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  • 01.10.2016

Stuhlmanagement

"Weniger ist oft mehr"

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 10/2016

Laxantien, Einläufe, Klistiere – es gibt verschiedene Maßnahmen, um die Darmentleerung von Patienten zu unterstützen. Doch wann sollte was zum Einsatz kommen? Experte Rolf Dubb von der Akademie der Kreiskliniken Reutlingen gibt Auskunft.

 

Herr Dubb, was genau bedeutet der Begriff Stuhlmanagement?

Management beinhaltet grundsätzlich alle Aspekte, die zur Erfüllung einer Aufgabe erforderlich sind. Planung, Realisierung und Kontrolle sind originäre Bestandteile. Übertragen auf das Stuhlmanagement bedeutet dies, dass der gesamte Prozess der Nahrungsaufnahme, Verdauung und Ausscheidung berücksichtigt wird. Dabei werden auch die vorliegenden Erkrankungen und die zur Verfügung stehenden Ressourcen betrachtet.

Welche Pflegemaßnahmen gehören zum Stuhlmanagement?

Alle Interventionen, die der Ernährung, Bewegung, Flüssigkeitsbilanz und Ausscheidung dienen. Auch die richtige Auswahl und korrekte Anwendung von Hilfsmitteln, wie Inkontinenzmaterial, Klistiere, Fäkalkollektoren oder kontinuierliche Stuhldrainagesysteme, gehören zum Stuhlmanagement.

Wann sind Maßnahmen zur Stuhlentleerung indiziert?

Beispielsweise wenn der Darm aus diagnostischen Gründen gereinigt werden muss, etwa bei einer geplanten Rektoskopie oder Coloskopie. Die Maßnahmen sind hier weitgehend standardisiert. Sie sind gemäß der ärztlichen Verordnung und entsprechenden Verfahrensanweisungen durchzuführen. 

Welche Abführmaßnahmen helfen, wenn Patienten ihren Darm nicht entleeren können?

Wenn Patienten mit bestimmten Krankheitsbildern, vor allem ältere Menschen, abgeschwächte oder fehlende Darmgeräusche beziehungsweise ein hartes Abdomen aufweisen, kann bei entsprechender Anamnese eine Intervention zur Stuhlentleerung notwendig sein. In solchen Situationen sind zunächst abführende orale Maßnahmen, also die Verabreichung von Laxantien, oder kleine Einläufe in Form von Klistieren anzuwenden. Keinesfalls sollte man in Aktionismus verfallen und den Patienten unnötig belasten – beim Stuhlmanagement ist weniger ist oft mehr.

Inwiefern?

Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass die Kombination aus einem Einlauf und oral verabreichten Laxantien keinen Vorteil gegenüber dem alleinigen Einlauf bietet.

Mit welcher Maßnahme sollte man also beginnen?

Klistiere werden oft als erste Abführmaßnahme verwendet, da sie für die Patienten nicht sonderlich belastend sind. Klistiere enthalten wesentlich weniger Flüssigkeit als etwa ein Hebe-Senk-Einlauf; dadurch sind sie wesentlich leichter anzuwenden und werden besser toleriert.

Was ist bei der Anwendung von Klistieren zu beachten?

Das Einführen in den Enddarm ist immer risikobehaftet. Deshalb sollte das Klistier mit Gleitgel bestrichen und vorsichtig eingeführt werden. Der Inhalt wird dann vollständig in das Rektum entleert. Die Wirkung sollte nach etwa fünf bis zehn Minuten eintreten.

Wenn das nicht hilft, muss ein Hebe-Senk-Einlauf vorgenommen werden?

Richtig. Der Hebe-Senk-Einlauf wird als weiterführende Maßnahme angewendet, wenn beispielsweise ein Klistier nicht zum erhofften Erfolg führte. Er wird auch eingesetzt, um den Darm vor einer diagnostischen Maßnahme zu reinigen. Weitere Indikationen von Einläufen sind die kontrollierte Darmentleerung bei Querschnittlähmung, vor Operationen oder vor der Geburt. Aber auch die Applikation von Medikamenten und diagnostische Zwecke können einen Einlauf erfordern, zum Beispiel den Kontrastmitteleinlauf. 

Was ist zu tun, wenn die Abführmaßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg führten?

Dann muss gegebenenfalls eine digitale Ausräumung erfolgen. Dies beinhaltet das händische Ausräumen von Kotsteinen aus dem Enddarm. Typische Indikationen sind eine chronische Obstipation im Rahmen einer Paraplegie oder bei Multipler Skerose. 

Auf was ist bei einer digitalen Ausräumung pflegerisch zu beachten?

Wie bei jeder invasiven Maßnahme sind die Indikation und Kontraindikationen zu beachten. Zudem ist der Patient über das Vorgehen zu informieren, die Privatsphäre zu schützen und das Verfahren möglichst schonend anzuwenden. Selbstverständlich ist auch der Eigenschutz zu beachten, insbesondere wenn der Patient einen multiresistenten Keim aufweist.

Herr Dubb, vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Rolf Dubb ist Leiter der Fachweiterbildung "Mittleres Pflegemanagement" an der Akademie der Kreiskliniken Reutlingen.
Mail: dubb_r@klin-rt.de