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Aromapflege

Die Macht der Düfte

Seit zwei Jahren sind sie im Einsatz: Fünf Gesundheits- und Krankenpfleger am Neurologischen Spezialpflegeheim des Bezirksklinikums Regensburg absolvierten im Sommer 2013 erfolgreich einen Basiskurs zur Aromapflege und konnten unmittelbar mit der Integration dieser Pflegemethode in den therapeutischen Alltag beginnen.

 

Nach und nach wurden auch alle weiteren Kollegen im Neurologischen Spezialpflegeheim geschult, um einen sachkundigen und sicheren Umgang mit den Ölen zu erlernen. Auch bei der Angehörigenarbeit und in der Ausbildung von Gesundheits- und Krankenpflegeschülern hat die Aromapflege mittlerweile einen festen Platz. Vor allem aber profitieren die schwer hirngeschädigten Bewohner des Neurologischen Spezialpflegeheims jeden Tag vom Einsatz der hochwertigen ätherischen Öle.

Was ist eigentlich Aromapflege?
Aromapflege ist ein Teilbereich der Aromatherapie. Die Aromatherapie ist in Deutschland per Gesetz Ärzten vorbehalten und gehört zur Phytotherapie. Sie beinhaltet die gezielte therapeutische Anwendung von Ölen pur oder gemischt über den Geruchssinn, Haut und Schleimhäute  - zum Beispiel über Kapseln oder Zäpfchen.

Als anerkannte Pflegemethode wird die Aromapflege in die pflegerischen Handlungen auf der Grundlage von Anamnese und Pflegeplanung als unterstützende Maßnahme individuell integriert. Inhalte der Ausbildung waren entsprechend unter anderem die Herstellung, Qualitätssicherung, Dosierung, Wirkung und Anwendung einzelner Öle sowie Indikationen und Kontraindikationen vor allem im neurologischen Bereich.

Wie werden die Düfte konkret angewendet?
Zur äußerlichen Anwendung kommen 100 Prozent naturreine ätherische Öle, Hydrolate, fette Pflanzenöle sowie bereits speziell für die Pflege hergestellte Mischungen. Die Wirkung der Öle entfaltet sich nicht nur über den Geruchssinn, sondern auch über die Aufnahme über die Haut, sodass sogar intubierte, tracheotomierte und beatmete Bewohner profitieren. Über die Haut gelangen die Öle in den Organismus: Blut- und Lymphbahnen transportieren die ätherischen Stoffe. Über Lunge, Leber und Niere werden sie wieder ausgeschieden.

Die physische Wirkung ist klar messbar über Blutdruck-, Puls- und Musekltonusveränderungen sowie die Reduktion von Bakterien, Viren und Pilzen durch die antibakterielle, antivirale und antimykotische Wirkung der Öle. Teebaum- oder Manukaöl helfen nachgewiesen sogar gegen MRSA und andere antibiotikaresistente Keime.
Psychisch wirken ätherische Öle über das Limbische System und können so Einfluss auf die Gefühlswelt, Wohlbefinden und Wiedererkennung haben.
 


Aromapflege im Hausgebrauch

•    bei Spannungskopfschmerzen Eukalyptusöl an den Schläfen einreiben (Achtung: nicht bei Epilepsie verwenden, hier hilft alternativ Melisse)
•    gegen kalte Füße hilft ein warmes Fußbad mit Meersalz und Zimtöl
•    gegen fettende Gesichtshaut Jojobaöl und Zitrone (Augen und Schleimhäute aussparen)
•    gegen Akne kann Teebaum- oder Lavendelöl mit Jojobaöl hilfreich sein
•    für Narbenpflege und gegen Falten empfiehlt sich Hagebuttenkernöl
•    um den Appetit anzuregen, ein paar Tropfen Mandarinenöl auf einen Duftstein träufeln
•    gegen innere Unruhe und Anspannung können Zitrusdüfte und Jasminöl als Raumbeduftung helfen, gegen Aggressivität Immortelle
•    bei Apathie werden Düfte wie Rose und Limette verwendet
•    zur Hautpflege und Dekubitusprophylaxe eignen sich vor allem Teebaum-, Manuka-, Lavendel- und Citrosenöl mit Mandelöl gemischt
•    ein Sonnenschutzöl kann man sich selbst mit Jojoba und Sandelholzöl herstellen
•    beim Einschlafen kann Lavendelöl helfen

Aromaöle nie pur auf die Haut geben, nur gemischt mit einem fetten Trägeröl (etwa Mandel oder Jojoba) verwenden! Bitte vor Erstanwendung Allergietest durchführen und nur wenige Tropfen verwenden (maximal fünf Tropfen pro Anwendung).


Einsatz im Haus 15
Die Raumbeduftung beispielsweise mit Hilfe von Duftsteinen schafft eine angenehme Raumatmosphäre. Der sonst so typische medizinische Krankenhausgeruch wird abgemildert und die Zimmer wirken heimeliger. Öle wie Bergamotte, Mandarine oder Zitrone sind erfrischend, belebend und aktivierend. Sie werden vorwiegend vormittags verwendet.

Weihrauch, Manuka, Teebaum oder Zimt reinigen die Luft und können unangenehme Gerüche ausgleichen. Öle zur Entspannung wie Lavendel- oder Rosenöl eignen sich besonders gut abends zur Schlafenszeit.

Ein weiteres Anwendungsgebiet bilden Waschungen und Bäder. Ätherische Öle können hier in Verbindung mit einem Emulgator wie Honig, Sahne oder Meersalz einen hohen hautpflegerischen Effekt erzielen und belebend und entspannend sein. Zudem kann man sie therapeutisch anwenden  - zum Beispiel als fiebersenkende Maßnahme durch eine Teilkörperwaschung oder zum Aufwärmen kalter Füße im Winter mit einem Fußbad.

Einreibungen etwa zur Atemstimulation können gut mit Hilfe von ätherischen Ölmischungen durchgeführt und intensiviert werden. Sie erleichtern den Bewohnern das Abhusten. Jojobaöl und Sandelholz ergeben gemischt sogar einen Sonnenschutz. Zur Hautpflege eignen sich fette Öle in Verbindung mit einzelnen ätherischen Ölen wie beispielsweise Lavendelöl.

Für die Mundpflege gibt es eine spezielle Mischung, die ins Mundpflegewasser geträufelt wird. Der angenehme Geschmack dient als Anregung für die Geschmackssinne, zur orofacialen Stimulation und Keimreduktion der Mundschleimhaut.

Duftende Wickel und Auflagen zum Beispiel zur Tonuslösung oder Schmerzreduktion zeigen ebenfalls gute Wirkungen. Hand- und Fußmassagen komplettieren die Anwendungsgebiete der Aromatherapie.

All diese Maßnahmen lassen sich in den pflegerischen Alltag gut integrieren und sind eine Bereicherung für die Bewohner und das Team.

Aromapflege punktet bei Teilnehmern
Pflegepädagogik-Studentin Kathrin Werner hat eine Studie mit dem Titel „Implementierung der Aromapflege im klinischen Bereich" in Haus 15 durchgeführt. Im Fokus stand die Evaluation der Anwendung von ätherischen Ölen in der Pflege.

Das gesamte Pflegeteam des Hauses wurde zur Häufigkeit und Art der Anwendung sowie zu den verwendeten Öle und Düfte befragt. Auch der Stand des theoretischen Fachwissens ging in die Erhebung ein. Nicht zuletzt untersuchte die Studie die praktischen Effekte der Aromapflege: die wahrnehmbaren Veränderungen am Patienten.

Ergebnis: Als positive Veränderungen wurden die entspannende Wirkung, die Steigerung der Aufmerksamkeit, der hautpflegende Effekt sowie Harmonisierung und Anregung genannt. Die verwendeten Öle wirken zudem antibakteriell und antiviral. Zusätzlich reduziert die  Aromapflege Schmerzen sowie Muskeltonus und Speichelfluss beim Bewohner, was wiederrum eine intakte Mundschleimhaut zur Folge hat.

Die Effektivität der Aromapflege beurteilten die Teilnehmer auf einer Skala von 1 bis 10 mit dem asymmetrischen Mittelwert 7. Auch die fachliche Kompetenz der Aromapfleger konnte punkten.

Aromapflege ist ein qualitätssicherndes und -steigerndes Pflegeinstrument. Eine feste Integration in das Repertoire des pflegerischen Bereichs ist sinnvoll – zumal die Aromapflege in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern tendenziell noch wenig Anwendung findet.

Autoren:

Melanie Kießling, Gesundheits- und Krankenpflegerin, Wundexpertin ICW und Pain Nurse Plus
Kathrin Werner, Gesundheits- Kranken- und Altenpflegerin
Kirsten Gangl, Krankenschwester/Palliativ-Weiterbildung im Neurologischen Spezialpflegeheim am Bezirksklinikum Regensburg

 

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