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  • 01.10.2016

Serie Fall des Monats

Unklare Zuständigkeiten

Die Schwester Der Pfleger

Ausgabe 10/2016

Das Netzwerk CIRS-Berlin ist ein regionales einrichtungsübergreifendes Berichts- und Lernsystem. In anonymisierter Form werden Berichte über kritische Ereignisse und Beinahe-Schäden gesammelt. Ziel ist es, das gemeinsame Lernen aus Fehlern zu fördern. Im aktuellen „Fall des Monats" geht es um eine Situation im Rahmen einer Reanimation.


DER FALL
Eine Pflegende berichtet ein erstmaliges Ereignis aus der Inneren Medizin: Eine ältere Patientin hatte schwallartig kaffeesatzartig erbrochen und dabei aspiriert. Daraufhin fand das Pflegepersonal sie reanimationspflichtig im Zimmer auf. Der ärztliche Dienst wurde sofort, das REA-Team über den Rea-Notruf informiert. Der ärztliche Dienst leitete die Reanimation ein. Das Rea-Team war schnell vor Ort.

Während der Reanimation kam es zu vielen Unklarheiten in der Kommunikation, es war nicht klar, wer die Leitung hat. Es kam zu einigen Missverständnissen zwischen REA-Team und Stationsteam. Die gesamte Reanimation lief nicht optimal, da die Hierarchien, Strukturen und Aufgabenverteilung unklar blieben. Die Patientin wurde unter Reanimationsbedingungen auf die Intensivstation verlegt.

Kommentar und Hinweise aus dem Netzwerk CIRS-Berlin: In der Notfallversorgung ist eine schnelle kompetente Versorgung unter klarer Leitung, die alle Maßnahmen effektiv koordiniert, essentiell für das Überleben der Patienten. Missverständnisse und Verzögerungen zum Beispiele infolge eines Kompetenzgerangels, wie im Bericht offensichtlich beschrieben, können Patienten erheblich gefährden. Welche Mitarbeiter beziehungsweise welche Teams was wann durchführen und wann sie an andere übergeben sollen, war hier möglicherweise nicht hinreichend geregelt, nicht bekannt oder nicht geübt worden.

Das European Resuscitation Council (ERC) empfiehlt für die innerklinische Notfallversorgung den Einsatz von speziellen Notfall-Teams, die auch bei der Rea unterstützen oder vor Ort die Leitung übernehmen. In vielen Krankenhäusern wird dies durch Reanimationsteams durchgeführt, die zum Beispiel aus einem Arzt und einer Pflegeperson, idealerweise mit intensivmedizinischer und -pflegerischer Kompetenz, bestehen. 
 

Wichtige Empfehlungen aus diesem Ereignis:

  • Alle klinischen Mitarbeiter in der direkten Patientenversorgung müssen kritisch kranke Patienten erkennen können und im Basic Life Support (BLS) trainiert sein. Dafür erhalten sie je nach Aufgabenbereich jährliche bis dreijährliche Trainings.
  • Angekündigte oder unangekündigte Rea-Übungen direkt auf der Station helfen, den Trainingseffekt regelmäßiger Schulungen zu verstärken. 
  • Spezielle Rea-Teams müssen intensiver geschult werden. In der Schulung sollte auch die Übernahme von einem örtlichen Team geübt werden.
  • Die Aufgabenaufteilung bei einer Rea zwischen den Mitarbeitern vor Ort und dem Rea-Team muss im Krankenhaus einheitlich geregelt und allen Mitarbeitern bekannt sein. 
  • Eine Nachbesprechung (De-Briefing) nach einer Reanimation ist wichtig: Regelmäßig eingesetzt können Nachbesprechungen die Qualität der Reanimation und Überlebensrate für die Patienten eines Krankenhauses erhöhen.