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Leserbrief

„Die Pflege nimmt sich selbst die Stimme"

Nach einer misslungenen "Pflege am Boden"-Aktion in Münster musste sich Marieke Beerwerth Luft machen. Die Auszubildende versteht nicht, warum sich nicht mehr Kollegen engagieren. Aufgeben kommt für sie aber nicht in Frage.

Es ist Samstag, 11:52 Uhr. Ich beobachte seit etwa fünf Minuten den Platz vor Karstadt Sport. Hier soll gleich die Aktion "Pflege am Boden" starten.

11:57 Uhr. Ich werde unruhig, weit und breit kein bekanntes Gesicht zu sehen und auch niemand, den man als Teilnehmer der Aktion identifizieren könnte.

11:59 Uhr. Ich entdecke eine Lehrerin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule. Sie freut sich, mich zu sehen und hat noch einen Pfleger im Schlepptau.

Um 12 Uhr sind nur wir drei hier. Dem angeforderten Polizisten wurde schon signalisiert, dass der so genannte "Smartmob" nicht stattfinden wird. Zu geringe Teilnehmerzahl. Genau Drei.

Ich bin fassungslos und frage mich, wo der Rest der Pflegenden aus Münster bleibt. Dass alle in der Frühschicht stecken, ist nicht möglich. Wahrscheinlich erholen sich einige von ihrem anstrengenden Arbeitsleben in der Pflege.

Ich kann das verstehen. Und hier wird es kritisch.

Wenn die Arbeitsbedingungen die Protestbereitschaft der Pflegenden limitieren und so für eine Verschärfung der Bedingungen sorgt, geraten wir in einen Teufelskreis. Pflege bremst sich selbst aus und nimmt sich selbst die Stimme.

Was muss denn noch passieren, damit die Notwendigkeit zur Veränderung nicht nur stationsintern verbalisiert, sondern öffentlich thematisiert wird - und zwar von der betroffenen Berufsgruppe selbst?

Wir können uns nur selbst eine Stimme geben.

12:23 Uhr. Ich bin wieder zu Hause und überlege, warum kaum jemand kam. Wirklich nur die Arbeitsbelastung? Vielleicht auch mangelhafte Information über die Aktion, also geringe Öffentlichkeitsarbeit? Desinteresse? Fehlender Glaube an Veränderung?

Gerade Letzteres klingt in diesen Tagen, in denen vor 25 Jahren die Mauer fiel, wie Hohn.

Was nun?

Nicht frustrieren lassen, weiter machen, aufklären und die Hoffnung nie verlieren. Für diesen Beruf lohnt es sich!

 

Münster, 8. November 2014
Marieke Beerwerth
Auszubildende in der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege

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