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  • 01.09.2016
  • Praxis

Managementnachwuchs

Führungskompetenz entwickeln

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 9/2016

Mit dem neuen Fortbildungsprogramm „Kompetent führen" schult das Universitätsklinikum der Medizinischen Hochschule Hannover Pflegende für Führungsaufgaben. Schon der erste Kurs zeigt, dass das neue Modell deutliche Vorteile gegenüber herkömmlichen Management-Fortbildungen aufweist.

 

Veränderte Arbeitsabläufe, Qualitätsanforderungen, viele teilzeitbeschäftigte Mitarbeiter, Kostendruck – Pflegende in Leitungspositionen stehen vor enormen Herausforderungen. Immer weniger Führungskräften gelingt es auf Dauer, diesen komplexen Anforderungen gerecht zu werden. Daraus ergibt sich ein ständiger Bedarf an Managementnachwuchs. Doch herkömmliche Weiterbildungen dauern zu lange, verbrauchen viele Ressourcen und bereiten die Teilnehmer häufig nicht adäquat für ihre künftigen Aufgaben vor.

Neue Konzepte gefragt

Aus diesem Grund suchte der Bereich Pflege der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) nach neuen Wegen und entwickelte im Rahmen der Projektförderung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur in Zusammenarbeit mit dem Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft ein neues Angebot für künftige Führungskräfte in der Pflege. Der erste Durchgang ist bereits erfolgreich verlaufen.

Ziel des Fortbildungsprogramms „Kompetent Führen" – kurz KoFu – ist die Entwicklung, Erprobung und Etablierung einer individuellen und bedarfsgerechten Weiterqualifizierung von berufserfahrenen Pflegenden, die sich potenziell für eine Führungsposition im mittleren Management eignen.

Neben der Vermittlung von Fachwissen und Kompetenzen, die für die Entwicklung von Führungsqualitäten notwendig sind, steht vor allem der Theorie-Praxis-Transfer im Mittelpunkt.

Die Weiterbildung ist in vier Module aufgeteilt (Abb. 1). Jedes Modul besteht aus theoretischem Input, Selbststudium und begleiteter Praxis. Die Module bauen aufeinander auf, können aber auch einzeln belegt werden. Die Lehrinhalte werden mithilfe moderner Methoden der Erwachsenenbildung vermittelt, zum Beispiel kommen Fallbesprechungen, Situationsanalysen und Gruppenarbeiten zum Einsatz. Die Module enthalten sowohl theoretische als auch praktische Lehreinheiten, die themenübergreifend gestaltet sind.                             

Der theoretische Teil erfolgt in Form von Blockunterricht. Die Lernzeiten sind mit 60 Stunden Präsenzzeit und der Vermittlung von Inhalten in Seminarform ausgestaltet. 40 Stunden stehen für das Selbststudium zur Verfügung.

Die restlichen 80 Stunden entfallen auf Praxiseinsätze, die von führungserfahrenen Mentoren begleitet werden. Dies soll der Theorie-Praxis-Vernetzung dienen. Die hierzu entwickelten Arbeitsaufträge sind die Grundlage für die zu erbringenden Leistungsnachweise. Diese sind jeweils an den zuvor gelernten theoretischen Inhalten des Moduls orientiert und ermöglichen die Übersetzung von theoretisch Gelerntem in die Praxis. Die Leistungsnachweise können in Form von schriftlichen Hausarbeiten, mündlichen Präsentationen oder schriftlichen Klausuren erfolgen.

Mentoring ist ein zentrales Element des Weiterbildungsangebots: Jeder Teilnehmer wird von einer berufserfahrenen Führungsperson aus der Pflege während des gesamten Projekts begleitet. Ziel ist der informelle Erfahrungs- und Wissenstransfer, wobei die individuelle Förderung der Nachwuchsführungskraft im Mittelpunkt steht. Das Mentoring bildet dabei eine Plattform zum Austausch, Lernen und Experimentieren. Das Tandem aus Mentor und Mentee wird durch den modulverantwortlichen Dozenten zu einem Dreieck erweitert, sodass an jeder Stelle der Weiterbildung eine gute Kommunikation gewährleistet ist und eine gute Vernetzung von Theorie und Praxis gewährleistet ist.

Anfängliche Skepsis

Teilnehmer herkömmlicher Management-Weiterbildungen kritisierten in den vergangenen Jahren häufig, dass das theoretisch Erlernte nur schwer in die Praxis umzusetzen sei. Sie wünschten sich mehr Praxisbezug und mehr Unterstützung bei der Entwicklung kreativer Problemlösungen.

Diesem Anspruch will das neue Fortbildungsangebot KoFu gerecht werden. Im Gegensatz zu tradierten Lehrmethoden wie Frontalunterricht ermöglichen die didaktischen Tools von KoFu ein hohes Maß an Reflexion. Zudem werden die vermittelten Fachkenntnisse flexibel an die Gegebenheiten der Praxisorte und dortigen Bedingungen angepasst. Dies ist wichtig, da Führungskräfte in die Lage versetzt werden müssen, eine Situation genau abzuschätzen und ihr Führungsverhalten situativ anzupassen. Dabei geht es darum, sowohl das formal erlernte Hintergrundwissen abzurufen als auch dieses mit eigenen innovativen Ideen zu verbinden.

Als das Programm startete, war es zunächst schwierig, geeignete Teilnehmer zu finden. Sowohl die vorgesetzten Pflegedienstleitungen als auch die Zielgruppe hatten erhebliche Vorbehalte. Der Widerstand begründete sich häufig darin, dass KoFu nicht wie andere Weiterbildungen mit einer gesetzlich geschützten Bezeichnung wie „Fachkraft für Leitungsaufgaben in der Pflege" abschließt.

So begannen die ersten Teilnehmer verhalten mit dem theoretischen Teil des ersten Moduls. Doch schon am zweiten Tag verwandelte sich die anfängliche Skepsis in eine positive Atmosphäre. Die gut aufeinander abgestimmten Themen und das aktive Einbinden der Teilnehmer zeigten Wirkung. Insbesondere der Blick über den Tellerrand, was vorrangig über die unterschiedlichen Dozenten erreicht wurde, eröffnete den Mentees völlig neue Sichtweisen.

Zweiter Kurs gestartet, dritter in Planung

In den darauffolgenden Praxiseinsätzen gelang es, diese Dynamik fortzusetzen. Besonders der gegenseitige Austausch zwischen Mentee und Mentor erwies sich als äußerst fruchtbar. Die Teilnehmer hatten stets eine erfahrene Fachkraft zur Seite, die jederzeit ansprechbar war. Die Mentoren äußerten zudem, aufgrund des Mentorings viel über sich selbst und ihre Art der Führung gelernt zu haben. Trotz der anfänglichen Skepsis zeichnete sich so mehr und mehr eine Win-win-Situation ab.

Nach der Erstevaluation wurden einige Veränderungen und Anpassungen vorgenommen. Zum Beispiel bietet die MHH jetzt die Weiterbildung als alleiniger Veranstalter an und es finden bestimmte Anteile in den Modulen berufsgruppenübergreifend statt. Der zweite Kurs ist bereits in der Durchführung und der dritte Kurs in Planung.

Wir werden weiterhin die Ergebnisse reflektieren und den Bedarfen anpassen. Inwieweit sich daraus die Ziele von Ressourcenoptimierung darstellen lassen und ein verbessertes Outcome im Vergleich zu herkömmlichen Weiterbildungen messbar ist, wird die nahe Zukunft zeigen.

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