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  • 01.06.2016

Bester Arbeitgeber

Ausgezeichneter Teamgeist

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 6/2016

Individuelle Karriereplanung, Coaching, Fitnessraum – im Krefelder Pflegedienst „PFLEGE optimal" wird gezielt in die Stärken der einzelnen Mitarbeiter investiert. Im März wurde das Familienunternehmen nun als „Bester Arbeitgeber Gesundheit & Soziales 2016" ausgezeichnet.

 

Es war eine gewöhnliche Eskalation, die den Stein ins Rollen brachte. Ein langjähriger Mitarbeiter zeigte sich seit Wochen auffallend gereizt und unfreundlich, Kollegen und Kunden begannen, sich zu beschweren. Ali Celik, Inhaber des Pflegedienstes „PFLEGE optimal" beschloss, den jungen Mann direkt auf sein Verhalten anzusprechen. Kaum saßen die beiden in seinem Büro zusammen, brach der Mitarbeiter in Tränen aus, erzählte von einer komplizierten Beziehungsproblematik und wie ihn diese bei seiner Arbeit belaste.

„Für mich war diese Situation ein Schlüsselerlebnis", sagt Celik zu dem Vorfall, der nun einige Jahre zurückliegt. „Ich versuchte, Ratschläge zu geben und den Mitarbeiter zu unterstützen, merkte aber, dass ich in dieser Situation völlig hilflos und überfordert bin. Mir war klar, ich kann bestimmte Mitarbeiterprobleme nicht lösen, hatte zudem Sorge, falsch zu reagieren – ich bin ja kein Psychotherapeut – und wollte mich auch persönlich abgrenzen." Für Celik, der sich zu diesem Zeitpunkt selbst in einem Coaching-Prozess befand und diesen als sehr hilfreich erlebte, war das der Anstoß zu überlegen, wie er allen Mitarbeitern bei Bedarf ein Coaching ermöglichen könne. Der 41-jährige Geschäftsführer sprach mit einem Coaching-Anbieter und entwickelte mit ihm ein Modell, das alle Mitarbeiter – zunächst anonym – nutzen konnten.

Dieses Angebot kam so gut an, dass es heute ganz offen gelebt wird. Alle zwei Monate kommt ein Coach in den Pflegedienst und bietet sechs Gesprächstermine à 60 bis 90 Minuten an. „Das kann bei Trauerfällen infrage kommen, bei Beziehungsproblemen oder auch aus ganz anderen Gründen", berichtet Celik. Bei akutem Anlass sind auch zusätzliche Termine möglich. Selbstverständlich müssen die Mitarbeiter nicht angeben, warum sie das Coaching nutzen wollen. „Bei unseren 30 Mitarbeitern sind die sechs Termine, die wir alle zwei Monate anbieten, fast immer ausgebucht. Das ist zwar eine Investition, die Geld kostet, es im Ergebnis aber wirklich wert ist", sagt Celik. Früher hätten seine Mitarbeiter ihn sehr häufig mit persönlichen Themen und Sorgen angesprochen. „Heute kommen die Leute zwar immer noch auf mich zu, der Kontakt begrenzt sich jetzt aber auf das Betriebliche."

Besondere Arbeitsplatzkultur

Das Mitarbeiter-Coaching könnte mit ausschlaggebend gewesen sein für eine besondere Auszeichnung, die der Pflegedienst im März erhielt – der 1. Platz beim Great Place to Work® Branchenwettbewerb „Bester Arbeitgeber Gesundheit & Soziales 2016" in der Kategorie „Pflege – bis 49 Mitarbeiter". Mit diesem Preis werden Arbeitgeber ausgezeichnet, die über eine besonders wertschätzende und attraktive Arbeitsplatzkultur verfügen. Die Bewertung basiert dabei auf einer anonymen Befragung der Mitarbeitenden sowie einer Analyse der Personal- und Führungsmaßnahmen. Untersucht werden aus Mitarbeitersicht zum Beispiel Glaubwürdigkeit und Fairness des Arbeitgebers sowie der Teamgeist am Arbeitsplatz. Aber auch die Qualitäten des Arbeitgebers in Bereichen wie Mitarbeiterführung, berufliche Entwicklung, Gesundheitsförderung und Work-Life-Balance fließen in die Bewertung ein.

Für Ali Celik und Adam Mielech, die den Pflegedienst vor 16 Jahren gemeinsam gegründet haben, ist das eine tolle Auszeichnung. „Diesen Preis haben wir vor allem den Mitarbeitern zu verdanken", weiß Celik. „Die Bewertung beruht zu zwei Dritteln auf der Mitarbeiterbefragung."

Zu den Besonderheiten bei „PFLEGE optimal" gehören – neben dem Coaching – regelmäßige Mitarbeitergespräche, gemeinsame Teamabende, die in zwangloser Runde stattfinden, ein Fitnessraum mit Umkleide und Dusche, der allen zur Verfügung steht, aber auch die Jahresteambesprechung, bei der die Umsätze und Entwicklungen des Unternehmens transparent vorgestellt werden. Auch werden die Mitarbeiter an wirtschaftlichen Erfolgen beteiligt. „Wenn wir zum Beispiel gute Abschlüsse mit den Kassen erzielt haben, gibt es schon mal eine Sonderzahlung für alle", berichtet Celik. Zudem erhalten fast alle Mitarbeiter eine Ticket Plus® Card, auf der sie jeden Monat einen festen Betrag überwiesen bekommen, den sie privat zum Einkaufen, Tanken oder für Online-Bestellungen nutzen können.

In die Stärken investieren

Sehr wichtig ist dem Führungsduo vor allem, den Mitarbeitern gute Karriereoptionen zu bieten. „Wir möchten unsere Mitarbeiter möglichst langfristig an unser Unternehmen binden. Dazu gehört auch, ihnen Aufstiegschancen zu ermöglichen", so Celik, der seinen Pflegedienst bereits zwei Jahre nach seinem Examen gegründet hat.

Susann Fiebelkorn arbeitet zum Beispiel bereits seit vier Jahren bei „PFLEGE optimal". Sie begann als Fachkraft in der Tagespflegeeinrichtung, die zum Pflegedienst gehört. Nach einem Jahr übernahm sie die Teamleitung und kurz darauf die Stelle der Pflegedienstleitung in der Tagespflege. „Ich bin ein Mensch, der sich gerne verändert und immer neue Herausforderungen sucht", so die 36-Jährige. „Hier habe ich die Möglichkeit, verschiedene Dinge auszuprobieren, ohne den Arbeitgeber zu wechseln." In Kürze steht für die gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin die nächste Herausforderung an: „Ab dem Herbst werde ich hier als Qualitätsbeauftragte tätig sein", freut sich die gebürtige Sächsin. Der begleitende Weiterbildungskurs sei bereits gebucht.

Auch der 27-jährige Fabian Schönfeld fühlt sich dem Unternehmen sehr verbunden. Er hat bereits seinen Zivildienst und seine Ausbildung zum Altenpfleger bei „PFLEGE optimal" absolviert. „Nach meinem Examen war für mich gleich klar, dass ich unbedingt bleiben möchte", sagt der Altenpfleger, der nach der Ausbildung zunächst als Teamleiter und jetzt als Pflegedienstleiter arbeitet. „Schließlich habe ich hier genügend Karriereoptionen."

Um die einzelnen Mitarbeiter gezielt zu fördern, führt Ali Celik mit jedem mindestens einmal pro Jahr ein ausführliches Mitarbeitergespräch. Hier geht es darum, auf die Stärken des Einzelnen zu schauen und – ausgerichtet an diesen – einen individuellen Karriereplan zu entwickeln. Dahinter steht eine klare Philosophie: „Ich bin überzeugt, dass man das, was man gut kann, auch gerne und mit Erfolg macht", so Celik. Als Fußballer macht er dies an einem Beispiel deutlich: „Wenn jemand sehr gut Freistöße schießen kann, aber schlecht bei Einwürfen ist, wird es nicht viel bringen, wenn der Trainer ihn immer wieder Einwürfe üben lässt. Das wird ihm wenig Spaß machen und ihn auch nicht unbedingt besser werden lassen. Sinnvoller wäre es, dass er seine Freistöße perfektionieren kann." Übertragen auf die Pflege bedeute dies, mehr auf die Stärken des Einzelnen zu schauen und diese gezielt zu fördern. „Wenn jemand gerne Wund‧versorgungen übernimmt, lasse ich ihn beispielsweise eine Weiterbildung zum Wundexperten machen. Wenn jemand gerne organisiert, versuche ich, ihn als Teamleitung einzusetzen."

Das umfasst auch, Lebensträume und persönliche Ziele zu unterstützen. Eine Mitarbeiterin wollte beispielsweise für sechs Wochen in die USA reisen. Das Team setzte sich zusammen und überlegte, wie sie ihrer Kollegin diesen Traum ermöglichen könnten. „Natürlich klappte es, und die Kollegin war glücklich", erzählt Celik. „Für mich ist das selbstverständlich: Wenn ich gute Mitarbeiter habe, mache ich doch alles, um sie zu halten."

Komplett gegen den Trend

Eine Philosophie, die aufgeht: Der Krefelder Pflegedienst entwickelt sich seit vielen Jahren komplett gegen den Trend – kein Fachkräftemangel, Wartelisten für Kunden, kaum Fluktuation. Das Team ist sehr jung – als Ausbildungsbetrieb konnten viele Auszubildende übernommen werden –, arbeitet fast ausschließlich in Vollzeit und ist zum Großteil männlich. Auch das widerspricht den Entwicklungen der Branche. „Das mag damit zusammenhängen, dass Frühdienste bei uns ausnahmslos um sechs Uhr beginnen und diese für Mütter somit oft nicht geeignet sind. Einen Preis für Familienfreundlichkeit würden wir damit wahrscheinlich nicht gewinnen", schmunzelt der gebürtige Türke, der seit seiner Geburt in Deutschland lebt.

Sehr wichtig sind dem Führungsduo gute Rahmenbedingungen für die Mitarbeiter – angefangen beim gut ausgestatteten Dienstwagen über eine verbindliche Urlaubsplanung bis zu einem fairen Gehalt: Eine frisch examinierte Pflegekraft beginnt beispielsweise mit einem Bruttomonatsgehalt von 2.400 bis 2.500 Euro inklusive Zulagen. Auch gibt es keine festen Vorgabezeiten in Form der oft praktizierten „Minutenpflege". „Wenn jemand geduscht wird, interessiert mich nicht, wie lange das dauert", so Celik. „Feste Vorgabezeiten setzen den Mitarbeiter nur unter Druck. Natürlich legen wir Tourenpläne fest, aber das ist nur eine Planzeit, keine Vorgabezeit."

Möglich wird dies über gute Verhandlungen mit den Krankenkassen. Denn in Nordrhein-Westfalen werden die Punktwerte für die einzelnen ambulanten Leistungen individuell mit den Kassen verhandelt. „Wir sind allerdings auch teurer als andere Pflegedienste", weiß Celik. Viele seiner Kunden müssten zuzahlen. Allerdings sind die meisten aufgrund des guten Services und der hohen Fachkraftquote, die der Pflegedienst bietet, gerne zu einem Mehrpreis bereit.

Teamgeist wird großgeschrieben

Für die Mitarbeiter selbst zählen vor allem die weichen Faktoren, die den Pflegedienst als Arbeitgeber so interessant machen. Die anonyme Mitarbeiterbefragung ergab, dass sie zu 100 Prozent „Interesse an Person, nicht als Arbeitskraft" erleben, sich in Entscheidungen einbezogen fühlen, stolz auf die gemeinsame Leistung sind und das Gefühl haben, „sie selbst sein" zu können.

Besonders hervorgehoben wird das familiäre Klima, das die Zusammenarbeit prägt. „Das ist definitiv ein Familienunternehmen, das spürt man", sagt Susann Fiebelkorn. „Teamgeist wird hier großgeschrieben, Probleme werden angegangen. Und wenn man länger da ist – und natürlich möchte – kann man selbst Teil der Familie werden." Auch der Umgang mit den Vorgesetzten wird gelobt: „Die Chefs sind sehr menschlich und haben immer ein offenes Ohr", findet Fabian Schönfeld. Er kann sich gar nicht vorstellen, woanders zu arbeiten. „Ich habe das Ziel, dass ich hier in Rente gehen möchte", sagt der 27-Jährige. „Oder zumindest noch sehr lange bleiben möchte."