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  • 26.07.2018
  • Die Schwester Der Pfleger

Psychiatric Nursing

Nicht anders, aber besser

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 8/2018

Seite 94

Was bringt ein Studium in der Pflege? Geht es den Absolventen lediglich um ein höheres Gehalt oder spielen ideelle Gründe eine größere Rolle? Wir haben uns bei zwei Absolventinnen umgehört, die im berufsintegrierenden Studium ihren Bachelor-Abschluss mit dem Schwerpunkt in psychiatrischer Pflege absolviert haben. 

Wenn Natascha Brand und Sonja Kälberer über ihr Studium nachdenken, sind sie sich einig: Sie würden wieder den Weg über ein Fernstudium wählen. Beide habe die Zeit als sehr intensiv, aber auch sehr lehrreich empfunden. Da jeder von Beginn an die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Studiums direkt an einem eigenen Projekt in die pflegerische Praxis umsetzen musste, war der Lerneffekt groß.

„Vieles an meiner Arbeit verstehe ich jetzt besser und kann es auch besser in Bezug zueinander bringen“, sagt die 32-jährige Brand. Die Mutter einer kleinen Tochter arbeitet in Teilzeit an der Vitos Klinik in Herborn. Bevor sie im vergangenen Jahr ihren Bachelor abgeschlossen hat, hat sie schon fünf Jahre in der psychiatrischen Pflege gearbeitet. „Ich wollte einfach noch sicherer in meiner Arbeit werden. Das Projekt während des Studiums hat mir geholfen, mich mit meiner Arbeit umfassender auseinanderzusetzen“, beschreibt Brand. 

Bachelor-Studiengang Social Management – Social Healtcare

Das Steinbeis-Transfer-Institut (STI) Marburg bietet im Fernstudium unter anderem die beiden Bachelor-Studiengänge „Social Management – Social Healtcare“ mit den Vertiefungsschwerpunkten Psychiatric Nursing und Advanced Nursing Practice an. In dem sogenannten Projekt-Kompetenz-Studium werden theoretische und praktische Handlungskompetenzen vermittelt, die direkt im Berufsalltag angewendet werden. Ein studienbegleitendes Projekt aus dem individuellen Arbeitsumfeld wird während des Studiums Schritt für Schritt bearbeitet.

Der international anerkannte Studiengang hilft in erster Linie, die Pflegequalität am und für den Patienten zu verbessern. Ein Einsatz im Pflegemanagement ist nicht das primäre Ziel dieser akademischen Qualifizierung.

Das STI bietet die jährlich startenden Studiengänge in Kooperation mit der Vitos GmbH an.

Voraussetzung:

  • Entweder Abitur oder allgemeine Fachhochschulreife mit abgeschlossener Berufsausbildung oder mindestens zwei Jahren Berufserfahrung oder
  • Mittlere Reife mit abgeschlossener Berufsausbildung und drei Jahren Berufserfahrung

Weitere Informationen: www.steinbeis-marburg.de

Forschen in und für die Praxis

Brand hat in ihrem Projekt untersucht, ob in Gesundheitsberufen tätige Personen anhand von Achtsamkeitstrainings in der Lage sind, Stresssituationen besser zu meistern. Jetzt, knapp ein Jahr später, steht ihre eigene Fortbildungsveranstaltung zu diesem Thema in den Startlöchern. Zusammen mit einer Kollegin zeigt sie ab Anfang nächsten Jahres Mitarbeitern aus dem stationären Bereich, wie sie langfristig mit Stress besser umgehen können. Außerdem hat Brand angefangen, in der Fachweiterbildung der Vitos Akademie zu dozieren. Ihr Engagement zahlt sich aus: Dank ihres Studiums ist sie höher gruppiert worden und verdient jetzt mehr. „Doch das war nicht mein primäres Ziel“, sagt sie.

Ähnliches gilt auch für die 46-jährige Kälberer. „Ich wollte einfach dazulernen, mich weiterentwickeln. Ich wollte zwar nichts unbedingt anders machen, aber dafür besser.“ Sie hat untersucht, welche forensisch-psychiatrische Pflegeinterventionen die Resilienz von Sexualstraftätern fördern. Die Weiterqualifizierung kommt ihrem Stationsteam in der Vitos Klinik in Haina zugute. Der Blick auf die Patienten sei ein anderer geworden. Die individuelle Förderung der Patienten stehe mehr im Fokus. Statt eines überwiegend defizitorientierten Ansatzes sei der Umgang mit Patienten nun kompetenzorientierter. Das fördere letztlich ihren Genesungsprozess. „Ich bin sicherer geworden in meinen Entscheidungen und Art und Weise, wie ich mit Patienten umgehe“, sagt Kälberer.

Außerdem steht sie in engem Kontakt mit aktuellen Studierenden, berät sie und tauscht sich mit ihnen über aktuelle Themen und Entwicklungen aus. „Das kollegiale Miteinander schätze ich sehr. Es weitet den eigenen Blick auf die Dinge.“

Diesen Weitblick wollen sich beide Absolventinnen erhalten und voraussichtlich auch in dem anknüpfenden Master vertiefen.