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  • 27.07.2017

Feindseligkeit in der Pflegeausbildung

"Bist du blöd, oder was?"

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 8/2016

Viele kennen es – Schülerinnen und Schüler werden im Stationsalltag ignoriert, eingeschüchtert, erniedrigt. Eine qualitative Studie hat sich nun mit dem Thema befasst. Die Ergebnisse sind erschreckend. Feindseligkeit wird von vielen Schülern als alltäglich wahrgenommen. Das kann fatale Konsequenzen haben.

 

Schülerinnen und Schüler erleben oft ein widersprüchliches berufliches Handlungsfeld. Auf der eine Seite gibt es viele Fürsorgesituationen, die durch menschliche Begegnung, Fürsprache und verantwortliches Handeln geprägt sind. Auf der anderen Seite erleben sie aber auch verdeckte und offene Anfeindungen im Kollegenkreis.

In der Literatur werden negative Verhaltensweisen wie diese unter dem Begriff Feindseligkeit zusammengefasst. Bezogen auf die Gruppe der Schüler gibt es hierzu ausschließlich internationale Untersuchungen, die speziell für die praktische Pflegeausbildung auf Erfahrungen mit Feindseligkeit hinweisen (Celebioglu et al. 2010, Curtis et al. 2007, Farrell et al. 2014, Longo 2007, Magnavita & Heponiemi 2011, Thomas & Burk 2009). Im deutschsprachigen Raum blieb dieses Phänomen bisher unbeforscht.

Dieser Artikel ist auf der Grundlage einer qualitativen Untersuchung mit Schülern aus Krankenpflegeberufen mit ihrem Blick auf den Lernort Praxis und dem Phänomen der Feindseligkeit entstanden. Es wurden Schüler aus allen drei Ausbildungsjahren sowohl aus der Gesundheits- und Krankenpflege als auch der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege zum Erleben von Feindseligkeit befragt.

Methodisches Vorgehen

Zielsetzung der qualitativen Forschungsarbeit war, das Phänomen der Feindseligkeit in Fürsorgesituationen zu untersuchen und herauszufinden, ob Schülerinnen und Schüler Feindseligkeit erleben, wie sich diese auswirkt und wie Betroffene darauf reagieren. Hierzu fanden in einem Zeitraum über zwei Wochen leitfadengestützte, problemzentrierte Interviews mit sechs Schülern aus unterschiedlichen Pflegebildungseinrichtungen statt. Die Interviews wurden aufgezeichnet und transkribiert. Die Daten wurden mit der inhaltsanalytischen Methode nach Mayring (2010) computergestützt analysiert und kategorisiert. 

Was ist feindseliges Verhalten?

Bei Feindseligkeit in der Pflege handelt es sich in der Regel um offene (verbale) und verdeckte (nonverbale) negative Verhaltensformen. Offene feindselige Formen können beispielsweise Beschimpfungen, Einschüchterungen, Demütigungen, Lästerungen oder auch Augenbrauen hochziehen sein. Die offene Feindseligkeit stellt nach Rowe & Sherlock (2005) die häufigste Form in der Pflege dar. Sie kamen in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass 80 Prozent der von ihnen befragten Pflegekräfte Erfahrungen mit verbalen Übergriffen hatten (ebd.).

Als verdeckt feindselig gilt Sarkasmus, ignorieren, hinter dem Rücken des anderen das Gesicht verziehen, Sabotage, lügen oder Gerüchte verbreiten. Professionell Pflegende erleben sämtliche Formen von Feindseligkeit durch Patienten, Angehörige, Ärzte und Kollegen (Johnson 2009, Scholz 2007, Tewes 2010). Ein bekannter Begriff zur Beschreibung feindseligen Verhaltens ist Mobbing.

Etwas unbekannter, jedoch nicht weniger bedeutsam, ist die Form der horizontalen Feindseligkeit. In der englischsprachigen Literatur wird sie öfter auch als laterale Gewalt („lateral violence") bezeichnet, die sich unter Pflegenden höchst virulent ausbreitet (Embree et al. 2013). Laut Roberts et al. (2009) handelt es sich hierbei um eine weitere, besondere Form des Mobbings. Die wesentlichen Unterschiede zur vertikalen Feindseligkeit liegen darin, dass bei der horizontalen Feindseligkeit keine bestimmten Personen systematisch und zielgerichtet attackiert werden. Es kann alle zugleich treffen. Außerdem findet horizontale Feindseligkeit unter Mitarbeitern auf gleicher Befugnisebene statt: Pflegekräfte untereinander oder Vorgesetzte untereinander. Bedingt durch die eigene Unfähigkeit, sich innerhalb eines Konfliktes mit hierarchisch übergeordneten Mitarbeitern zu behaupten, wird die Frustration aus dieser Konfliktsituation, an die sich auf Augenhöhe stehenden Mitglieder innerhalb der Berufsgruppe in feindseliger Form weitergeleitet (Alspach 2007).

Im Vergleich zur vertikalen Feindseligkeit sind negative Konsequenzen für das Opfer, zum Beispiel ein Arbeitsplatzwechsel, nicht das Ziel. Sie werden aber in Kauf genommen (Bartholomew 2009).

Griffin (2004) hat im Rahmen einer Studie die häufigsten Formen von horizontaler Feindseligkeit in der Pflege beschrieben. Dies sind nonverbale Anspielungen, zum Beispiel tiefes Ein- und Ausatmen, verbale Beleidigungen, Herabwürdigung der (Pflege-)Tätigkeit, Zurückhaltung wichtiger Informationen, jemanden zum Sündenbock für etwas machen, das Lästern in Abwesenheit der geschädigten Person oder das Absprechen von Kompetenzen (ebd.).

Schüler in Krankenpflegeberufen bilden eine besonders vulnerable Gruppe, Opfer von Feindseligkeit zu werden. Oft sind sie noch schüchtern und zurückhaltend. Teilweise existiert bei ihnen die Vorstellung, diese Art des Miteinanders sei üblich und akzeptieren diese Verhaltensform (McKenna et al. 2002). Häufig wird feindselige Interaktion durch den Schülerstatus auch als berechtigt empfunden, getreu dem Motto „Lehrjahre sind keine Herrenjahre."

Studie untersucht das Phänomen Feindseligkeit

Eine erste Frage der Forschungsarbeit war, ob Schüler in Krankenpflegeberufen überhaupt Feindseligkeiten am Lernort Praxis erleben. Da diese durch alle Teilnehmer positiv beantwortet wurde, ergaben sich weitere Fragen:

  • Hat die Begegnung mit Feindseligkeit Auswirkungen auf die Schüler?
  • Haben die Schüler Vermutungen, warum dieser Widerspruch zwischen Fürsorgeanspruch und Feindseligkeit entsteht?
  • Wie verhalten sich Schüler, wenn ihnen Feindseligkeit begegnet?
  • Sind sie direkt betroffen, also wird Feindseligkeit unmittelbar an ihre Person herangetragen? Oder erleben sie feindseliges Verhalten indirekt als Beobachter zwischen anderen Personen?

Die Perspektive der Schüler und Schülerinnen

Schüler in Krankenpflegeberufen erleben am Lernort Praxis Feindseligkeit aus verschiedenen Perspektiven. Sie beobachten, wie Pflegekräfte untereinander feindselig interagieren und werden auch selbst Opfer von Feindseligkeit:

  • „(…) ich würde ich mich eher als Beobachter sehen."
  • „Nach unten hacken, ist immer einfach, wir sind dann die Blitzableiter für irgendwas, was sich da angestaut hat und dann ist es halt so, dann müssen wir halt herhalten."

Die Schüler erfahren sowohl horizontale als auch vertikale Formen von Feindseligkeit: „(…) das war eigentlich in der Hauptsache mit zwei Kolleginnen. Wenn die da waren, wusste ich – okay, ich kann gleich einpacken (…) Da wusste ich, ich krieg nur Gemecker an dem Tag."

Hauptsächlich handelt es sich um offene Feindseligkeiten wie Lästerungen, Demütigungen, die Verbreitung von Gerüchten, Beleidigungen oder das Absprechen von Fähigkeiten:

  • „Oder, dann ist sie zu einem anderen Schüler gegangen und hat dann gesagt, wie dumm ich bin und wenn ich das Examen schaff', dann frisst sie ein Kehrblech."
  • „Ja manchmal, dann sagt die dann halt – bist du blöd, oder was?"

Die Folgen: Angst, Betroffenheit, Unsicherheit

Feindseligkeit geht nicht spurlos an den Schülern vorbei und hat negative Konsequenzen. Es existiert Angst, emotionale Betroffenheit und Unsicherheit vor und während des Dienstes:

  • „(…) dann geht man natürlich wieder auch mit schlechtem Gefühl zur Arbeit hin. (…) kann man gar nicht anders."
  • „(…) man sollte sich nicht unbedingt viel negativ äußern, weil es sich dann vielleicht auch mal bei einer Bewertung oder Beurteilung auswirken könnte."

Die Erfahrung mit feindseligem Verhalten tangiert auch das Privatleben und verursacht Nachdenklichkeit: „Zum Beispiel kann ich mich nicht freuen, wenn ich Schluss hab, weil ich weiß, ich muss am nächsten Tag wieder dahin."

Es entstehen Vorurteile gegenüber bevorstehende Einsätze aufgrund der negativen Erfahrungen:

  • „(…) deswegen habe ich auch (…) Angst vor dem nächsten Einsatz."
  • „Ein Gedanke nur an diese Station ist einfach grausam."

Schüler flüchten sich aus Sorge vor Feindseligkeit in Tätigkeiten, um der Situation zu entkommen: „Wenn meine Stationsleitung mal wieder unter Stress ist, (…) dann geh ich einfach Schränke ausputzen. Da hab ich dann meine Ruhe, und ich bin glücklich."

Zusätzlich wird befürchtet, dass Feindseligkeit dem Image des Pflegeberufes schadet und somit die Gefahr besteht, Probleme bei der Nachwuchsakquise zu bekommen: „Ich glaube, es schadet dem Berufsstand, also das ergibt kein gutes Bild auf die Pflege."

Die Wahl des Berufes beziehungsweise der Ausbildung wird infrage gestellt und rückblickend bereut. Der Spaß an der Arbeit geht verloren, und auch der Ausstieg aus dem Beruf nach der Ausbildung steht für einige Schüler bereits fest:

  • „Und der Spaß an der Arbeit wird in diesem Beruf genommen."
  • „Ich weiß, das Einzige, was ich gelernt hab in diesem Beruf ist, ich weiß, was ich nicht machen möchte."
  • „(…) obwohl (…) ich den Job eigentlich sehr mag, steht für mich jetzt schon fest, ich werde in diesem Job nicht bleiben. Ich werde die Ausbildung durchziehen, aber werde danach nicht in diesem Job bleiben. Ich muss noch gucken, was ich danach mache (…)."

Mobbing – Bossing – Staffing

Mobbing beschreibt der Psychologe Leymann (1993) als negative kommunikative Handlung. Diese richtet sich zielgerichtet und oft systematisch an eine bestimmte Person, kann von einer oder mehreren anderen Personen ausgehen und dauert nicht selten über einen längeren Zeitraum an. Ursprünglich stammt der im deutschsprachigen Raum verwendete Begriff Mobbing vom Englischen „to mob" ab und bedeutet übersetzt soviel wie anpöbeln, angreifen oder bedrängen. Es handelt sich um Übergriffe, die von der angegriffenen Person als scharfer, missbilligender Angriff empfunden werden und zusätzlich negative Folgen haben (Buback 2004, Drude 2008). Mobbing beschreibt destruktive Verhaltensmuster zur gezielten Schikane und Ausgrenzung einer bestimmten Person, mit der Absicht, diese zum Beispiel vom Arbeitsplatz zu entfernen oder bestimmte Verhaltensweisen zu initiieren (Hofmann 2010, Hutchinson et al. 2006, Leymann 1993). 
Mobbing kann weiter differenziert werden in Bossing und Staffing. Von Bossing spricht man, wenn eine hierarchisch übergeordnete Person die ihr Untergeordnete attackiert. Mobbing von Untergebenen gegen Vorgesetzte hingegen bezeichnet man als Staffing. Sowohl beim Bossing als auch beim Staffing handelt es sich aufgrund der unterschiedlichen Hierarchieebenen um vertikale Feindseligkeit. 

Personalmangel gilt als vermutete Ursache

Als mögliche Ursache für die Entstehung von Feindseligkeit kommen für die Schüler verschiedene Aspekte infrage. Überforderung beziehungsweise Überlastung durch Personalmangel und der daraus resultierende Stress für den Einzelnen, bei fehlender Bewältigungskompetenz, ist ein möglicher Grund:

  • „Ich sehe das Problem im Personalmangel."
  • „(…) dass sie überfordert sind, (…) dass sie zu viel zu tun haben, dass sie keinen Überblick haben, wie sie das regeln sollen."

Eine weitere vermutete Ursache sind allgemeine Rahmenbedingungen wie die Arbeit im Schichtdienst und kurze Erholungszeiten: „(…) hohe Arbeitsbelastung, dieser Schichtwechsel, man geht viel arbeiten und hat wenig frei. Ich glaube einfach, dass das über die Jahre an einem Menschen nagt."

Die Hierarchie im Krankenhaus spielt ebenfalls eine Rolle:

  • „Ist ja auch ganz klar mit der Hierarchie im Krankenhaus (…)."
  • „Das Team war gut eingespielt und da als Neuankömmling hereinzukommen (…) ist ja auch keine leichte Rolle."

Eine weitere Vermutung der Schüler hinsichtlich der Ursachen für die Entstehung von Feindseligkeit liegt in der Sozialisation beziehungsweise dem Arbeitsumfeld der Pflegekraft sowie in der Tatsache, dass über die Vorfälle Schweigen herrscht:

  • „(…) ich glaube nicht, dass die von Anfang an so waren. Ich glaube, dass die auch die Motivation hatten (…). Ich glaube, wenn die in so einem Umfeld reinkommen, dass man dann irgendwie leicht darin abrutscht auch. Diejenigen, die neu sind, die frisch examiniert sind, da sieht man ja auch oft so eine Verwandlung, sag ich jetzt mal."
  • „Ich glaube, wenn man das lange mitmacht, dann ist man einfach irgendwann auf (…)."

Wie Schüler mit Feindseligkeit umgehen

Schüler, die Feindseligkeit erlebt haben, nutzen unterschiedliche Bewältigungsstrategien. Die Probleme werden teilweise geschluckt und feindselige Pflegekräfte ignoriert:

  • „Ich glaube, (…) die Schüler, so wie ich das erlebt habe, oder aus Erzählungen heraus gehört habe, (…) schlucken. Die schlucken das (…)."
  • „Dann entzieh ich mich der Situation, mach mein Fäustchen in der Tasche (…)."

Die Konfrontation der beteiligten, feindselig agierenden Personen in oder auch nach der Situation stellt eine weitere Bewältigungsform dar: „Das hat sich im Nachhinein auch gebessert, weil ich dann auch Contra gegeben habe. (…) es wurde besser, aber es war immer noch unangenehm."

Die Option, mit einer Vertrauensperson über das Erlebte zu sprechen, wird von einigen Schülern ebenfalls als Bewältigungsstrategie genutzt:

  • „Da gibt es Menschen, denen man sich anvertrauen kann, mit denen man sprechen kann. Auch über Leute, über emotionale Empfindlichkeit. Das muss man auch manchmal machen. Es gibt Situationen, in denen man an Grenzen kommt, dann sind solche Gespräche natürlich viel wert."
  • „(…) wir haben hier zwei, an die wir uns dann immer wenden können."

Auch der Lernort Schule dient im Rahmen der Bewältigungsformen als Anlaufstelle: „Ich war alleine da und ich wusste nicht weiter. Da ich jetzt aber eine bin, die jetzt nicht alles auf sich sitzen lässt, bin ich dann zur Schule gegangen und hab mich dann beschwert (…)."
Nach der Auswertung der Interviewdaten ließen sich drei Schülertypen identifizieren.

 

Der Ängstliche: Ist eher distanziert und unsicher. Seine Sorgen und Probleme schluckt er lieber herunter, nimmt sie mit nach Hause oder bespricht diese nur mit Vertrauenspersonen. Eine Konfrontation mit feindselig interagierenden Pflegekräften kommt aus Angst vor Sanktionen eher nicht infrage.

Der Aussteiger: Schluckt Probleme nur bis zu einem bestimmten Punkt. Ist dieser Punkt erreicht, scheut er sich nicht, feindselig agierende Pflegekräfte mit ihrem Verhalten zu konfrontieren. Der Wunsch, die Ausbildung erfolgreich zu beenden, besteht, allerdings wird über einen möglichen Ausstieg aus dem Beruf im Anschluss bereits nachgedacht.

Der Resignierte: Sieht sich argumentativ nicht in der Lage, sich feindseligen Pflegekräften gegenüber zur Wehr zu setzen und fürchtet Auseinandersetzungen. An eine Sinnhaftigkeit durch Konfrontation, die eine verbesserte Situation zur Folge haben könnte, wird nicht geglaubt.

In ihren Ausführungen beschreiben die Schüler deutlich ihr Leid über die praktische Ausbildungssituation. Sie stellen dabei aber auch fest, dass sie in nur wenigen Situationen erleben, dass Pflegende sie gezielt feindselig behandeln. Sie zeigen Verständnis für die Pflegekräfte, schützen sie durch Formulierungen wie „sie können nicht anders", „so wird man eben", „was bleibt ihnen anderes übrig". Besonders die Praxisanleiter werden von den Schülern mit Wertschätzung betrachtet. Sie nehmen den Konflikt der Praxisanleiter zwischen Patientenversorgung und Bildungsauftrag wahr, erleben aber auch, wie dieser Anspruch, beidem gerecht zu werden, vielfach nicht zu leisten ist.

Eine weitere Ursache, die die Schüler aus ihren Beobachtungen ableiten, ist die Dauer der Zugehörigkeit zum Pflegeberuf. Sie führen sehr präzise aus, wie die langjährige physische und psychische Anforderung den Pflegenden Kraft raubt. Sie vermuten, dass diese hohen Anforderungen in Kombination mit schwierigen Rahmenbedingungen dazu führen könnten, dass für kollegiales und fürsorgliches Verhalten kein innerer und äußerer Raum mehr zur Verfügung steht.

Die Schüler berichten davon, dass sie in Gesprächen mit berufsfremden Personen über das feindselige Klima auf Unverständnis und Fassungslosigkeit stoßen. Findet dieses Thema jedoch in Gesprächen mit Angehörigen der Berufsgruppe Pflege Raum, wird den Schülern signalisiert, dass dieses Verhalten bekannt ist und als normal und alltäglich betrachtet wird.

Sie wünschen sich einen „runden Tisch", an dem Schüler und Pflegekräfte gemeinsam sitzen. Dort soll ein Austausch über Pflegesituationen, Pflegehandlungen und Pflegeverständnis stattfinden. Die Generationen lernen voneinander und begegnen sich auf Augenhöhe.

Der Wunsch: ohne Anfeindungen lernen

Eine wesentliche Lücke in der Pflegebildung ist geschlossen. Erstmalig ist im deutschsprachigen Raum beforscht worden, ob und welche Auswirkungen das Phänomen der Feindseligkeit auf Krankenpflegeschüler hat.

Die Ergebnisse sind erschreckend. Feindseligkeit wird von den Schülern als fast alltägliches Vorkommen wahrgenommen, entweder als direkt Betroffene oder Beobachter. Was ihnen fehlt, sind Personen, die sie nachhaltig schützen oder unterstützen. Die Hilfen, die sie bekommen, sind entweder auf die aktuelle Situation bezogen oder ihnen wird nahegelegt, sich anzupassen, um sich im System zurechtzufinden.

Die Frage, die sich stellt, ist: Wie kann es sein, dass eine Berufsgruppe, die sich durch Fürsorge, Unterstützung und Beratung auszeichnen möchte, dies beim eigenen, so dringend benötigten Nachwuchs aus dem Blick verliert? Trotz schwieriger Rahmenbedingungen kann es nicht geduldet werden, dass Krankenpflegeschüler Feindseligkeit ausgesetzt sind.

Besondere Betroffenheit wird zudem noch dadurch ausgelöst, dass den Schülern aufgezeigt wird, dass den examinierten Pflegekräften feindseliges Verhalten als normal erscheint und aus der eigenen Ausbildung vertraut ist. So wird dieses Phänomen unreflektiert hingenommen und weitergetragen.

Die Verantwortung der Schüler liegt darin, motiviert und konstruktiv am Gelingen ihrer Ausbildung mitzuwirken. Die Verantwortung, systemimmanente Probleme transparent zu machen und einer Lösung zuzuführen, tragen andere:

  • die Praxisanleiter, die dies aus der Sicht der Schüler auch versuchen, aber scheitern,
  • die Pflegenden in Bezug auf die Reflexion ihres eigenen Verhaltens,
  • die Lehrenden an Bildungszentren, die die kompetenzorientierte Ausbildung in ihren Teildimensionen vertreten, und
  • die Pflegedienstleitungen und Geschäftsführungen mit ihrer Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mit-arbeitern.

Die Schüler haben deutlich formuliert, dass es nicht darum geht einen Schuldigen zu finden, sondern eine Lösung. Ein Weg, der es ermöglicht, ohne Anfeindungen zu lernen. Ein Weg, der es ermöglicht, sich einem Umgang anzunähern, der es erlaubt, ein Pflegeverständnis zu entwickeln, das getragen ist vom Austausch der Generationen.

Literatur über die Verfasser.