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  • 30.01.2019
  • Die Schwester Der Pfleger

Pflegestudium

Vom Sofa aus studieren

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 2/2019

Seite 85

Wer nebenberuflich einen Bachelor- oder Masterabschluss machen möchte, für den kann ein Fernstudium die ideale Lösung sein, um Studium und Beruf miteinander zu vereinbaren. Doch wer sich darüber informieren möchte, sieht sich mit vielen Fragen konfrontiert.

Studieren und gleichzeitig weiterarbeiten – für Pflegende, die sich erst spät für ein Studium entscheiden, oft die einzige Möglichkeit. Denn es gilt, nicht nur das eigene Leben oder das der Familie zu finanzieren. In der Regel fallen auch über die Jahre hinweg mehrere Tausend Euro Studiengebühren an, die von den meisten Studierenden selbst aufgebracht werden müssen. Hinzu kommt, dass nicht jeder in der Nähe einer Hochschule wohnt, die pflegerische Studiengänge anbietet.

So erging es auch Beate Ninow. Die Gesundheits- und Krankenpflegerin aus Zürich hat vor einem Jahr ihren Bachelor im Fach Pflegewissenschaften per Fernstudium absolviert. „Ich wollte studieren, aber gleichzeitig auch einigermaßen meinen Lebensstandard halten können“, so die 43-Jährige. „Deshalb habe ich mich für ein Fernstudium entschieden.“ Um ausreichend Zeit für das Studium zu haben, reduzierte sie ihre Arbeitszeit auf 80 Prozent. „So war das Studium gut machbar.“

Fernstudium gleich berufsbegleitendes Studium?

Beate Ninow ist eine von vielen professionell Pflegenden, die sich zu einem späteren Zeitpunkt in ihrem Arbeitsleben für ein Studium entschieden hat. Diesem Trend folgen auch die Studienangebote: Mittlerweile bieten viele Hochschulen berufsbegleitende Studiengänge für die Pflege an: Pflegemanagement (Tab. 1), Pflegewissenschaften (Tab. 2) und Pflegepädagogik, um nur einige zu nennen. Hinzu kommt eine Vielzahl an pflegenahen Studiengängen, zum Beispiel aus dem Healthcare-Bereich.

Doch nicht alle Angebote sind tatsächliche Fernstudiengänge. Häufig werden die Begriffe Fernstudium und berufsbegleitendes Studium in einem Atemzug genannt. Allerdings handelt es sich dabei um zwei unterschiedliche Ansätze: Zwar kann ein Fernstudium berufsbegleitend sein, es kann aber auch in Vollzeit absolviert werden. Und ein berufsbegleitendes, also nebenberufliches Studium kann ein Fernstudium sein. Es gibt aber auch eine Reihe von Studiengängen, die als Präsenzstudium, zum Beispiel als Abend-, Wochenend- oder Teilzeitstudium absolviert werden können.

Viele Hochschulen bieten berufsbegleitende Studiengänge an, die auch absolviert werden können, wenn man nicht in der Nähe wohnt. Allerdings sind dann häufig die Präsenzphasen wesentlich länger als in einem Fernstudium. Bevor man sich also für eine Hochschule entscheidet, sollte man genau prüfen, wie der Studiengang aufgebaut ist und ob er mit dem Privat- und Berufsleben zu vereinbaren ist.

Welche Vor- und Nachteile hat ein Fernstudium?

Der größte Vorteil eines Fernstudiums ist der, dass die Studierenden sowohl zeitlich als auch räumlich sehr flexibel sind. Ob abends auf dem Sofa oder mittags im Café um die Ecke: Überall und zu jeder Zeit können Studienbriefe gelesen, Online-Vorlesungen angeschaut oder Aufgaben bearbeitet werden. Die Zeit kann individuell eingeteilt und so an die individuelle Lebenssituation angepasst werden. Regelmäßige Vorlesungen oder Seminare mit anderen Studierenden gibt es nicht. Und die Zeiten, zu denen man tatsächlich an der Hochschule anwesend sein muss, beschränken sich meist auf wenige Tage im Semester. Doch diese Freiheit kann Fluch und Segen zugleich sein. Denn Flexibilität erfordert auch ein hohes Maß an Selbstdisziplin: Wer sich nur mühsam selbst motivieren und strukturieren kann, nach Feierabend oder am Wochenende zu lernen, für den kann ein Fernstudium schnell zur Tortur werden. Eine wichtige Rolle kommt dabei der Familie oder dem Partner zu: Nur wenn auch das private Umfeld hinter dem Vorhaben steht, können die nötigen Freiräume für das Lernen geschaffen werden. Besonders in Zeiten von Personalmangel sehen sich die Studierenden aus der Pflege aber noch mit einer weiteren Herausforderung konfrontiert: der Dienstplanung und Unterstützung durch den Arbeitgeber. Denn nicht immer stehen die Vorgesetzten hinter dem Vorhaben.

Arbeitnehmer/-innen sind übrigens nicht dazu verpflichtet, den Arbeitgeber zu informieren, dass sie ein Fernstudium absolvieren möchten. Sie müssen allerdings sicherstellen, dass ihr Job durch die Doppelbelastung nicht vernachlässigt wird.

Wie läuft ein Fernstudium konkret ab?

So wie sich die Arbeitswelt mit der Digitalisierung verändert hat, haben sich auch die Fernstudiengänge an die neuen Möglichkeiten durch das Internet angepasst: Wurden früher gedruckte Studienbriefe per Post an die Studierenden verschickt, besteht bei vielen Hochschulen heute die Möglichkeit, multimediale Lerninhalte über einen Online-Campus abzurufen. Videovorlesungen, virtuelle Hörsäle und virtueller Austausch mit den Kommilitonen über Foren oder sogar per Chat sind so problemlos möglich. Und wer nicht auf gedruckte Unterlagen verzichten möchte, erhält häufig noch PDF-Dateien der Studienbriefe als Download.

In den meisten Studiengängen gibt es zusätzlich regelmäßige, verpflichtende Präsenzzeiten. Blended Learning wird diese Kombination aus Online-Phasen und Phasen mit Anwesenheitspflicht genannt. Zu den Präsenzphasen treffen sich die Studierenden ein- oder mehrmals pro Semester, um Prüfungen zu absolvieren und sich von Angesicht zu Angesicht mit den Kommilitonen oder Tutoren auszutauschen. Wie oft und wie lange diese Präsenzzeiten stattfinden, ist unterschiedlich: In einigen Studiengängen ist es ein verlängertes Wochenende, in anderen eine ganze Woche, einmal oder mehrmals pro Semester.

Bachelor, Master oder doch lieber ein Zertifikat?

Nahezu alle Abschlüsse sind heute per Fernstudium möglich – selbst das Abitur kann nachgeholt werden. Hochschulzertifikate eignen sich für diejenigen, die in akademisch angelegten Kursen Wissen erwerben oder vertiefen möchten. Ein akademischer Abschluss wird dabei nicht erworben. Vorteile der Zertifikatskurse: Sie dauern in der Regel nur einige Monate, und die während des Kurses erworbenen ECTS-Punkte können angerechnet werden, falls sich die Teilnehmenden später doch noch für ein Studium entscheiden sollten. Wer also erst einmal für einige Monate ausprobieren möchte, wie sich ein Fernstudium mit dem Alltag vereinbaren lässt, für den kann ein Hochschul­zertifikat das Richtige sein. Zertifikate von hausinternen Fortbildungen oder von nicht akademischen Anbietern werden von den Hochschulen in der Regel nicht angerechnet. Deshalb muss die Qualität aber nicht schlecht sein.

Wer einen akademischen Abschluss, zum Beispiel einen Bachelor oder Master in Pflegemanagement oder Pflegewissenschaften, erlangen möchte, der sollte bei privaten Hochschulen darauf achten, dass er durch den Wissenschaftsrat staatlich anerkannt ist. Denn nur dann ist sichergestellt, dass der Abschluss gleichwertig ist wie der einer staatlichen Hochschule. Ein weiteres Qualitätsmerkmal: die Akkreditierung der Hochschule durch eine autorisierte Agentur wie das ACQUIN, die AQA, die FIBAA oder die ZevA. Fernstudiengänge sollten außerdem durch die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) genehmigt sein, ein Qualitätsmerkmal ist diese Zulassung jedoch nicht.

Beate Ninow ist übrigens zur Wiederholungstäterin geworden: Das Bachelorstudium hat sie so begeistert, dass sie gleich noch einen Masterstudiengang dranhängt.

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