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  • 24.11.2017
  • Die Schwester Der Pfleger

Digitale Compliance-Messung

APPsolut zeitgemäß

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 12/2017

Seite 20

Bei der Compliance-Messung werden Mitarbeiter von Hygienefachkräften direkt beobachtet, ob sie die Händedesinfektion korrekt durchführen. Die schriftliche Erfassung und Dokumentation dieser Beobachtungen ist zeit- und arbeitsintensiv. Eine App kann helfen, die Daten schneller zu erheben und auszuwerten.

Der wichtigste Baustein, um die Händehygiene-Compliance genau zu bestimmen, ist die direkte Beobachtung der Mitarbeiter bei der Händedesinfektion. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet diese sogenannte Compliance-Messung als Goldstandard. Diese Messmethode ist auch Voraussetzung dafür, um im Rahmen der AKTION Saubere Hände das Silber- oder das Gold-Zertifikat zu erhalten.

Mit der Compliance-Messung lässt sich abbilden, ob und wie die Regeln zur Hände­hygiene von den Mitarbeitern umgesetzt werden. Damit lässt sich zum Beispiel auch feststellen, ob ein hoher Verbrauch an Händedesinfektionsmittel mit einer effektiven Händehygiene einhergeht.

Für die Messung gehen geschulte Hygienefachkräfte auf die Stationen und beobachten vor Ort, ob die Händedesinfektion von den Mitarbeitern korrekt und anhand der „5 Momente der Händedesinfektion“ durchgeführt wird. Die Station, auf der eine Compliance-Messung stattfindet, wird in der Regel vorher darüber informiert. Jede Beobachtung wird dokumentiert. Im Nachgang werten die Hygienefachkräfte dann die Daten der gesammelten Beobachtungen aus. Weil die Ergebnisse aber oft handschriftlich dokumentiert und ausgewertet werden, ist die Compliance-Messung zeit- und arbeitsintensiv.

Compliance-Messung per App

Auch am Medizin Campus Bodensee wird seit Jahren die Händehygiene-Compliance gemessen – bis vor kurzem weitestgehend analog: „Bislang haben wir die Beobachtungen mit Strichlisten und Tabellen durchgeführt, was ziemlich zeitaufwändig und zeitraubend war“, berichtet die leitende Hygienefachkraft Brigitte Rüstau aus ihrem Alltag. Die Hygienefachkräfte führten dafür an geplanten Tagen direkte Beobachtungen auf den Stationen durch und hielten die Ergebnisse schriftlich fest. Im Büro wurden die Daten dann in Excel-Tabellen eingetragen.

Um die Compliance schneller und effektiver messen zu können, entschied sich das Hygieneteam im Frühjahr 2017 für ein digitales Beobachtungsinstrument: die Software Observe. Diese App wurde von der Paul Hartmann AG in Zusammenarbeit mit ihrem Bode Science Center entwickelt.

Mit der App können die Hygienefachkräfte auf ihrem Smartphone unbegrenzt Daten von durchgeführten Beobachtungen eintragen. Das System wertet die Daten dann automatisch aus. Ganz schnell können so zum Beispiel Balkendiagramme erstellt werden, die die Ergebnisse der Händehygiene-Compliance der verschiedenen Stationen miteinander vergleichen oder zeigen, welche Berufsgruppe die Händehygiene am besten durchführt.

Compliance wird sichtbar

Seit die App auf dem Smartphone installiert ist, habe sie ihr Handy immer in der Tasche, sagt Brigitte Rüstau. Besonders schätzt die Hygienefachkraft dabei die Menge der Beobachtungen, die sie nun dokumentieren könne, weil sie ihr Beobachtungsinstrument immer dabei habe. Wo früher an einzelnen Tagen ganze Stationen überprüft wurden, könnte sie jetzt Beobachtungen jederzeit und stationsübergreifend vornehmen. Am Ende ergebe sich deswegen auch ein weitaus realistischeres Bild der Hygienestandards in der Einrichtung.

„Wir haben nicht nur Momentaufnahmen, sondern valide Ergebnisse“, so Rüstau. Darüber hinaus seien die Ergebnisse insgesamt glaubwürdiger und könnten auf einem hohen Niveau präsentiert werden, weil Strichlisten und Exceltabellen durch professionelle Graphiken ersetzt werden. „Dadurch hat sich unsere Arbeit professionalisiert“, erklärt die Hygienefachkraft. Das erleichtere auch die Zusammenarbeit mit Behörden.

Nach mehreren Monaten Testphase hat sich das digitale Beobachtungsinstrument am Medizin Campus Bodensee bewährt: „Wir beobachten einen direkten Zusammenhang zwischen dem Einsatz der App, dem damit verbundenen verbesserten Feedback an die Mitarbeiter und einer gesteigerten Händehygiene“, erklärt Rüstau. Besonders interessant sei dabei, dass nicht nur fehlende Händedesinfektionen aufgedeckt werden können, sondern auch unnötige Desinfektionen. Diese Situationen werden nun häufiger erfasst und ermöglichen ein unmittelbares Feedback.

Die Reaktionen von Mitarbeitern und Patienten auf die neue Erfassungsmethode sind durchweg positiv. Tablets und Smartphones sind heute im Privatgebrauch eine Selbstverständlichkeit. „Die Hygiene stand lange Zeit nicht gerade für Modernität“, summiert Hygienefachkraft Brigitte Rüstau. „Es ist gut für den Infektionsschutz, dass sich das Image auch mit solchen digitalen Mitteln ändert.“

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