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  • 11.01.2018
  • Story

Pilotprojekt

Monitoring auf der Normalstation

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 12/2016

Seite 38

Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden hat zwei chirurgische Stationen mit einem elektronischen Frühwarnsystem zur Überwachung der Vitalfunktionen ausgestattet. Damit soll eine höchstmögliche Patientensicherheit gewährleistet werden.

 

Dienstagvormittag im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, kurz vor elf Uhr. Gesundheits- und Krankenpfleger Lukas Großmann kontrolliert die Vitalzeichen von Fabian M. Dafür genügt ein kurzer Blick auf einen fahrbaren Monitor. Denn der 26-jährige Patient ist über kabellose Messgeräte an Handgelenk und Oberarm an ein elektronisches Frühwarnsystem angeschlossen, das seine Vitalzeichen in patientenangepassten Zeitintervallen erfasst und mit einem Punktesystem auswertet.

Ziel: Höchstmögliche Patientensicherheit

Fabian M. ist einer von 46 Patienten, die auf zwei Pilotstationen der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie (VTG) mit dem elektronischen Frühwarnsystem „IntelliVue Guardian Solution mit Early Warning Scoring“ der Firma Phillips Healthcare überwacht werden.

Ziel des elektronischen Monitorings ist es, eine Patientensicherheit auf dem höchstmöglichen Niveau zu gewährleisten. Es basiert auf einem speziellen Notfallkonzept, das das Dresdner Universitätsklinikum bereits vor vier Jahren eingeführt hat. Ein integriertes Punktesystem macht Klinikmitarbeiter bereits bei frühen Anzeichen auf eine mögliche gesundheitliche Krise aufmerksam.

„Das WLAN-gestützte Monitoring ist ein weiterer Baustein, um Komplikationen bei Patienten frühzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen“, erklärt Lukas Großmann. „Das neue System gibt uns Pflegenden, aber auch den Patienten viel Sicherheit.“

Die Funktionsweise des neuen Systems erfolgt so: „Zweimal am Tag gehen die Pflegenden auf den beiden Pilotstationen mit einem rollbaren Monitor von Bett zu Bett und messen händisch die Vitalzeichen der Patienten“, erklärt Großmann. „Die Messwerte werden automatisch in das System übertragen und auch gleich nach den vorgegebenen Parametern ausgewertet.“

Wenn bei diesen Routinemessungen durch das System ein erhöhter Risikoscore festgestellt wird, entscheiden die Ärzte darüber, ob die Abstände der manuellen Messungen mit dem Monitor erhöht werden oder ob der Patient kabellose Messgeräte angelegt bekommt, die die Vitalzeichen zu patientenindividuell festgelegten Zeitpunkten selbst messen. Fabian M. war einer dieser Patienten. Er musste infolge eines Verkehrsunfalls dreimal operiert werden und wies laut Scoringsystem ein erhöhtes Risiko für Komplikationen auf.

Der Grund für die Einführung des elektronischen Monitorings: Während die Vitalfunktionen von Patienten auf Intensivstationen lückenlos überwacht werden, ist dies auf Normalstationen nicht der Fall. Dies ist mit einem erhöhten Risiko verbunden, denn eine Verschlechterung des Patientenzustands ist nicht zeitnah zu erkennen.

Dabei zeigen Studien, dass sich bei zehn bis 20 Prozent der Patienten unerwartet lebensbedrohliche Ereignisse entwickeln. Gut ein Drittel dieser lebensbedroh- lichen Ereignisse werden als vermeidbar eingestuft. Denn oftmals zeigen sich bereits Stunden vor der klinischen Verschlechterung entsprechende Veränderungen bei den Vitalwerten. An diese Erkenntnisse knüpft das neue Monitoring-System an, indem es das Pflegepersonal dabei unterstützt, Patienten mit erhöhtem Risiko zu identifizieren.

„Durch den Einsatz dieser neuen technischen Möglichkeiten fühlt sich das pflegerische Personal bei der Verantwortung um die Sicherheit der Patienten optimal unterstützt“, kommentiert die Pflegedirektorin des Dresd- ner Uniklinikums, Jana Luntz, den Einsatz des elektro- nischen Monitoringsystems. „Die kabellosen Messgeräte, meist eine Oberarmmanschette, senden kontinuierlich die gewünschten Vitalwerte an den Zentralmonitor im Pflegestützpunkt – unabhängig vom Standort des Patienten. Bei rechtzeitiger Identifikation von sich verschlechternden Vitalwerten richtet das Pflegepersonal seine Aufmerksamkeit verstärkt auf den betreffenden Patienten und kann proaktiv geeignete Maßnahmen ergreifen.“

Alle Vitalwerte auf einen Blick

Das Monitoring wurde am 1. Juli dieses Jahres eingeführt. „Vorher waren unsere Patienten über verschieden lange Phasen nicht überwacht“, sagt die Leiterin einer der beiden Pilotstationen, Gitta Jahn. „Mit dem neuen System sehen wir die Vitalwerte aller Patienten auf einen Blick. Zudem erstellt das System eine Liste der Patienten, sortiert nach deren Grad des Risikos.“

Als positiv bewertet Jahn auch die Möglichkeit, bei Patienten eine Sepsisgefahr frühzeitig zu erkennen. Hierfür ist der Sepsis-Früherkennungsscore „Quick SOFA“ im System hinterlegt.

Jahn weist darauf hin, dass die Einführung eines solchen Systems zu Beginn personelle Ressourcen einfordert. „Im Vorfeld sind umfangreiche Schulungen erforderlich, damit alle Mitarbeiter mit der Handhabung der Geräte und dem zugrunde liegenden Scoring-System vertraut sind. Doch das ist ein Aufwand, der sich lohnt.“