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  • 01.04.2016

Serie Rechtsfragen

Zweite Assistenz im OP: Dürfen Pflegekräfte übernehmen?

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 4/2016

Frage: In unserem Klinikum ist in einer Dienstanweisung geregelt, dass am Wochenende unser für akute Notfälle eingerichteter Rufbereitschaftsdienst die zweite Assistenz bei der operativen Versorgung von Schenkelhalsfrakturen durch eine Hüftprothese übernehmen soll.

  1. Ist es generell möglich, die zweite Assistenz an Pflegepersonal zu übertragen?
  2. Ist es Arbeitsverweigerung, wenn ich dieser Anweisung nicht Folge leiste?
  3. In der Anweisung wurde formuliert, dass die rechtliche Verantwortung bei dem betreffenden Operateur liegt. Ist hier ein Übernahmeverschulden meinerseits als assistierende Pflegekraft eingeschlossen?

Das Thema der Übernahme der zweiten Assistenz sowohl bei OP-Pflegekräften als auch bei Operationstechnischen Assistenten (OTA) beziehungsweise Medizinisch-technischen Assistenten für den Operationsdienst (MTAO) ist ein Reizthema, das nicht frei von Emotionen ist. Das Arbeitsgericht Koblenz hat zum Beispiel mit dem Urteil vom 24. August 1993 rechtskräftig entschieden, dass selbst ein OP-Fachpfleger die zweite Assistenz verweigern kann mit der Begründung, Pflege erfolge am und nicht im Patienten (Az.: 3 Ca 713/93 dazu Böhme/Jacobs, PKR 1/1999). Diese Entscheidung kann jedoch als fragwürdig und überholt bezeichnet werden. Selbst OTA (MTAO) dürfen die zweite Assistenz übernehmen.

Zu den Fragen im Einzelnen:
1. MTAO, OTA und OP-Fachkräfte sind speziell aus- oder weitergebildete Kräfte, die mehr können als Pflege am Patienten. Sie sind für die Versorgung vor, während und nach der OP speziell aus- beziehungsweise weitergebildet. Deshalb kann eine zweite Assistenz auf diese speziell ausgebildeten Personen übertragen werden. Besondere zusätzliche Voraussetzungen müssen nicht erfüllt sein.
2. In der Tat liegt bei Verweigerung eine Arbeitsverweigerung vor, weil es eine übertragbare Aufgabe ist.
3. Ein Übernahmeverschulden bedeutet aus zivilrechtlicher sowie aus strafrechtlicher Sicht, dass auch derjenige pflichtwidrig handeln kann, der eine Tätigkeit vornimmt, von der er weiß oder erkennen kann, dass ihm die dafür erforderlichen Kenntnisse fehlen. Bei der zweiten Assistenz durch OP-Pflegepersonal wird ein Übernahmeverschulden in der Regel bei Übermüdung rechtlich diskutiert. Fachkräfte können jedoch wegen Übernahme von Aufgaben nicht wegen eines Übernahmeverschuldens zur Verantwortung gezogen werden. Eine Durchsicht der Rechtsprechung der zurückliegenden dreißig Jahre zeigt, dass die Gerichte den anordnenden Arzt zur Rechenschaft ziehen, nicht den Delegierungsempfänger. In der Tat ist in die Haftung des Anordnenden die fehlerhafte Aufgabenerteilung mitenthalten.

 

 

 

 

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