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PKMS-Jahrestagung 2014

PKMS-Jahrestagung 2014: Bedeutung in deutschen Einrichtungen nimmt zu

Die PKMS-Jahrestagung in Kassel Ende vergangenen Jahres erreichte einen neuen Besucherrekord. An der Fachtagung zum vor rund vier Jahren eingeführten Pflegekomplexmaßnahmen-Score (PKMS) nahmen mehr als 500 Besucher teil.

Marie-Luise Müller, Gesundheitsmanagerin und ehemalige Präsidentin des Deutschen Pflegerates (DPR), erläuterte den historischen Prozess der Einführung des DRG-Systems (Diagnosis Related Groups) in Deutschland. Darin veranschaulichte sie unter anderem den langen Weg der Einführung des diagnoseorientierten Vergütungssystems in Krankenhäusern. Sie zeigte auch auf, wie die Pflege „adäquat im DRG-System" einzubinden sei. Mehrere Experten aus dem Pflegemanagement und DRG-Bereich hätten bereits in den frühen Tagen des DRG-Systems darauf hingewiesen, dass es der Verwendung von Nursing Related Groups (NRG) bedürfe, um den Pflegeaufwand entsprechend abzubilden.

Praxisrelevantes Konzept bis 2020

Zuletzt sei dies 2008 im Rahmen eines DPR-Forschungsantrages an das Bundesgesundheitsministerium (BMG) gefordert worden. Allerdings seien dafür in der DRG-Dekade von 2000 bis 2010 die notwendigen Ressourcen nicht verfügbar gewesen. Müller forderte deshalb auch, dass bis 2020 ein praxistaugliches Konzept der NRG im deutschen Pflege- und DRG-System zur Verfügung stehen müsse. NRG seien in der Lage, das Leistungsgeschehen und den Pflegeaufwand zu erklären und somit auch Kostengewichte zu entwickeln.

Wir-Kultur für NRG-Einführung bedeutend

Darüber hinaus machte sich Müller für eine faire und stabile Finanzierung der Kliniken stark. Maßnahmen wie das Pflege-Förderprogramm seien zwar gut gemeint, könnten sich aber aufgrund systembegründeter Rahmenbedingungen nur begrenzt entwickeln. Es gäbe viele Lösungsansätze, aber eines sei sicher: Geld folge der Leistung. Deshalb seien auch die ersten Erfolge von Mehrerlösen aufgrund der PKMS-Kodierung ein Erfolgsindikator zur leistungsorientierten Vergütung im DRG-System. Außerdem  sei es zwingend erforderlich,  IT-Förderung auch in der Pflege zu realisieren. Schlussendlich solle ab 2020 durch das Konzept der NRG die Professionalisierung der Pflege abgeschlossen werden. Bis zur flächendeckenden Einführung der NRG bedürfe es jedoch politischer Unterstützung und einer Wir-Kultur.

Auch der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag, Edgar Franke, verwies in einer Videobotschaft auf die PKMS-Bedeutung. Der Score habe sich im DRG-System zu einem nicht unbedeutenden Erlösfaktor entwickelt. Durch den Operationen- und Prozedurenschlüssel 9 bis 20 konnten mehr als 243 Millionen Euro Erlöse in Einrichtungen gesteuert werden, die hochaufwendige Pflege erbracht haben. Nach einer Studie der Universität Duisburg-Essen gäben zwei Drittel der Ärzte, Pflegedirektoren und Geschäftsführer an, dass sich die gegenwärtigen finanziellen Rahmenbedingungen negativ auf die Patientenversorgung auswirkten. Dabei seien die größten Lücken bei der pflegerischen Versorgung zu erkennen. Bei der menschlichen Betreuung sähen heute schon mehr als 80 Prozent der Befragten Defizite. Im Hinblick auf die Attraktivität von Pflegeberufen seien insbesondere die geringe Vergütung sowie die hohen Arbeitsanforderungen für den absehbaren Fachkräftemangel verantwortlich, so Franke in Anlehnung an eine weitere Studie des Instituts für Public Health und Pflegeforschung.

Vorreiter Bundesrepublik

Zudem sei in der Diskussion um Personalknappheit auch nicht zu vernachlässigen, dass deutsche Kliniken diese Entwicklung auch selbst herbeigeführt hätten. Da die Krankenhäuser ihre Gelder im Rahmen des DRG-Systems frei einteilen dürften, sei es auch in ihrer Verantwortung, diese sinnvoll einzusetzen. Eine Weiterentwicklung der DRG-Kalkulation in Hinblick auf die pflegerischen Leistungen stehe definitiv auf der politischen Agenda und erfreulicherweise sei Deutschland Vorreiter bei der Implementierung der Pflegeleistungen in das DRG-System durch die PKMS-Entwicklung. Franke appellierte an die Kongressteilnehmer, dass die Pflege darauf hinarbeiten müsse, ihre Tätigkeiten so zu klassifizieren, dass die pflegerische und therapeutische Arbeit transparent werden würde und sich im G-DRG-System abbilden lasse. Der PKMS müsse dabei als Einstieg und Paradigmenwechsel im Krankenhausfinanzierungssystem bewertet werden.

Die Pflegewissenschaftlerin Pia Wieteck zeigte anhand der aktuellen Vollzeit-Personalstellenentwicklungen basierend auf den Daten des Bundesamts für Statistik auf, dass die Personalstellen der Pflegepersonen zwar angestiegen seien, aber durch die gleichzeitige Zunahme an Fallzahlen keine Entlastung, sondern eine weitere Verschärfung der Arbeitsbelastung der Pflege im Krankenhaus stattgefunden habe. Sie unterstützt so Müllers Argumentation, Pflege tiefer in das G-DRG-System einzubinden und die NRG zu etablieren. Darüber hinaus solle die Politik die Pflege weiter fördern, etwa mit der Zweckbindung der Mittel für die Pflegepersonalstellenentwicklung.

PKMS in der Praxis

Referentinnen des Medizinischen Dienstes (MDK) gaben auf der Tagung Einblick in die MDK-Begutachtungen. Während ein Vortrag schwerpunktmäßig auf die Zahlen der PKMS-Begutachtung und die Entwicklung der Widerspruchsverfahren ausgerichtet war, konzentrierte sich der zweite auf die Schwierigkeiten der PKMS-Dokumentation in der Praxis. Anhand ausgewählter Beispiele konnten die Defizite der Pflegeprozessdokumentation nachvollzogen werden, die es Außenstehenden sonst unmöglich machen, den Versorgungsprozess zu beurteilen.

Thema der Veranstaltung war auch die aktivierende therapeutische Pflege, zentrale Elemente, die im PKMS abrechenbar sind. Mehrere Experten verdeutlichten, wie therapeutische Pflege Positives bewirken könne. Dabei wurde klar, dass in der breiten Pflegepraxis durchaus noch Wissensdefizite in der indikationsgerechten Umsetzung der therapeutischen Pflege bestehen. Obwohl Bedarf bei zahlreichen Patienten bestehe, sei die aktivierende therapeutische Pflege im Akutkrankenhaus nicht mehr angewendet worden. Durch die Einführung des PKMS sei die aktivierende therapeutische Pflege auf einer „Normalstation" wieder in der Diskussion und finde dort Anwendung. Auch wenn es aktuell in der Anwendung noch Unsicherheiten gebe, begrüßten die Experten diese Entwicklung.

Fazit

Mit der Erhebung und Abrechnung hochaufwendiger Pflegeleistungen kann die ökonomische Wertschätzung für pflegerische Leistungen im deutschen Abrechnungssystem weiter forciert werden. Die zunehmenden Besucherzahlen und die Beteiligung akademischer Instanzen zeugen laut dem Veranstalter, der Recom GmbH, davon, dass der PKMS zunehmend Anwendung in deutschen Kliniken findet. Aus diesem Grund plant Recom auch in diesem Jahr wieder eine PKMS-Jahrestagung in Kassel .

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