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  • 01.04.2014
  • Bildung

Auslandspraktika

Zu Besuch in der Ferne

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 4/2014

Sie wollen neue Arbeitsweisen kennenlernen, ein Praktikum absolvieren, ihr Fachwissen erweitern – ein Blick über den Tellerrand ist für viele Studierende interessant. Die neuen Erfahrungen ändern im Nachgang oft die Perspektive auf die Bedingungen im eigenen Land. Wir sprachen mit vier Studierenden der Hoch‧schule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, die sich die pflegerische Versorgung auf Masterniveau im Ausland angeschaut haben.


"Beeindruckendes Niveau der Pflege"

Sabrina Pelz, 33 Jahre
Universitätsspital Zürich/Schweiz, Januar 2014
Fachgesundheits- und Krankenpflegerin für Intensivpflege und Anästhesie, Masterstudierende Pflege


Die Schweiz hat schon seit mehr als zehn Jahren Erfahrung mit innovativen Pflegekonzepten wie dem Advanced Nursing Practice. Soweit sind wir in Deutschland noch längst nicht. Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, im Rahmen eines Praktikums im Universitätsspital Zürich hinter die Kulissen zu schauen. Was mich am meisten fasziniert hat, ist die sehr wertschätzende und von hoher Fachlichkeit gekennzeichnete Beziehung zwischen Patient und Pflegendem. Das wurde besonders deutlich in der ambulanten Multiple-Sklerose-Sprechstunde oder den täglichen pflegerischen Interventionen: Pflegende beraten Patienten auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und begleiten sie bis zur Entscheidungsfindung. Hierbei ist der Patient völlig autonom. Interessant fand ich auch, wie das spitalsinterne Zentrum für Klinische Pflegwissenschaft die Qualität der Patientenversorgung konsequent vorantreibt. Ohne zeitliche Verzögerung und auf beachtlichem Niveau werden hier relevante Themen generiert und umgesetzt.

"Einerseits fortschrittlich, andererseits einfach"

Grit Kunert, 42 Jahre
Royal College of Surgeons in Dublin/Irland, Januar 2014
Fachkrankenpflegerin und Masterstudierende Pflege

Die Akademisierung der Pflege wird in Irland konsequent umgesetzt. Es gibt verschiedene Pflegestudienzweige und Spezialisierungen bis hin zur Promotion. Sowohl Dozenten als auch Studierende habe ich hochmotiviert erlebt.
Eine Master-Nurse konnte ich am Health Centre in Dun Laoghaire, rund zehn Kilometer südlich von Dublin, begleiten. Patienten kommen zur Wundversorgung in diese Praxis, in der die Nurse selbstständig arbeitet, diagnostiziert und die verschiedenen Wunden ohne ärztliche Anordnungen behandelt. Einen Arzt gibt es im Centre nicht. Ähnlich läuft die Wundversorgung im Beaumont Hospital ab. Eine Masterabsolventin ist für das gesamte Patientenklientel verantwortlich und übernimmt die individuelle Wundversorgung. Die verschiedenen Abteilungen fordern sie im Bedarfsfall über ein Konsil an.
Die Pflege ist in Irland sehr anerkannt, Ärzte ziehen den Rat von Pflegenden zur Beurteilung der medizinischen Versorgung oftmals hinzu. Fortbildungen erfolgen teilweise sogar zusammen.
Erstaunt war ich jedoch über die einfache Unterbringung der Patienten. Vier- bis Sechs-Bettzimmer oder sogar ganze Säle sind üblich, in denen Frauen und Männer zusammenliegen. Für die Zeit der Körper- und Behandlungspflege werden die Patienten lediglich mit Vorhängen voneinander abgeschirmt. Es ist nur ein Minimum an Intimsphäre möglich.

"Es werden nur Pflegende mit Abitur eingestellt"

Maya Maier, 38 Jahre
Rudolfiner Haus in Wien/Österreich, Januar 2014


Fachkrankenschwester Intensivpflege und Anästhesie, Praxisanleiterin, Dozentin, Masterstudierende Pflege
Im privaten Belegspital ist 1882 die erste Krankenpflegeschule Österreichs gegründet worden. Damals schon Vorreiter, ist das Haus auch heutzutage im Vergleich zu Deutschland eine Nasenlänge voraus: Denn das Besondere für mich war, mit welcher Selbstverständlichkeit die Abteilung Pflegeentwicklung seit vielen Jahren fester Bestandteil der Pflege am „Rudi" ist. Die Pflegeberater sind nicht nur Patientenberater, sondern stehen den Kollegen auch bei Fragen der pflegerischen Praxis, Ausbildung und zum Evidence-based Nursing zur Seite. Fast alle Experten arbeiten zudem als Pflegende am Bett.
Eine weitere Besonderheit sind die Pflegestudierenden: Schon immer wurden aus‧schließlich Pflegende mit Abitur eingestellt, seit einiger Zeit bildet der Campus nur noch Pflege‧studenten in Kooperation mit der Fachhochschule Wiener Neustadt aus. Der nun erworbene Abschluss in sechs Semestern ist ein „Bachelor of Science in Health Studies" mit der zusätzlichen Berufsberechtigung zur „Diplomierten Gesundheits- und Krankenschwester".
Vor allem für die praktische Ausbildung habe ich hervorragende Konzepte und Ausbilder kennengelernt. So evaluieren die Studenten täglich ihren Einsatz auf den jeweiligen Stationen. Sie erhalten regelmäßig Anleitungen und Aufgaben, deren Ergebnisse beispielsweise als Mindmap im Stationszimmer aufgehängt werden und damit eine besondere Anerkennung bekommen.

"In jeder Abteilung gibt es pflegerische Ethikbeauftragte"

Jutta Wilkens, 56 Jahre Haus Sonnweid in Wetzikon/Schweiz,Januar 2014
Bachelorabsolventin Pflege und Masterstudierende


In der Pflegeeinrichtung Sonnweid werden Menschen mit Demenz betreut. Bei der Versorgung dieser Klientel treten seitens des Personals immer wieder Fragen auf, wie: „Dürfen wir das tun? Können wir das zulassen? Ist das die richtige Entscheidung?" Oft geht es um Fragen nach einem Therapieverzicht am Lebensende oder um künstliche Ernährung bei fortgeschrittener Demenz. Um solch ethische Fragen und deren Beantwortung nicht dem Zufall zu überlassen, hat die Einrichtung interne Richtlinien entwickelt. Diese beinhalten Instrumente zur Situationsanalyse und mögliche Wege der Entscheidungsfindung. Beeindruckt hat mich vor allem die Tatsache, dass es in jeder Abteilung pflegerische Ethikbeauftragte gibt. Zudem ist eine Ethikkommission vorhanden und es besteht immer die Möglichkeit, externe Ethikfachleute hinzuzuziehen. Das ermöglicht eine ethisch-reflektierte Entscheidungsfindung. Mitgenommen habe ich, dass in der Demenzversorgung sehr wohl eine hochprofessionelle Pflege mit Fach‧lichkeit und Herzlichkeit gleichermaßen möglich ist. Und die Bewohner führen – trotz der erheblichen kognitiven Einschränkungen – ein ganz normales Leben.
 

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