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  • 02.08.2018
  • Praxis

Pflegende aus aller Welt

Wo steht die Pflege in Ihrem Land?

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 8/2017

Seite 18

Pflege befindet sich in Deutschland derzeit im Umbruch. Akademisierung, Personalbemessung, Ausbildung, Selbstverwaltung – dies sind die Themen, die hierzulande im Fokus stehen. Doch wo steht die Pflege in anderen Ländern? Wir haben uns umgehört und acht Pflegende aus unterschiedlichen Staaten befragt.

"Ich verdiene zu wenig"

Gitte Solgaard Larsen ist Krankenpflegerin in Odense/Dänemark

Ich bin 51 Jahre alt und seit 30 Jahren in der Pflege tätig. In dieser Zeit habe ich in unterschiedlichen Bereichen der Pflege gearbeitet: im Pflegeheim, auf der Intensivstation, in der Dialyse, auf einer nephrologischen Station. Ich finde es klasse, dass Pflege ein abwechslungsreicher Beruf ist und habe bis heute Freude an meinem Job. Aber natürlich gibt es auch Schattenseiten: Der Workload ist zu hoch und die Schichten werden immer anstrengender. Außerdem verdiene ich zu wenig. Mein Verdienst liegt bei 4.000 Euro – er ist um 330 Euro gekürzt worden, weil im dänischen Gesundheitssektor derzeit jährlich zwei Prozent eingespart werden sollen.

"98 Prozent sind im Verband organisiert"

Óluva í Gong ist Präsidentin des Pflegeverbands der Färöer-Inseln, Felagið Føroyskir Sjúkrarøktarfrøðingar

In unserem Land ist es eine Tradition, im Pflegeverband organisiert zu sein – 98 Prozent sind Mitglieder. Die 18 Inseln der Färöer liegen teilweise sehr isoliert und sind schwierig zu erreichen. Der Verband hatte insofern schon immer die Funktion, seine Mitglieder zu vernetzen. Kürzlich haben wir eine Aktion gestartet, um Pflegende zu ermutigen, ihre Meinung zu äußern und gegen Missstände zu protestieren. Pflegende haben die Tendenz, alles stillschweigend hinzunehmen. Wir sind ein sehr kleines Land, deswegen ist jede einzelne Stimme wichtig. Das möchten wir deutlich machen.

"Die Arbeit nimmt immer mehr zu"

Philippe Bordien ist Vizepräsident des französischen Pflegeverbands ANFIIDE – Association Nationale Française les Infirmiéres et Infirmiers diplômes et les Etudiants

Zu wenig Personal, zu wenig Geld, zu viel Bürokratie – das sind die größten Probleme der Pflege in Frankreich. Momentan ist es um die Arbeitszufriedenheit der Kollegen nicht gut bestellt, weil alle das Gefühl haben, dass die Arbeitsbelastung kontinuierlich zunimmt. Die Dokumentationspflichten sind derart ausgeufert, sodass kaum noch Zeit bleibt zum Pflegen. Dennoch blicke ich zuversichtlich in die Zukunft: Es laufen derzeit mehrere Initiativen, um die Pflege voranzubringen. Zum Beispiel möchten wir Advanced Nursing Practice etablieren.

"Es ist sehr schwer, einen Job zu finden"

Laura Cocchiglia ist Krankenpflegerin in einem Pflegeheim in Padua/Italien

Im Dezember 2016 habe ich mein Pflegestudium an der Universität Padua abgeschlossen. Über meinen guten Abschluss war ich so glücklich, dass ich erst einmal groß gefeiert habe. Dann habe ich mich auf Jobsuche begeben – und wurde bitter enttäuscht. Trotz guter Ausbildung ist es in Italien sehr schwierig, einen attraktiven Arbeitsplatz in der Pflege zu bekommen. Auf die wenigen freien Stellen in Kliniken bewerben sich Tausende von Bewerbern, da hat man kaum eine Chance. Ich arbeite derzeit in einem Pflegeheim. Das ist nicht mein Traumjob, aber es ist schön, alte Menschen in ihren letzten Lebensjahren zu begleiten.

"Nur wer sich einbringt, kann etwas erreichen"

Daniel H. Singh studiert Pflege an der Høgskolen i Oslo og Akershus in der Hauptstadt Norwegens

Ich bin Mitglied im Vorstand der Studierendenorganisation des norwegischen Pflegeverbands. Hier befinde ich mich in guter Gesellschaft, denn 80 Prozent des Pflege-nachwuchses in Norwegen ist berufspolitisch organisiert. Das ist auch notwendig, um optimale Bedingungen für unseren schönen Beruf zu erreichen. Meine Überzeugung: Nur wer sich aktiv einbringt, kann etwas erreichen. Deswegen reisen ich und meine Mitstreiter durch ganz Norwegen und besuchen Pflegeschulen, um andere Auszubildende zu motivieren, ebenfalls Verbandsmitglieder zu werden.

"Wir haben paradiesische Zustände"

Dr. Imelda L. Canlas ist Professorin für Pflege an der Universität in Muskat, der Hauptstadt des Sultanats Oman

Ich stamme von den Philippinen, arbeite jedoch seit einiger Zeit im Oman, einem kleinen, sehr wohlhabenden Land auf der arabischen Halbinsel. Pflege verfügt hier über paradiesische Zustände: Der Beruf ist in der Bevölkerung gut angesehen, die Tätigkeitsprofile sind auf hohem Niveau angesiedelt und die Ausbildung ist fortschrittlich. Zudem verdienen omanische Pflegende gut. Es ist faszinierend, mich als Professorin in diesem Umfeld einbringen zu können. Dennoch hoffe ich natürlich, dass auch die Pflege in meinem Heimatland Fortschritte macht.

"In Spanien ist Pflege vollständig akademisiert"

Julián Vadell Martínez ist spanischer Krankenpfleger und studiert derzeit in Frankreich. Er ist Präsident der europäischen Pflegestudierendenvereinigung ENSA

Ich interessiere mich sehr für Arbeits- und Ausbildungsbedingungen für Pflegende in Europa und muss leider feststellen, dass wir von einer einheitlichen Ausbildung weit entfernt sind. Zwei Pflegende aus unterschiedlichen Ländern verfügen demnach über ein nicht-einheitliches Pflegewissen. Froh bin ich allerdings über die Situation der Pflegeausbildung in meinem Heimatland Spanien. Der 1977 begonnene Akademisierungsprozess ist mittlerweile abgeschlossen, sodass Pflege hierzulande eine vollständig akademisierte Disziplin ist.

"Die Arbeit ist sehr hart"

Swetlana Krasutskaja ist Krankenpflegerin in der weißrussischen Hauptstadt Minsk 

In Weißrussland können Medizinstudierende nach drei Jahren als Pflegefachpersonen arbeiten. Grund ist der Personalmangel. Für mich ist es eine gute Möglichkeit, Geld zu verdienen und Erfahrungen zu sammeln. Pflege ist ein angesehener Beruf, dennoch gibt es viele Probleme. Die Arbeit in der Pflege ist sehr hart – allein wegen der langen Dienstzeiten von 16 Stunden werktags und 24 Stunden an Wochenenden. Zudem ist Personal immer knapp und der Verdienst ist nicht so, wie wir ihn uns wünschen würden. Andererseits werden andere Berufe noch deutlich schlechter bezahlt.