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  • 13.03.2018
  • Die Schwester Der Pfleger

Aromapflege

Wohltuende Substanzen

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 3/2018

Seite 49

Wer mit ätherischen Ölen in der Pflege arbeitet, kann erleben, dass dies eine positive Wirkung auf die Patienten hat. Viel Material ist dafür nicht erforderlich. Bei der Aromapflege kommt es vielmehr darauf an, die Bedürfnisse des Patienten zu erkennen und gezielt darauf einzugehen. Eine kreative Herangehensweise ist zudem das A und O.

In der Aromapflege kommen unterschiedliche ätherische Öle zum Einsatz, wie Arnika, Eukalyptus, Fenchel oder Ingwer. Sie können sowohl in der Laien- als auch professionellen Pflege zum Einsatz kommen. Um Fehler im Umgang zu vermeiden, ist ein profundes Grundlagenwissen jedoch essentiell.

Wie werden ätherische Öle angewendet?

Ätherische Öle sind flüssige Stoffe, die aus Pflanzen gewonnen werden. Seit Jahrhunderten ist ihre wohltuende und heilsame Wirkung auf Körper, Geist und Seele bekannt.

Ätherische Öle sind sehr reichhaltig an ihren jeweiligen Inhaltsstoffen, sodass bereits kleinste Mengen pro Anwendung ausreichen. Sie müssen stets verdünnt werden, weil es sonst zu Hautreizungen kommen kann. Die Verdünnung geschieht beim Waschen mit Wasser, bei der Hautpflege mit fettem Pflanzenöl und bei der Raumbeduftung mit der Raumluft.

Ätherische Öle werden so bezeichnet, weil ihre Moleküle so klein und leicht sind, dass sie sich selbst bei Raumtemperatur in die Luft erheben und damit riechbar sind.

Ätherische Öle müssen an einer kühlen und lichtgeschützten Stelle im Raum gelagert werden. Auch muss immer gleich der Deckel wieder auf die Flasche.

Wichtig zu wissen ist, dass ätherische Öle unterschiedlich lange haltbar sind. Zitrusöle verderben schon nach zwölf Monaten. Nadelöle halten etwa zwei Jahre. Alle Kräuterdüfte halten zwei bis drei Jahre; Harz-, Hölzer- und Blütenöle sogar fünf Jahre oder länger.

Raumbeduftung: Weniger ist mehr

Irrtümlicherweise glauben viele, dass es bei Aromapflege hauptsächlich um Raumbeduftung geht. Damit wird man ihr aber nicht gerecht. Oft liegen Patienten in Dreibettzimmern und die Wahrscheinlichkeit ist gegeben, das sich jemand an einem Raumduft stört. In Eingangsbereichen, auf langen Fluren, in großen Gemeinschaftsräumen und dergleichen wirkt eine dezente Raumbeduftung jedoch meist sehr wohltuend und angenehm.

Weder zu Hause noch im beruflichen Umfeld sollten klassische Duftlampen mit dem Teelicht unter der Wasserschale verwendet werden. Denn die Temperaturen dabei werden zu hoch und spätestens am Rand der Schale, wo kein Wasser mehr die Temperatur senken kann, denaturiert die Hitze das ätherische Öl. Zurück bleiben harzige, braun-schwarze Rückstände, die kaum mehr zu entfernen sind. Was davon in die Luft übergeht, ist potenziell gesundheitsschädlich. Ratsam ist daher, Ultraschallduftlampen zu verwenden, die mittlerweile günstig zu erhalten sind. Sehr schön, aber ein wenig pflegeaufwendiger, sind Aromabrunnen – nicht zuletzt, weil sie Räume mit plätscherndem Wasser beleben.

Eine der einfachsten Methoden der Raumbeduftung ist das Auslegen oder Aufhängen von unsterilen Kompressen oder Papiertaschentüchern, die mit wenigen Tropfen eines ätherischen Öls beträufelt werden. Es kommt zu einer dezenten und langanhaltenden Raumbeduftung.

Bei einem mittelgroßen Patientenzimmer genügen in einer Duftlampe meist schon drei Tropfen eines ätherischen Öls. Nachdosieren ist jederzeit möglich, aber meist nicht nötig. Empfehlenswert ist es, Düfte einzusetzen, die allgemein beliebt sind. Hierzu zählen alle Zitrusnoten, allem voran Grapefruitöl. Auch Nadeldüfte werden gerne gerochen. Schwere und süße Düfte im Raum können zu breiter Ablehnung führen.

Wichtig ist, nur einmal am Tag zu beduften. Es kann zu unbewusstem Stress oder Kopfschmerzen kommen, wenn der Duft zu lange anhält.

Es ist durchaus möglich, den Duft direkt beim Patienten zu applizieren. Dazu wird eine unsterile Kompresse mit etwa zwei Tropfen ätherisches Öl verwendet. Dann wird die Kompresse über den Kragen der Oberbekleidung oder auf die Brust gelegt. Man kann sie auch über den Bettgalgen hängen. Sehr schön ist so etwas zur Nacht mit Lavendel oder Ylang Ylang. Am Morgen kann man das mit Grapefruitöl machen, um einen guten Start in den Tag zu fördern.

Das Waschen mit Aromen verfeinern

Auch das Waschen kann mit der Aromapflege verfeinert werden. Da ätherische Öle fettliebend und wasserabstoßend sind, benötigt man einen sogenannten Emulgator, der Wasser und Öl miteinander in Verbindung bringt. Lecithine, das beispielsweise in Milch und Honig enthalten ist, eignet sich dafür gut. Das Mittel der Wahl ist Milch – der Fettgehalt ist nicht von Bedeutung – da Honig immer dickflüssiger ist als das ätherische Öl. Dies erschwert das gründliche Vermischen. Außerdem löst sich Honig nur langsam im Waschwasser.

Empfehlenswert ist, etwa 25 Milliliter Milch in ein verschließbares Gefäß – beispielsweise in einen frischen Urinbecher mit Deckel – zu geben und das ätherische Öl dazuzugeben. Dann eine Minute den Inhalt kräftig schütteln – fertig ist der Waschzusatz.

Auf eine Waschschüssel gibt man etwa drei Tropfen ätherisches Öl. Es kommt aber immer auf das jeweilige Öl an. Vom Lavendel kann man auch fünf oder sechs Tropfen verwenden. Andere, wie Zimt, Thymian oder Nelke, sind zu aggressiv für die Haut und sollten nicht zum Waschen verwendet werden. Zum Waschen eignen sich unter anderem Lavendel, Zeder, Rosengeranie, alle Nadelöle, Ylang Ylang und andere. Zum Baden verwendet man doppelt soviel Milch und etwa 20 Tropfen ätherischer Öle.

Auch zur Hautpflege können ätherische Öle gut verwendet werden. Es sollte jedoch mit etwas fettem Pflanzenöl vermischt werden. Diese Mischung zieht gut in leicht feuchte Haut ein. Trockene Haut nimmt fette Öle wiederum nicht gut auf.

Derart hergestellte Körperöle haben eine besondere Wirkung. So gibt es Mischungen zur Linderung von Schmerzen oder Atemnot, zur Entspannung oder gegen Juckreiz. Diese Mischungen sollen natürlich nie die medizinische Therapie ersetzen, sondern unterstützen und wohltuen. Viele Bagatellbeschwerden lösen sich aber dennoch in Wohlgefallen auf.

Vor der Anwendung eines Körperöles ist es wichtig, einmalig einen Verträglichkeitstest zu machen, um eine Allergie auszuschließen. Hierzu trägt man vor der ersten Anwendung eine geringe Menge der Mischung auf die freigelegte Ellenbeuge auf und schaut sich das Hautareal nach etwa 20 Minuten an. Wenn keine Rötungen oder Juckreiz auftreten, wird das Ergebnis dokumentiert und die Anwendung kann erfolgen.

Mischungen selbst herstellen

Mischungen zur Körperpflege selbst herzustellen, macht privat viel Freude, und es gibt mittlerweile gute Literatur hierzu. Im beruflichen Umfeld jedoch verstößt diese Herstellung gegen die Kosmetikverordnung, die die Umstände regelt, unter denen Kosmetika hergestellt und in Umlauf gebracht werden dürfen. Zudem haftet der Hersteller für alle auftretenden Komplikationen. Glücklicherweise gibt es fertige Produkte bei renommierten Firmen oder Apotheken zu kaufen.

Überhaupt sollte beim Kauf auch von reinen ätherischen Ölen auf gute Marken geachtet werden. Nur diese Firmen kontrollieren die Qualität der Öle im erforderlichen Maß. No-Name-Produkte und absurd günstige Schnäppchen aus der Wühlkiste können die Gefahr von Reizungen und Allergien mit sich bringen.

Wer darf mit ätherischen Ölen arbeiten?

Es gibt in Deutschland keine feste Regelung zur Ausbildung in der Aromapflege. Jeder Anwender hat jedoch eine Fürsorge- und Sorgfaltspflicht. Daher sollte in jeder Einrichtung, in der Aromapflege angewendet wird, ein kleiner Kreis aus Pflegefachpersonen eingerichtet werden, dessen Mitglieder eine Schulung besucht haben und sich regelmäßig fortbilden.

Mittlerweile existieren unterschiedliche Fortbildungen in der Aromapflege. Sie unterscheiden sich in allen zeitlichen und finanziellen Rahmen breit gestreut im Bereich der pflegerischen Fort- und Weiterbildungen. Der zeitliche Rahmen dieser Fortbildungen jedoch ist nicht vorgeschrieben.

Aromapflege-Experten schulen das Team, sodass jede Pflegefachperson in der Lage ist, ätherische Öle zielgerichtet und sicher anzuwenden. Ein Standard zur Anwendung von Aromapflege sollte in jeder Einrichtung vorhanden sein, die damit arbeitet.

Besondere Unterstützung in palliativen Situationen

Gerade in der Begleitung sterbenskranker Menschen sind ätherische Öle eine besondere Hilfe. In vielen Fällen können sie Krankheitssymptome lindern. Ihre Anwendung vermittelt Betroffenen und Angehörigen zudem das Gefühl einer gewissen Handlungsfähigkeit in einer scheinbar ausweglosen Situation.

In der palliativen Versorgung haben bestimmte ätherische Öle eine besondere Wirksamkeit. Vor allem Rosenöl lindert die starke Angst und Unruhe.

Dabei wirken erfahrungsgemäß Einreibungen besonders gut. Je näher der betroffene Mensch dem Tod ist und je eingeschränkter das Bewusstsein, umso näher sollten die Einreibungen am Körperstamm und Richtung Gesicht stattfinden. Nacken, Schultern, Stirn und Schläfen sind sehr sensible Körperregionen, an denen Zuwendung bis zuletzt gespürt wird. Eine besonders wirkungsvolle Mischung für die Sterbebegleitung besteht aus 50 Milliliter Jojobaöl, zwei Tropfen Rosenöl und zwei Tropfen Neroliöl (Bitterorangenblütenöl).

Angehörige können mit Einreibungen wieder ans Patientenbett und aus der Hilflosigkeit geholt werden. Auch Pflegenden erleichtert die Aromapflege die Arbeit mit Patienten – ob in der palliativen Pflege oder in anderen Bereichen. Es lohnt sich daher, Erfahrungen zu sammeln und die Bereicherung durch wohltuende Düfte zu erleben.