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  • 01.10.2016
  • Praxis

Statements

Wie bleiben Sie gesund trotz Schichtarbeit?

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 10/2016

Im Schichtdienst zu arbeiten, ist anstrengend und gesundheitlich belastend. Welche Strategien helfen Pflegenden, um mit wechselnden Arbeitszeiten, sogenannten „kurzen Wechseln" und Nachtdiensten gut zurechtzukommen? Wir haben uns umgehört.



"Ich genieße Aktivitäten in der Natur"

Ich arbeite seit mehr als 20 Jahren im Drei- Schicht-System. Um gut damit zurechtzukommen, ist zunächst ein gut erstellter Schichtplan wichtig – ohne mehrere kurze Wechsel vom Spät- in den Frühdienst und nicht mehr als vier Nachtdienste hintereinander. Hilfreich ist für mich auch ein zusammenhängendes Frei von mehreren Tagen, gerade auch nach einem Nachtdienst. In dieser Zeit kann ich mich gut regenerieren. Ausgleich finde ich bei Aktivitäten in der Natur mit meiner Familie, sportlicher Betätigung im Fitnesscenter und meinen Hobbys in der Musik und Fotografie. Wenn ich nach einem Nachtdienst nach Hause komme, lese ich vor dem Zubettgehen noch die aktuellsten Nachrichten des Tages. Das ist wie ein kleines Ritual. Mit der Zeit kommt die Entspannung und ich werde automatisch müde.

Ricardo Klimpel, 52, ist Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivpflege und arbeitet im Klinikum Kassel


"Ein gemütlicher Abend unter Freunden baut Stress ab"

Spätdienste sind für mich grundsätzlich angenehmer als Frühdienste. Deswegen tausche ich diese gerne mit Kollegen, die besser mit dem frühen Aufstehen und Arbeiten zurechtkommen. Wenn ich dann doch im Frühdienst arbeiten muss, ist es mir wichtig, früh ins Bett zu gehen, um genug Schlaf zu bekommen – das gelingt mir aber, ehrlich gesagt, nicht immer.

Wichtig ist es mir, mich trotz Schichtdienst ausreichend oft körperlich zu betätigen. Wöchentliches Nordic Walking ist für mich beispielsweise ein absolutes Muss. Zum Ausgleich nehme ich zudem regelmäßig an gesellschaftlichen Aktivitäten teil und gehe meinem musikalischen Hobby nach. Das baut Stress effektiv ab. Auch ein gemütlicher Abend unter Freunden und der Familie hilft mir, den hektischen Berufsalltag zu verarbeiten.

Tobias Eßer, M.A., 27, arbeitet als Gesundheits- und Krankenpfleger in der Dialyse sowie als Pflegeexperte für Dekubitusprophylaxe und Schmerzmanagement in den Kliniken Maria Hilf Mönchengladbach


 

 

"Ich finde Ausgleich im Sport"

Der Schichtdienst verlangt meinem Privatleben ein riesiges Opfer ab. Denn bei jeder zweiten Geburtstagsfeier, auf die ich eingeladen werde, befinde ich mich im Dienst und muss absagen oder früher gehen. Und obwohl meine älteren Kollegen sagen, ich sei ja noch jung und könne wenigstens gut schlafen, merke auch ich, wie anstrengend es ist, keinen festen Rhythmus zu haben.

Die Vorteile des Schichtdienstes dagegen wirken recht schwach, zum Beispiel vormittags Termine wahrnehmen zu können und einen kleinen finanziellen Zuschlag zu erhalten. Doch mir ist bewusst, dass es letztlich die Pflicht von uns Pflegenden ist, zu Zeiten, an denen andere schlafen, Weihnachten feiern oder das neue Jahr willkommen heißen, pflegebedürftige Menschen pflegen und therapieren, ihnen Mut zusprechen oder ihr Leben retten.

Um mit dem Schichtdienst gut zurechtzukommen, ist es unerlässlich, individuelle Bewältigungsmethoden zu entwickeln. Ich persönlich finde Ausgleich zum Berufsalltag im Sport. Sich vollkommen auszupowern, um dann richtig gut schlafen zu können, ist gerade nach einem Nachtschichtzyklus perfekt, um sich wieder umzustellen. Vor dem Frühdienst brauche ich eine eiskalte Dusche und das „Radln" zur Arbeit, um richtig fit zu werden. Vor Spätdiensten schlafe ich gerne auch mal richtig lange aus.

Häufig bringe ich etwas Selbstgekochtes mit zum Dienst, um neben Kaffee und Gummibärchen auch einen nahrhaften Snack für Zwischendurch zu haben.

Grundsätzlich komme ich mit dem Schichtdienst gut zurecht und ich versuche, mich auf die positiven Aspekte zu fokussieren. Denn Pflege ist ein Beruf, der auch nach vielen Berufsjahren spannend und abwechslungsreich ist.

Svenja Pistek, 26, ist Rotkreuzschwester in der Zentralen Notaufnahme in München


"Positives Denken hält gesund"

Mir hilft es, die positiven Aspekte des Schichtdienstes in den Vordergrund zu stellen. Das erleichtert den Schichtdienst immens. Beispiel: Wenn ich Spätdienst habe, kann ich den Abend mit Freunden oder meiner Familie in Ruhe ausklingen lassen; in einer Frühdienstwoche kriege ich wiederum tagsüber noch viel geschafft.

Insofern: Positives Denken hält gesund – davon bin ich fest überzeugt. Es gibt kein Patentrezept, aber es gibt viele individuelle Wege, sich mit den Dienstzeiten zu arrangieren. So versuche ich beispielsweise, trotz ungünstiger Dienste an Freizeitaktivitäten im Freundeskreis teilzunehmen – wenigstens teilweise.

Daniela Fischer, 49, arbeitet als Fachkrankenschwester im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel 

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