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  • 01.06.2016
  • Bildung

Cochrane Reviews

Rauchfrei durch pflegerische Unterstützung?

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 6/2016

Dieser Review untersucht, ob ein von Pflegenden angebotenes Interventionsprogramm erwachsenen Raucherinnen und Rauchern dabei helfen kann, mit dem Rauchen aufzuhören. Das Ergebnis: Pflegerische Hilfestellung kann eine erfolgreiche Raucherentwöhnung unterstützen.

 

Die meisten Raucher wollen aufhören zu rauchen und können dabei durch Beratung und Unterstützung von medizinischem Fachpersonal Hilfe erhalten.

Pflegende sind die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen und nahezu auf allen Ebenen der Gesundheitsversorgung beteiligt. Das Hauptziel dieses Reviews war es zu untersuchen, ob Interventionen von Pflegenden erwachsenen Rauchern dabei helfen können, mit dem Rauchen aufzuhören. 

Studienmerkmale: Dieser Review klinischer Studien beinhaltet 49 Studien, in denen Pflegende für Raucher eine Intervention zur Raucherentwöhnung angeboten haben. Mehr als 17.000 erwachsene Teilnehmer aus stationären Einrichtungen oder dem gemeindenahen Umfeld wurden in die Hauptanalyse eingeschlossen. Die letzte Literaturrecherche wurde im Juni 2013 durchgeführt. Alle Studien berichteten, ob die Teilnehmer nach sechs Monaten oder länger mit dem Rauchen aufgehört hatten.

Ergebnisse und Qualität der Evidenz: Dieser Review hat Evidenz moderater Qualität dafür gefunden, dass Beratung und Unterstützung durch Pflegende eine erfolgreiche Raucherentwöhnung, insbesondere im Krankenhaus, begünstigen könnten. Es gab Evidenz moderater Qualität dafür, dass vergleichbare Beratung und Motivation durch Pflegende bei Gesundheitsuntersuchungen oder Vorsorgemaßnahmen anscheinend weniger wirksam sind, aber dennoch einen gewissen Einfluss haben. Die Ergebnisse waren über die Studien hinweg nicht einheitlich und einigen Vergleichen lag nur eine geringe Anzahl von Studien zugrunde. 

Quelle: Rice VH, Hartmann-Boyce J, Stead LF. Nursing interventions for smoking cessation. Cochrane Database of Systematic Reviews 2013, Issue 8. Art. No.: CD001188. DOI: 10.1002/14651858.CD001188.pub4.

Übersetzung: C. Richter, J. Abraham
 

Kommentar: Raucherentwöhnung kann erfolgreich unterstützt werden!

Für viele Raucherinnen und Raucher ist eine akute Erkrankung ein Anlass, darüber nachzudenken, mit dem Rauchen aufzuhören. Pflegende sind die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen und haben häufig einen engen Kontakt zu den Patientinnen und Patienten.  

Vor diesem Hintergrund gingen Rice und Kollegen in ihrer systematischen Übersichtsarbeit der Frage nach, ob ein von Pflegenden angebotenes Interventionsprogramm erwachsenen Raucherinnen und Rauchern dabei helfen kann, mit dem Rauchen aufzuhören.  

Insgesamt 35 der 49 randomisierten kontrollierten Studien gingen in die Hauptanalyse ein, wobei nochmals zwischen Programmen mit einer hohen und einer geringen Intensität unterschieden wurde. Programme mit einer hohen Intensität beinhalten eine Erstberatung von mehr als zehn Minuten mit mehreren Folgekontakten sowie ausführlichen Informationsmaterialen, zum Beispiel Handbücher, Leitfäden, und Strategien zur Raucherentwöhnung. Die weniger intensiven Programme beinhalten ein Beratungsgespräch von höchstens zehn Minuten und maximal einem Folgekontakt sowie optional die Ausgabe von einfachen Broschüren.  

Das Hauptergebnis des Reviews ist, dass ein von Pflegenden angebotenes Interventionsprogramm eine erfolgreiche Raucherentwöhnung unterstützen kann. In einer weiteren statistischen Auswertung wurden die Ergebnisse der sieben Studien mit weniger intensiven Programmen und die der 28 Studien mit Programmen hoher Intensität separat betrachtet. Diese Auswertung ergab vergleichbare Effekte, wobei bei den weniger intensiven Programmen aufgrund der geringen Anzahl der Einzelstudien nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, ob dies wirklich auf die Interventionsprogramme zurückzuführen ist oder nur auf Zufall beruht.

Außerdem gab es Hinweise aus einigen Studien, dass pflegerisch geleitete Interventionsprogramme insbesondere im Krankenhaus und bei Patientinnen und Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen hilfreich sein können.  

Den Autorinnen und Autoren zufolge müssen die Ergebnisse der Übersichtsarbeit vorsichtig interpretiert werden. So wurden viele kleinere Studien in diesen Review einbezogen. Zudem erschweren die Unterschiede der einzelnen Studien die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die verschiedenen Bereiche der Gesundheitsversorgung und die verschiedenen Patientengruppen. Weiterhin konnten in einigen Studien die Interventionsprogramme nicht bei allen Patientinnen und Patienten wie geplant umgesetzt werden. Möglicherweise hatte auch der Anteil an Raucherinnen und Rauchern mit einem sehr hohen Zigarettenkonsum zu Studienbeginn einen Einfluss auf das Ergebnis der Studien. In den Studien mit dem höchsten Anteil an starken Raucherinnen und Rauchern zeigten die Interventionsprogramme die schwächste Wirkung. Die Autorinnen und Autoren schlussfolgern daraus, dass Studien mit einem höheren Anteil an Raucherinnen und Rauchern mit einem geringen Zigarettenkonsum bessere Ergebnisse erzielen könnten.  

In zukünftigen Studien sollte daher ein besonderes Augenmerk auf eine größere Teilnehmerzahl und eine ausgewogene Auswahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer hinsichtlich des Tabakkonsums gelegt werden. Weiterhin gibt dieser Review Hinweise darauf, dass weniger aufwändige Programme zur Raucherentwöhnung ähnliche Effekte haben könnten wie Programme mit einer hohen Intensität. Da sich weniger aufwändige Programme leichter in der Pflegepraxis umsetzen lassen, sollte zukünftig verstärkt deren Wirksamkeit untersucht werden. Sie finden diesen Review auch online unter: onlinelibrary.wiley.com. Geben Sie unter „Suche" einfach die DOI ein: 10.1002/14651858.CD001188.pub4 

Glossar

Randomisierte kontrollierte Studie: Eine experimentelle Studie mit (mindestens) zwei Untersuchungsgruppen: einer Interventionsgruppe und einer Kontrollgruppe, um das Auftreten von festgelegten Ergebnisparametern (so genannten Endpunkten) vergleichen zu können. Damit sich die Untersuchungsgruppen in ihren Merkmalen ähnlich sind, werden die Teilnehmer/innen mittels eines Zufallsverfahrens (Randomisierung) der Interventions- oder der Kontrollgruppe zugeordnet.  

Review bzw. systematischer Review (systematische Übersichtsarbeit): Forschung, bei der zu einer klar formulierten Frage alle international verfügbaren Einzelstudien systematisch und nach vorab definierten Methoden identifiziert, ausgewählt und kritisch bewertet und die Ergebnisse zusammengefasst werden. Werden die Einzelergebnisse der eingeschlossenen Studien mit statistischen Methoden quantitativ zu einem Gesamtergebnis zusammengefasst, spricht man dabei von einer Meta-Analyse. 

Evidenz: Der Begriff „Evidenz" im Kontext der Evidenzbasierten Pflege leitet sich vom englischen Wort „evidence" (= Nachweis/Beweis) ab und bezieht sich auf die besten verfügbaren Forschungsergebnisse. 

Quelle: modifiziert nach www.cochrane.de/de/cochrane-glossar                           

 

 

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