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Streit über Wissenschaftsrat-Empfehlungen

Die Empfehlung des Wissenschaftsrats, dass künftig etwa zehn bis 20 Prozent der Auszubildenden in den Pflege- und Gesundheitsfachberufen über einen Bachelorabschluss an Universitäten und Hochschulen qualifiziert werden sollen, ist auf geteilte Reaktionen gestoßen. Während die Pflegeverbände den Vorschlag als längst überfällig begrüßten oder sogar noch weitreichendere Schritte forderten, wiesen Krankenhäuser und Ärzte ihn zurück und warnten unter anderem vor den finanziellen Folgen für das Gesundheitssystem.

„Mit dieser Empfehlung setzt sich der Wissenschaftsrat deutlich für eine überfällige Verbesserung der Gesundheitsversorgung ein“, sagte die Vizechefin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) Gertrud Stöcker. Bislang seien die notwendigen Konsequenzen aus den sich verändernden Anforderungen an die Gesundheitsberufe „aus kurzsichtigen und eigennützigen Gründen verweigert“ worden. Die empfohlene Quote von zehn bis 20 Prozent schätzte Stöcker zwar als zu niedrig ein, räumte aber zugleich ein, dass es schon allein aus Mangel an Studienplätzen und qualifizierten Hochschullehrern lange dauern werde, bis dieser Anteil überhaupt erreicht werden könne.

Als längst überfällig bezeichnete auch die Pflegedirektorin der Berliner Charité, Hedwig Francois-Kettner, den Vorschlag des Wissenschaftsrates. „Ich bin verzückt“, sagte Kettner, die auch im Präsidium des Deutschen Pflegerates sitzt, dem Berliner „Tagesspiegel“. Neben Österreich sei Deutschland das einzige Land in Europa, dass noch keine grundständigen Pflegestudiengänge eingeführt habe. Die Charité plane bereits einen Bachelor für Pflegewissenschaften mit einem gemäß den Empfehlungen des Rates stark patientenorientierten Bezug, der aber zugleich eine problem- und wissenschaftsorientiertere Herangehensweise vermittele. Auch die Empfehlung des Wissenschaftsrats, die Ausbildungen von Pflegenden und Medizinern stärker zu vernetzen, unterstützt Kettner. In den angelsächsischen Ländern führe dies bereits zu einer „größeren gegenseitigen Akzeptanz“, sagte sie der Zeitung.

Kritisch bewertet die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) die Empfehlungen des Wissenschaftsrates. Zum einen sei kein Konzept vorgelegt worden, wie die zusätzlichen Studienplätze sowie die zweifellos höheren Vergütungen der akademisch qualifizierten Pflegekräfte finanziert werden sollten, sagte Präsident Alfred Dänzer dem „Handelsblatt“. Er warnte vor weiteren Einsparungen und der „Rückkehr der Pflegehelfer, die nur ein Jahr lernen und die wir aus guten gründen abgeschafft haben“. Zum anderen führe eine solche Reformierung der Ausbildung eher zu Frust bei den akademisch ausgebildeten Pflegekräften, wenn sie im Berufsalltag nicht auch entsprechend anspruchsvolle Aufgaben bekämen. Dies werde aber nicht ohne eine Kulturrevolution und neue Gesetzgebung möglich, „solange Ärzte keine Aufgaben an topqualifizierte Pflegekräfte abgeben“ wollten.

Dass sie genau dies nicht wollen, bekräftigte die von mehreren Ärzteorganisationen, -verbänden und Hochschulgesellschaften getragene Arbeitsgemeinschaft Hochschulmedizin (AG Med) gestern in einer Pressemitteilung. Durch die Weiterqualifikation der Gesundheitsfachberufe könnten keine ärztlichen Leistungen surrogiert werden, da Patienten weiter Anspruch auf eine Behandlung durch einen Facharzt hätten. „Dieses hohe Behandlungsniveau in Deutschland („Facharztstandard“) darf durch eine primärqualifizierende Akademisierung der Gesundheitsfachberufe nicht in Frage gestellt werden“, heißt es in der Erklärung. Auch die Hochschulmediziner verweisen zudem auf die nicht geklärte Finanzierung und tarifrechtliche Auswirkungen. „Die AG Med warnt vor dem Irrglauben, durch Einsparungen im ärztlichen Dienst die Akademisierung der Gesundheitsfachberufe finanzieren zu können.“ Das akut bestehende Problem vor allem in der Pflege sei zudem die zu geringe Anzahl der Beschäftigten und weniger das zu geringe akademische Qualifikationsniveau. „Die Vertreter des Bundes und der Länder sind insoweit aufgefordert, durch attraktive Rahmenbedingungen die Anzahl des Personals in den Gesundheitsfachberufen zu erhöhen“.

Der DBfK wies die Ausführungen der AG Med heute entschieden zurück. Die Positionen der Mediziner seien im Wesentlichen „von einem veralteten Bild der Zusammenarbeit, von Unkenntnis der Ausbildungsrealität in den anderen gesundheitsberufen und vor allem von der Sicherung eigener Vorteile“ getragen. Die Vorschläge des Wissenschaftsrates unter Verweis auf ein fehlendes Finanzierungskonzept abzulehnen, sei angesichts der hohen Gehaltssteigerungen für Ärzte in den Krankenhäusern und den Milliarden, die für die ambulante ärztliche Versorgung vor Kurzem zusätzlich bereit gestellt worden seien, geradezu ein Hohn. „Die Sorge um Planstellen anderer Berufe hätte man sich bei der überdurchschnittlichen Tariferhöhung für Ärzte im Krankenhaus gewünscht“, die zu deutlichen Stellenkürzungen geführt hätten, teilte der DBfK heute in Berlin mit.

Der Wissenschaftsrat hat die Empfehlungen seines Medizinausschusses mittlerweile auf seiner Website veröffentlicht.

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