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Von der Autolackiererin zur Altenpflegerin

Die Frau Müller hat mir schon wieder die Zähne geklaut!

In ihrem Buch "Die Frau Müller hat mir schon wieder die Zähne geklaut!" berichtet Stefanie Mann über ihr bewegtes Leben als Altenpflegerin und dass es trotz schwieriger  Situationen im Heim auch viele glückliche Momente gibt. An ihrem Beruf schätzt sie vor allem den tiefen Umgang mit Menschen. "Wir bauen eine Beziehung auf, werden Freunde", sagt Mann in einem aktuellen Interview.

 

Was mögen Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Es ist zunächst einmal ein sehr abwechslungsreicher Beruf, in dem man viel lernt und sich jeden Tag weiterbildet. Zu einer Berufung wird dieser Job für mich aber durch ganz andere Dinge. Zum Beispiel dadurch, dass ich immer wieder neue großartige Menschen kennenlerne – und das nicht nur oberflächlich, sondern vielleicht besser als manch andere Menschen ihre eigene Oma. Wir bauen eine Beziehung auf, werden Freunde. Mit den Bewohnern zu lachen, Witze zu machen, von ihnen geschimpft zu werden und sie selbst zu schimpfen – das ist wie der Austausch in einer großen Familie.

Deshalb macht dieser Beruf auch so glücklich: Nach Hause gehen zu können in dem Wissen, dass man jemandem, den man gerne mag, geholfen hat und dass der alte Mensch gelächelt hat und sich, hoffentlich, wohl fühlt. Das erfüllt mit einer tiefen Befriedigung, die wohl die wenigsten von ihrem Arbeitsplatz mit nach Hause nehmen können.

Sie waren früher Autolackiererin. Möchten Sie nicht manchmal zurück in Ihren alten Beruf?

Das ist eine schwierige Frage, denn natürlich ist – das kann man im Buch auch gut nachlesen – nicht alles eitel Sonnenschein bei uns in der Altenpflege. Wenn du mal wieder den ganzen Tag am Rennen bist und trotzdem das Gefühl hast, dass du nur Dienst nach Vorschrift machen kannst und alles Zwischenmenschliche, die kleinen Scherze, das freundliche Geplauder, auf der Strecke bleibt. Aber in solchen Momenten denke ich eigentlich nie ans Kündigen. Solche Tage sind heftig, aber hier habe ich das Gefühl, dass das einfach mein Beitrag ist, den ich leiste.

Schlimm ist es wirklich, wenn bei der Schichtplanung was schief läuft. Wenn man wieder mal überraschend einspringen oder neun Tage am Stück – auch das komplette Wochenende durch – arbeiten muss. Da fühlt man sich schon ziemlich ausgeliefert und dann geht einem schon manchmal durch den Kopf: „Wäre ich doch im Handwerk geblieben!" Dann würde ich um 7 Uhr in die Arbeit gehen, um 17:30 Uhr Feierabend machen, am Freitag sogar um 16:00. Und dann ab ins Wochenende und die Ruhe genießen – ohne überraschende Anrufe, ob du nicht noch einspringen kannst.

Pflegenotstand, Gewalt im Heim, ein Leben auf den Tod hin. Ist das Thema nicht zu ernst, um lustig über das Leben im Altenheim zu schreiben?

Natürlich liegt einiges im Argen. Viele dieser Berichte sind brutal ehrlich und zeigen knallhart die schlimme Seite der Pflege auf. Ich wollte aber in diesem Buch zeigen, dass es auch eine andere Seite gibt. Dass man sehr wohl auch mal lachen kann in diesem Beruf, dass es trotz Überstunden, trotz spontanem Einspringen, trotz Wochenend- und Feiertagsdienst schön und erfüllend sein kann, in der Altenpflege zu arbeiten.

Mir war es wichtig zu zeigen, dass der Alltag im Heim in der Regel schon ein ganz anderer ist als der, der uns in den Medien immer wieder präsentiert wird. Wir Altenpfleger sehen den Mensch nicht als Ware, sondern lieben es, uns um die Alten unserer Gesellschaft zu kümmern. Im Miteinander mit den Alten spielen viele der großen Dinge, die schief laufen, gar keine Rolle mehr. Ich versuche, trotz schwieriger Rahmenbedingungen meine Leute glücklich zu machen und so auch selbst bei der Arbeit Spaß zu haben.

Dieser Beitrag ist eine Zweitveröffentlichung. Wir danken dem Heyne Verlag  für die Genehmigung.

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