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  • 16.01.2017

15. Nationales DRG-Forum

Ein Ziel, viele Wege

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 5/2016

15. Nationales DRG-Forum. Hochrangig besetzte Podien, 20 Workshops, 110 Referenten, mehr als 1100 Anmeldungen – das 15. Nationale DRG-Forum war ein voller Erfolg. Ein wichtiges Thema auf Deutschlands wichtigster Konferenz für das Klinikmanagement, die Mitte März in Berlin stattfand, war die leistungsgerechte Finanzierung der Pflege.

Die von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission Pflege hat ihre Arbeit mittlerweile aufgenommen, und die Beobachter warten gespannt, welche Empfehlungen sie (geplant) Ende 2017 zur besseren Abbildung des Pflegebedarfs im Krankenhaus vorlegen wird, und wie sie sicherstellen will, dass die Mittel aus dem Pflegestellenförderprogramm dann tatsächlich für die Finanzierung von Pflegepersonal verwendet werden. Ein Ziel, viele Wege: Auf dem DRG-Forum wurde einmal mehr deutlich, wie komplex dieser Auftrag angesichts der unterschiedlichen Vorstellungen der Pflegeverbände, Kliniken und Kostenträger ist.

Jahn: Bestehendes DRG-System anpassen

Dr. Patrick Jahn, Leiter Pflegeforschung am Universitätsklinikum Halle (Saale) und wissenschaftlicher Leiter des Arbeitskreises „DRG und Pflege“ beim Deutschen Pflegerat (DPR), plädierte dafür, den Pflegebedarf im Krankenhaus mit einer Modifizierung des DRG-Systems zu verbessern. Mit einer „Wunderpille“ werde das Problem aber nicht zu lösen sein, mahnte Jahn, der sich gegen die Einführung eines neuen Entgeltsystems Pflege, etwa so genannten Nursing Related Groups (NRG), aussprach.

Sinnvoller sei es, das bestehende System anzupassen, etwa mit Pflegebedarfsfaktoren. Diese bestimmten den Umfang der zu leistenden pflegerischen Maßnahmen. Als Marker im DRG-System (ICD-Diagnose, OPS oder Scores) auf Fallebene lieferten sie eine Erklärung von Kostenunterschieden bezüglich der Pflegeleistungen und könnten über Einbindung in die Definition von DRG, Aufnahme in die CC-Matrix (Schweregradsteigerung) oder über Zusatzentgelte zu einer sachgerechteren Erlösverteilung verwendet werden. „Egal, zu welcher Lösung wir kommen: Der Dokumentationsaufwand darf nicht steigen“, betonte Jahn.

Dr. Wulf Dietrich Leber vom GKV-Spitzenverband brachte einen anderen Vorschlag ins Spiel: Statt ein Krankenhaus „mit Planungszahlen zu überziehen“, sollte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Prozess- oder Strukturvorschriften sowie Anhaltszahlen für ausgewählte Bereiche beschließen, etwa eine „Cockpit-Lösung“: „Es darf mitternachts keine Schwester allein auf Station sein.“ Leber prognostizierte, dass sich die Pflege in den kommenden Jahren weiter aus dem Krankenhaus in Pflegeheime verlagern werde. Den von Jahn präferierten Zuschlag lehnte Leber ebenso ab wie die Forderung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), die zusätzlichen Mittel in den Landesbasisfallwert fließen zu lassen.

Auch Relativgewichte änderten am aktuellen Problem einer nicht leistungsgerechten Finanzierung der Pflege wenig, da über sie allein die Verteilung der Mittel an die Kliniken gesteuert würde, nicht jedoch die Verwendung der Gelder innerhalb eines Krankenhauses. Leber warnte zudem vor einer reinen Orientierung am Pflegebedarf, etwa über die Pflegestufen, da sich hieraus keinerlei Aussagen über einen befriedigten Pflegebedarf oder die Qualität der geleisteten Pflege ableiten ließen. Ein besserer Ansatz sei der Pflegekomplexmaßnahmenscore, der zwar „sehr aufwändig“ sei und das Geld nicht in die Pflege spüle, aber immerhin ein Indikator für tatsächlich geleistete Pflege sei. Einem weiteren Entgeltsystem Pflege erteilte Leber eine Absage: „Wir wollen keine zwei Rechnungen für die gleiche Leistung zahlen.“

Wieteck will eigenes Entgeltsystem

Eine andere Auffassung vertrat Dr. Pia Wieteck vom Verband Profession Pflege. Im Gegensatz zu ihren Vorrednern zweifelte sie an der vermeintlich (noch) guten Qualität der Krankenhauspflege. Vom Modell des DPR zeigte sie sich ebenfalls nicht überzeugt. „Die aufgeführten Assessments zur Abbildung des Pflegebedarfs am Krankenbett sind auf bestimmte Patientengruppen begrenzt und blenden zahlreiche Pflegephänomene aus.“ Zudem erfassten sie nur den Patientenzustand, stellten aber nicht sicher, dass entsprechende Pflegeleistungen erbracht werden.

Wieteck plädierte stattdessen für die Einführung eines eigenständigen Entgeltsystems Pflege. Damit ließen sich aus ihrer Sicht beispielsweise dem Abbau von Pflegepersonal entgegenwirken, das Leistungsspektrum vollständig berücksichtigen und Anreize setzen, die pflegerische Qualität zu verbessern.

Gesundheitsökonom und Moderator Prof. Dr. Boris Augurzky unterbreitete abschließend den Vorschlag, das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) in den Lösungsprozess einzubinden, beispielsweise indem man dieses mit der Erstellung von Instrumenten zur Messung der Pflegequalität oder Pay-for-Performance (P4P)-Modellen beauftragt – ein Vorschlag, für den sich GKV-Vertreter Leber offen zeigte.