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  • 28.03.2018
  • Die Schwester Der Pfleger

Alkoholkonsum

"Ich muss ja nicht trinken"

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 4/2018

Seite 46

Jeden Abend zwei Gläser Rotwein, um sich vom anstrengenden Tag zu erholen? Nach dem Nachtdienst ein Bier, um besser einschlafen zu können? Der Übergang zwischen Genusstrinken, riskantem Alkoholkonsum und einer Abhängigkeit ist oft fließend. Mitarbeiter in sozialen Berufen gelten als besonders gefährdet. 

Monika ist 18 Jahre alt und besucht das Städtische Gymnasium in der letzten Klasse. Abends zieht sie mit Freunden durch die Stadt. Es ist üblich, dass dabei Bier getrunken wird und alle ihre Flasche in der Hand halten. Monika mag kein Bier und lehnt deshalb die Einladung immer wieder ab. Von den Freunden wird sie jedoch ermuntert mitzutrinken und bisweilen wegen der Abstinenz auch ein wenig verspottet. Irgendwann nimmt sie sich auch eine Flasche Bier, weil sie die Hänseleien satt hat. Ein Außenseiter zu sein, ist kein schönes Empfinden. Irgendwie erlebt sie die Bierflasche als ein Accessoire, das in der Gruppe cool aussieht. Anfangs trinkt sie nur wenige kleine Schlucke, weil es einfach eklig schmeckt. Mit der Zeit gewöhnt sie sich an den Geschmack und trinkt schneller. Irgendwann setzt auch ein wohliges Gefühl ein, sie fühlt sich freier, mutiger und gehört jetzt ganz dazu. Nach dem Abi besucht sie die Krankenpflegeschule. Dabei zieht sie weiter mit den Kumpels um die Häuser. Nach dem Spätdienst trinkt sie etwas schneller, um mit den anderen einen Gleichstand zu bekommen. Irgendwie macht es auch Spaß. Bald merkt sie, dass sie meistens mehr als eine Flasche am Abend konsumiert. Und manchmal trinkt sie nach einem stressigen Frühdienst erst mal ein Bier, um runterzukommen und in ein Nachmittagsschläfchen überzuleiten.

Ein anderes Beispiel: Martin ist Anästhesiepfleger im OP der Knochenchirurgie. Er hat verschiedene Abteilungen durch, und hier gefällt es ihm am besten. Die Arbeitsatmosphäre ist kumpelhaft. Früher soll ja im OP der Alkohol nur so geflossen sein. Das weiß Martin aber nur aus Erzählungen. Heute ist alles streng geregelt, und nur an Geburtstagen oder Feiertagen wird angestoßen. Da gibt auch der Chefarzt schon mal einen aus. Jetzt freut sich Martin nach jedem Dienst auf das Feierabend-Bierchen. Nach der letzten OP in seinem Dienst stellt er auf den „Biermodus“ um. Vom Krankenhaus aus geht er als erstes zu einem Kiosk, der auf dem Weg zum Bahnhof liegt. Dort trinkt er eine Flasche Bier und nimmt noch eine für den Heimweg in der Bahn mit. Das ist ein echtes Ritual geworden, und die Kollegen verabschieden ihn oft mit dem Zusatz, es sich schmecken zu lassen. Ein Problem sieht er darin nicht, er muss ja nicht trinken. Es geht ihm um den Geschmack und den Übergang vom Dienst ins Frei, quasi als Belohnung.

 

Diagnostik einer Abhängigkeit

In der medizinischen Fachsprache wird nach ICD-10 von „schädlichem Gebrauch“ oder „Abhängigkeitserkrankung“ gesprochen. Dadurch wird das Alkoholproblem besser als über den Suchtbegriff bezeichnet. In der heutigen Problembetrachtung und Suchtberatung wird von einem „schädlichen Gebrauch“ ausgegangen, wenn das Trinkverhalten dazu führt, dass es zu körperlichen, psychischen, finanziellen oder auch rechtlichen Schäden kommt.

Demnach gilt der Führerscheinentzug durch Alkohol am Steuer als ein schädlicher Gebrauch, ebenso wie das sogenannte „Blaumachen“ nach durchzechter Nacht. Die untere Grenze für eine die Gesundheit gefährdende Wirkung, liegt für Männer bei drei Gläsern Bier (0,75 Liter) und für Frauen bei zwei Gläsern Bier (0,5 Liter). In den hier angegebenen realen Beispielen haben also beide Personen einen schädlichen Alkoholkonsum.

Mitunter ist die Unterscheidung zwischen schädlichem und moderatem Gebrauch schwierig. Der Alkoholkonsum, der in eine Abhängigkeitserkrankung führt, ist etwas klarer definiert. Demnach ist abhängig erkrankt, wer innerhalb der letzten zwölf Monate drei oder mehr der folgenden Kriterien erfüllt (Wendt 2017):

1. ein starkes, oft nicht überwindbares Konsum-Verlangen (Suchtdruck oder Craving),

2. ein Kontrollverlust, was den Beginn, die Menge und die Beendigung des Konsums betrifft,

3. eine Toleranzentwicklung mit immer größerer Menge zur Wirkentfaltung,

4. körperliche und psychische Entzugssymptome,

5. Verlangen nach Suchtmittel wird zum Lebensinhalt, anderes wird vernachlässigt,

6. ein fortdauernder Gebrauch des Suchtmittels wider besseren Wissens oder vorhandener Schäden.

Vom Genuss- zum Rauschmittel zur Abhängigkeit

Alkohol ist in den meisten europäischen Ländern ein fester Bestandteil des Lebens. Er gehört als Genussmittel und sozial akzeptiertes Rauschmittel zu unserer Kultur. Es gibt so gut wie keine Feier ohne Alkohol, und kaum jemand wird einen Toast mit Mineralwasser aussprechen. Auch in sonst alkoholfreien Bereichen werden bei besonderen Gelegenheiten alkoholische Getränke toleriert.

Nach Angaben eines Branchenverbandes machten alkoholische Getränke von allen verbrauchten Fertiggetränken im Jahr 2015 zirka18 Prozent aus. Das würde bedeuten, dass jeder Deutsche pro Jahr durchschnittlich 135,5 Liter alkoholische Getränke zu sich nimmt. Etwa 78 Prozent wurden in Form von Bier konsumiert, 15 Prozent als Wein, vier Prozent als Spirituosen und drei Prozent als Schaumwein (dkfz 2017).

Etwa 83 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind Alkoholkonsumenten. Als Genussmittel wird Alkohol in kleinen Mengen konsumiert, der Übergang zum Rauschmittel ist jedoch fließend. Der überwiegende Teil der alkoholischen Getränke wird nämlich nicht wegen des Geschmacks, sondern wegen der Wirkung getrunken. So wird alkoholfreies Bier trotz gleichen Geschmacks mit alkoholhaltigem Bier auch von Personen abgelehnt, die den Biergeschmack als Grund für die Getränkewahl angeben (Schneider 2017).

Zwar trinken in allen Altersgruppen immer noch mehr Männer als Frauen Alkohol, jedoch wird hinsichtlich eines riskanten Konsums in beiden Geschlechtern ein gleich hoher Anteil beobachtet. Deutschland gehört im internationalen Vergleich zu den Hochrisiko-Konsumländern (Drogenbeauftrage 2017). Laut der Senatsverwaltung von Berlin werden täglich bis zu 500 Krankenhausbetten für Patienten mit Alkoholproblemen benötigt.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Suchtbegriff überwiegend negativ besetzt und mit illegalen Drogen, sogenannten Rauschgiften, verbunden – seltener mit der Alkoholkrankheit. Die Unterscheidung zwischen legal und illegal dient den meisten Betroffenen zur Abmilderung der eigenen Situation und als Abgrenzung zu anderen Abhängigen. In der Beratung findet jedoch keine Unterscheidung beziehungsweise Wertung nach Suchtstoffen statt.

Die Begriffe „Sucht“ und „Abhängigkeit“ beschreiben das nahezu unstillbare Verlangen nach dem Suchtmittel, hier Alkohol, oder besser nach dem Erlebniszustand, der durch den Konsum hervorgerufen wird. Die Wahrnehmung des Verlangens ist abhängig von der Verfügbarkeit des Suchtmittels. Da Alkohol in Deutschland fast immer verfügbar und auch bezahlbar ist, wird das ganze Ausmaß eines möglichen Suchtempfindens selten verspürt. Dennoch handelt es sich bei der Alkoholabhängigkeit um eine psychische Störung, die durch ein unbezwingbares Verlangen nach Alkohol und einem zumindest zeitweisen Verlust der Selbstkontrolle über bestimmte Verhaltensweisen gekennzeichnet ist.

Der Zwang zum Alkoholkonsum führt ab einem bestimmten Grad der Abhängigkeit zu einer massiven Beeinträchtigung der physischen, psychischen und sozialen Funktionen und oft zu finanziellen Problemen. In aller Regel werden andere Personen durch das Konsumverhalten in Mitleidenschaft gezogen (Schneider 2017, Arbeitskreis OPD 2017).

Alle Lust will Ewigkeit

Alkohol gehört zu den sogenannten psychotropen Substanzen. Dabei handelt es sich um Stoffe, die unmittelbar verändernd auf die Funktion des zentralen Nervensystems wirken. Die Einwirkung kann anregend, dämpfend oder sonstige seelische Vorgänge beeinflussen. Das augenscheinlichste ist hierbei die angstlösende Wirkung. Unter Alkoholeinwirkung werden Ängste überwunden und Aktivitäten möglich, die zuvor unüberwindbar schienen. Damit hat der Alkohol im Erleben der Person eine positive Funktion. Scham wird überwunden, und sobald sie später auftritt, wird das beschämende Verhalten über den Alkoholeinfluss entschuldigt.

So erklärt sich die Suchtentstehung: Ein Großteil unseres Verhaltens wird durch das Belohnungssystem im Gehirn gesteuert. Dieses komplexe System setzt sich aus mehreren Hirnstrukturen zusammen. Es wird immer dann aktiviert, wenn wir mit Freude und Lust agieren, etwa beim Herumalbern, bei befriedigendem Sex oder bei einem Erfolgserlebnis. Alkohol und andere Rauschmittel stimulieren dieses Belohnungssystem, dadurch stellen sich Wärme, Wohlempfinden, Mut, Enthemmung und Rausch ein.

Diese Empfindung, die als Lust bezeichnet werden kann, will bestehen bleiben. Über Alkohol oder andere Suchtmittel lässt sich dieser Zustand für lange Zeit erreichen. Das Verlangen nach diesem Zustand wird stärker, und die Möglichkeiten des Verstandes werden ihm untergeordnet. Vernunftgesteuertes Handeln verliert sich völlig. Die positiven Empfindungen erfordern immer größere Mengen des Suchtmittels. Bis keine wirkliche Befriedigung mehr eintritt und die Person ihre persön­liche Freiheit verliert (Schneider 2017, Wendt 2017).

Alkohol hat ein großes Suchtpotenzial. Das Suchtpotenzial errechnet sich daraus, wie viele der Erstkonsumenten nach einem definierten Zeitraum das Suchtmittel weiterhin konsumieren. Eine andere Erhebung des Suchtpotenzials fragt nach mehreren Faktoren im Zusammenhang mit dem Suchtmittel: Entzugserscheinungen, Konsum-Kontrollverlust, Toleranzentwicklung, hoher Wiederholungseffekt, Abhängigkeitssymptome und Rauscheffekt. Danach findet sich Alkohol mit seinem Suchtpotenzial nach Heroin und Kokain an dritter Stelle und vor Nikotin/Tabak, Ecstasy und Cannabis (Schneider 2017). Der einfache Selbsttest (CAGE) ist als erste Annäherung an ein mögliches schädigendes oder abhängiges Trinken zu empfehlen. Wenn eine Frage mit JA beantwortet wird, besteht ein problematisches Verhalten, und es sollte eine Beratung eingeholt werden (Abb. 1). 

Abb. 1: CAGE - Test zum Umgang mit Alkohol

C für Cut down drinking: Haben Sie jemals daran gedacht, weniger zu trinken?

A für Annoyance: Haben Sie sich jemals über Menschen geärgert, weil diese Ihr Trinkverhalten kritisiert haben?

G für Guilty: Haben Sie sich jemals wegen Ihres Trinken schuldig gefühlt?

E für Eye opener: Haben Sie jemals morgens Alkohol getrunken, um sich nervlich zu stabilisieren oder einen Kater loszuwerden?

Quelle: Knoll 2009

Alkoholkonsum unter Pflegenden

Mitarbeiter in sozialen Berufen, insbesondere Pflegepersonen und Sozialarbeiter, zeigen ein hohes Suchtverhalten, das auch mit Krankheitszeiten korreliert (Badura et al. 2013). Für Pflegepersonen und Mediziner gilt die Suchtmittelabhängigkeit in einigen Versorgungsbereichen als häufigste tödliche Berufskrankheit (Teigeler 2012). In einer Befragung unter rund 1 300 Pflegepersonen geben 30 Prozent der Personen an, täglich Alkohol zu trinken (Dorner 2014).

Ein Großteil der Pflegepersonen gibt einen Medikamentenkonsum an, der ebenfalls Suchtpotenzial aufweist. Aus der Suchtforschung ist bekannt, dass medikamentenabhängige Personen vielfach einen sekundären Alkoholabusus haben. Auch die große Zahl der Nikotinkonsumenten in den Pflegeberufen weist auf ein hohes Risikoverhalten der Berufsangehörigen hin (dkfz 2016). Deshalb kann die Zahl der Pflegepersonen mit schädlichem Alkoholgebrauch durchaus höher liegen, als die Angabe des täglichen Konsums in der Befragung vorgibt (Badura et al. 2013, Arbeitskreis OPD 2017).

Wenngleich es gerne vermutet wird, kann keine Kausalität zwischen der beruflichen Pflege und dem Suchtaufkommen hergestellt werden, zumal der Suchtmittel-Konsum oder das konsumfördernde Verhalten überwiegend schon vor dem Berufseintritt vorhanden waren (Schneider 2017, dkfz 2016). Vielmehr ist anzunehmen, dass dieselben Personen in einem anderen Beruf auch ein Suchtproblem entwickelt hätten.

Neben einer genetischen Komponente liegen der Suchtentstehung komplexe Persönlichkeitsmerkmale zugrunde, die auf eine Umwelt treffen, in der Konsum möglich ist. Die Angehörigen der Pflegeberufe gelten als äußerst vulnerable Gruppe mit geringer Resilienz (Badura et al. 2013). Ähnlich wie Suchtkranke sehen sie sich überwiegend den äußeren Bedingungen ausgeliefert und in der Opferrolle. Das hohe Bedürfnis nach Anerkennung korrespondiert negativ mit der Wahrnehmung, nicht ausreichend gewürdigt zu werden und die Ideale ihrer beruflichen Möglichkeiten nicht leben zu können (CARE Klima-Index 2017, Badura 2013). Die Berufstätigkeit wird selten als Beruf wahrgenommen und rational fachlich begründet, sondern emotionalisiert und von altruistischen Vorstellungen begleitet, die nicht befriedigt werden können. Damit werden die Wahrscheinlichkeiten einer Abhängigkeitserkrankung erhöht und gefestigt.

In den anfangs aufgeführten Beispielen haben beide Personen von sich angegeben, Genusstrinker zu sein. Für die Person in Beispiel 1 kann trotz der wenigen Informationen von einem beginnenden Alkoholproblem ausgegangen werden. Monika trinkt, um keine Außenseiterin zu sein. Sie gewöhnt sich daran und benutzt den Alkohol, um sich besser zu fühlen oder schlafen zu können.

In Beispiel 2 zeigt sich eine scheinbar andere Situation. Jedoch wird auch das Bier getrunken, um einen Zustand zu erreichen, der hier „Feierabend“ heißt. Das Trinkverhalten wird über die Wahl des Diminutivs „Bierchen“ bagatellisiert. Für die weitere Beurteilung wäre wichtig, ob Martin nach der zweiten Flasche Bier aufhört oder zu Hause weitere Biere trinkt. Auch müsste erfragt werden, wie das Trinkverhalten an freien Tagen und bei Spätdiensten ist, insbesondere, ob vor dem Spätdienst Alkohol getrunken wird, weil ja eine längere alkoholfreie Zeit überbrückt werden muss.

Therapie einer Alkoholabhängigkeit

In der Regel dauert es etwa acht Jahre, bis jemand mit einer Alkoholabhängigkeit in eine Beratung und Behandlung geht. Aus Sicht des Verfassers ist für eine Entgiftung bei lange bestehendem Konsum aus Sicherheitsgründen unbedingt ein stationärer Aufenthalt zu planen. Eine anschließende längere psychosomatische Entwöhnungsbehandlung ist sinnvoll, um Lebensperspektiven und Widerstandskräfte zu entwickeln. Auch zeigen Langzeituntersuchungen, dass die Anbindung an eine Selbsthilfegruppe deutlich bessere Ergebnisse zeigt (Wendt 2017). Die Behandlung gliedert sich in fünf Abschnitte:

1. Kontaktphase für Informationen und Motivation

2. Entgiftungsphase/körperlicher Entzug

3. Entwöhnungsphase/Abstinenz entwickeln

4. Nachsorgephase/Leben ohne Alkohol lernen

5. Unterstützende Selbsthilfe/draußen überleben

Wachsam sein – sich selbst und anderen gegenüber

Der Übergang zwischen moderatem Genusstrinken, riskantem Alkoholkonsum und einer Alkoholabhängigkeit ist oft fließend und erst spät erkennbar. Regelmäßiger Alkoholkonsum beinhaltet immer ein Risiko für die Suchtentwicklung. Besonders für junge Menschen besteht ein hohes Risiko mit Organschäden – auch bei nicht exzessivem Trinken. Deshalb sollten alle Alkoholkonsumenten ihr Trinkverhalten kritisch prüfen und zwischendurch konsumfreie Phasen einplanen.

Arbeitskreis OPD (2017): Modul Abhängigkeitserkrankungen. Hofgrefe, Göttingen

Badura, B. et al. (2013): Fehlzeiten-Report 2013. Springer, Berlin & Heidelberg

dkfz (2016): Tabakatlas Deutschland. Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg

dkfz (2017): Alkoholatlas Deutschland. Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg

Dorner, C. (2014): „Hast Du ein Alkoholproblem?“ Interview mit Jürgen Osterbrink. In: kma – Das Gesundheitswirtschaftsmagazin 19 (4): 70–71

Knoll, A. (2009): Sucht – was ist das? Blaukreuz Verlag, Wuppertal

Teigeler, B. (2012): „Die häufigste tödliche Berufskrankheit“. Interview mit Christoph Maier. In: Die Schwester Der Pfleger 51 (3): 226–228

Drogenbeauftragte der Bundesregierung (2017): Drogen- und Suchtbericht 2017. BMG, Berlin

Schneider, R. (2017): Die Suchtfibel. Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler

Schuhler, P. (Hg.) (2007): Schädlicher Gebrauch von Alkohol und Medikamenten. Beltz, Weinheim

Wendt, K. (2017): Suchthilfe und Suchttherapie. Schattauer, Stuttgart

 

Wie gehe ich damit um, wenn ein Kollege ein Alkoholproblem hat?

Drei Fragen an den Juristen Prof. Hans Böhme

Was muss ich aus juristischer Sicht tun, wenn ein Kollege offensichtlich Alkoholprobleme hat?

Das darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn nicht nur Patienten, sondern auch Kollegen werden gefährdet oder gar geschädigt. Mit dem Problemkollegen zu sprechen, hilft in der Regel nicht. Das Beste ist, sofort zu handeln. Mitarbeiter müssen unbedingt den Vorgesetzten von ihrem Kenntnisstand informieren. Der Vorgesetzte darf einen alkoholisierten Mitarbeiter im Betrieb nicht zum Einsatz bringen. Er muss nach Prüfung seines Zustands, der mit einem Zeugen unter den Arbeitskollegen protokolliert wird, nach Hause geschickt werden. Geld gibt es für den Tag keines. Einem Alkoholtest muss der alkoholisierte Mitarbeiter allerdings nicht zustimmen.

Muss ich auch handeln, wenn der Kollege nicht im Dienst trinkt?

Nur dann, wenn sich das Trinken außerhalb des Dienstes auf das Arbeitsverhältnis auswirkt, er also betrunken zum Dienst kommt. Kontrolliertes Trinken, zum Beispiel bei Kampftrinkern und Hooligans, ist eine private Angelegenheit des Mitarbeiters und geht andere nichts an, sofern sie dadurch nicht geschädigt werden.

Kann ich bei einem möglichen Fehler des Kollegen als Mitwisser und Vertuscher haftbar gemacht werden?

In der Tat kommt eine strafrechtliche oder auch zivilrechtliche Mithaftung wegen Unterlassen der erforderlichen Maßnahmen infrage. Zurzeit laufen da einige Strafprozesse in Parallelfällen, zum Beispiel Fehlbestände im Medikamentenschrank und damit zusammenhängender Medikamentenmissbrauch. Allerdings laufen die Verfahren in der Regel nicht gegen Kollegen, sondern gegen Vorgesetzte. Denn diese haben die Vorgaben des Arbeitsschutzgesetzes zu erfüllen, dass nur geeignetes Personal zum Einsatz kommen darf. Überdies kann der Arbeitgeber solche Mitarbeiter wegen Verstoß gegen die Treuepflicht und Mitwirkungspflicht aus dem Arbeitsschutzgesetz abmahnen.

Prof. Hans Böhme ist Jurist und Soziologe und als Honorarprofessor an der Ernst-Abbe- Hochschule Jena tätig