreativer Kopf der Mannschaft. Blitzschnell muss er auf die Reaktionen der gegnerischen Defensive reagieren und die Spielzüge entsprechend anpassen.

Der Schlüsselspieler im American Football ist Namenspatron für das Verbundprojekt QuartrBack, das sich zum Ziel gesetzt hat, eine intelligente Notfallkette für Menschen mit Demenz zu entwickeln. Unter Koordination der Evangelischen Heimstiftung verbindet das Projekt ein ehrenamtliches Helfernetz mit Technologien für Ortung, Monitoring, Information und professioneller Dienstleistung. So schafft QuartrBack eine intelligente Notfallkette, die Menschen mit Demenz einen Zugang zum bisher vertrauten Quartier und damit soziale Teilhabe erhält. Das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) übernimmt im Projekt die Folgenbeurteilung der Techniknutzung und erforscht nicht-technische Aspekte – zum Beispiel ethisch-soziale.

Kernstück der Kette ist das ServiceCenterPflege, kurz SCP. Mithilfe einer speziellen Software können die Mitarbeiter des SCP wie der Quarterback auf dem Feld in einer Risikosituation umgehend die nächsten (Hilfe-)Schritte vorausplanen und aus den möglichen Handlungsalternativen die für die Situation adäquateste auswählen.


Soziale Isolation vermeiden
Ein wesentliches Merkmal von Demenzerkrankungen ist eine Ruhe- und Rastlosigkeit verbunden mit einer deutlichen Verschlechterung des Orientierungssinns. Viele Menschen mit Demenz verspüren deshalb den Drang umherzuwandern und zu biografischen Punkten wie dem Elternhaus zu gehen. Dabei verlieren sie oftmals die Orientierung – selbst im gewohnten Umfeld wie ihrem angestammten Wohnviertel in der Stadt. Häufig ziehen sie sich dann aus Scham oder Angst in die Isolation zurück und geben damit einen Großteil ihrer Selbstständigkeit und gesellschaftlichen Teilhabe auf.

QuartrBack soll genau das verhindern und Menschen mit Demenz den Zugang zu ihren bisher vertrauten Sozialräumen im Quartier und damit einen individuellen Lebensstil erhalten. Indem QuartrBack die Risiken zunehmender Desorientierung minimiert, ermöglicht das Projekt die für den Erhalt der Gesundheit so wichtige Bewegungsaktivität. Das System ist dabei in einen ressourcenorientierten Ansatz der Quartiersentwicklung eingebettet. Dieser fördert nicht nur Begegnung, Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Demenz, sondern stärkt auch die Achtsamkeit sowie das nachbarschaftliche Miteinander und wirkt sich positiv auf Altersbilder in der Gesellschaft aus.


Bewegungsfreiheit im vertrauten Quartier erhalten
Gewöhnlich beschränken sich herkömmliche Sicherheitssysteme zu Beginn der Erkrankung auf das Haus oder die Wohnung der Betroffenen. So können etwa ein Hausnotrufsystem, eine automatische Herdabschaltung sowie Sensoren im Wohnraum installiert werden, die im Bedarfsfall die Beleuchtung für den Weg zur Toilette einschalten.

Damit sich Menschen mit Demenz im fortschreitenden Krankheitsverlauf auch weiterhin in ihrem vertrauten Sozialraum im Quartier frei bewegen können, erweitert QuartrBack diese Systeme über die Grenzen der eigenen vier Wände hinaus. Durch ein unauffälliges Ortungssystem – etwa in der Armbanduhr der Betroffenen – schalten sich beim Verlassen der Wohnung sicherheitskritische Geräte automatisch aus, die Haustür verschließt sich und wird bei der Rückkehr wieder geöffnet.

Die SCP-Software registriert dann die weiteren Bewegungen außerhalb der Wohnung und bewertet die Situation in Echtzeit auf Basis einer Reihe von Parametern – zum Beispiel das aktuelle Wetter mit Regen- und Gewitterwahrscheinlichkeit, die Tageszeit oder den Status der Medikamenteneinnahme. Wenn nun ein Mensch mit Demenz von seinem gewohnten Bewegungsprofil abweicht, ein schweres Gewitter ansteht oder dringend Insulin eingenommen werden muss, wird automatisch das SCP alarmiert. Dieses kann somit noch vor einer schweren Notsituation rechtzeitig geeignete Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen einleiten.

So kann das SCP beispielsweise auf das in das Projekt QuartrBack integrierte Helfernetzwerk aus Angehörigen, professionell Pflegenden und Freiwilligen zurückgreifen. Die SCP-Software registriert etwa bei einer drohenden Notsituation, welche potentiellen Helfer sich in der Nähe befinden. Diese können dann mithilfe einer Web-Application auf dem Mobiltelefon alarmiert und zu den betroffenen Menschen mit Demenz dirigiert werden.


Technologie mit sozialem Engagement verbinden
Damit schafft QuartrBack eine intelligente Notfallkette, die weit über ein herkömmliches Hausnotrufsystem hinausreicht. Menschen mit Demenz erhalten die Möglichkeit, sich in ihrem bisher gewohnten Lebensumfeld weiter frei bewegen zu können und selbstständig etwa zum Bäcker an der Ecke oder ins Lieblingscafé zu gehen. Einem drohenden sozialen Rückzug und damit auch weniger Bewegung und Aktivität infolge der Demenz wird somit vorgebeugt. Weil die SCP-Software vorausschauend arbeitet, können eventuelle Notsituationen bereits im Vorfeld erkannt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden. Die WebApp stellt zudem sicher, dass im Falle einer drohenden Gefährdung potenzielle Helfer in der Nähe schnell eingreifen können. Durch die Einbindung eines ehrenamtlichen Helfernetzwerks in das klassische Notfallmanagement mit Pflegediensten, Sanitätern und Krankenhäusern wird so bürgerschaftliches Engagement für Menschen mit Demenz im Stadtviertel gefördert.

Das Projekt QuartrBack wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert. Neben der Technikentwicklung und -implementierung sind Workshops mit Bürgern sowie mit Akteuren aus professionellen Pflegenetzwerken geplant. Zudem werden ethische, soziale, juristische und ökonomische Fragestellungen durch das ITAS mithilfe eines interdisziplinären Expertenbeirats diskutiert. Darüber hinaus werden sowohl die Prototypenphase als auch der geplante ausgedehnte Feldtest wissenschaftlich begleitet.


Die Verbundpartner
• Evangelische Heimstiftung (EHS) – Innovationszentrum
• Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS)
• Forschungszentrum Informatik (FZI)
• Martin Elektrotechnik GmbH
• Sigma GmbH, ein Unternehmen der develop group

DIE SCHWESTER | DER PFLEGER

12x jährlich

Die Schwester | Der Pfleger 
Deutschlands meistabonnierte Pflegezeitschrift

Zeitschriftencover

PflegenIntensiv

4x jährlich

PflegenIntensiv ist das Spezialmagazin für Pflegende auf Intensivstationen, in der Anästhesie und im OP

Zeitschriftencover

Angehörige pflegen

4x jährlich

Angehörige pflegen ist auf die Bedürfnisse und Fragen pflegender Angehöriger zugeschnitten

Deutsches Pflegeblatt

halbjährlich

Hautnah dabei - das Magazin für alle Akteure in der Pflege an der Seite der Kammern, Berufsverbände und Politik 

DPB_01-2019-Titel.jpg

PKR Pflege- & Krankenhausrecht

6x jährlich

Einschlägige Gerichtsurteile, wichtige Entscheidungsgründe und Kommentierungen prägen die Inhalte dieser anerkannten Fachzeitschrift

Zeitschriftencover

f&w führen und wirtschaften im Krankenhaus

12x jährlich

Deutschlands meistgelesene Fachzeitschrift für das Management im Krankenhaus 

Zeitschriftencover