Passwort vergessen
  • 19.03.2020
  • Online exklusiv

COVID-19

Die wichtigsten Empfehlungen für Pflegende im Überblick

Das neuartige Coronavirus breitet sich weltweit schnell aus. Es handelt sich auch hierzulande um eine dynamische und ernstzunehmende Situation. Für Pflegende besteht während der Betreuung betroffener Patientinnen und Patienten grundsätzlich ein erhöhtes Infektionsrisiko. Worauf kommt es bei Desinfektion, Abfallentsorgung und Krankentransport an und welche persönlichen Schutzmaßnahmen sind wichtig? Eine Zusammenfassung auf Grundlage der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts.

SARS-CoV-2 (severe acute respiratory syndrome coronavirus 2, „schweres Atemwegssyndrom Coronavirus 2“) ist die Bezeichnung des im Januar 2020 in der chinesischen Stadt Wuhan neu identifizierten Coronavirus. Weltweit wurden 222.643 bestätigte Virusfälle des SARS-CoV-2 mit 9.115 Todesfällen erfasst (Stand: 19 . März 2020).

Der gegenwärtige Ausbruch der Coronavirus-assoziierten akuten Atemwegserkrankung namens Coronavirus-Krankheit 19 (COVID-19) ist der dritte dokumentierte Ausbruch eines tierischen Coronavirus auf den Menschen in nur zwei Jahrzehnten.

Da sich die Epidemie global schnell ausbreitet, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 11. März 2020 den Pandemiefall erklärt [1, 2, 3, 4-10, 15, 16, 24-31].

Italien ist aktuell das am meist betroffene Land nach China mit 35.713 gemeldeten infizierten Personen und 2.978 bestätigten Todesfällen [1]. Inzwischen sind in allen Bundesländern Infektionsfälle mit dem neuen Coronavirus bestätigt worden. Die Fallzahlen sind für Deutschland unter www.rki.de/covid-19-fallzahlen abrufbar.

Folgen der Pandemie noch nicht abschätzbar

Es handelt sich weltweit – auch in Deutschland – um eine sehr dynamische und ernstzunehmende Situation. Bei einem Teil der Fälle sind die Krankheitsverläufe schwer, auch tödliche Krankheitsverläufe kommen vor. Die Fallzahlen in Deutschland steigen derzeit täglich. Das Robert Koch-Institut (RKI) stufte das Risiko für die Bevölkerung durch das neuartige Coronavirus am 17. März 2020 als „hoch“ ein. Vorher galt eine „mäßige“ Gefährdung. Das Risiko für die Bevölkerung variiere regional stark. Im Landkreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen sei die Gefährdung beispielsweise als „sehr hoch“ einzuschätzen.

Die Gesamtfolgen der Pandemie sind noch nicht abschätzbar. Am Höhepunkt der Pandemie kann es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Engpässen in der medizinischen Versorgung und zu starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens kommen.

Ärzteschaft, Pflege und andere Gesundheitsberufe sowie Gesundheitsbehörden wurden auf ein evtl. hohes Aufkommen von infizierten Patientinnen und Patienten sensibilisiert [3].

Für Beschäftigte im Gesundheitsdienst besteht bei der Betreuung von infektiösen Patientinnen und Patienten grundsätzlich ein erhöhtes Infektionsrisiko – besonders bei Infektionen, die durch Tröpfchen übertragen werden können, wie im Fall von COVID-19.

Ein Ausfall von krankem Personal würde erhebliche Probleme in der Patientenversorgung bedeuten. Bisher empfahl das RKI, dass „Kontaktpersonen von labordiagnostisch bestätigten Infektionsfällen möglichst lückenlos identifiziert und für 14 Tage (die momentan angegebene maximale Inkubationszeit) in häuslicher Quarantäne untergebracht werden“ sollen. Das galt auch für medizinisches Personal, würde aber in der Krankenversorgung erhebliche Probleme verursachen [3, 3e].

Tröpfcheninfektion ist Hauptübertragungsweg

Als Übertragungsweg wird v. a. respiratorische Sekrete, in erster Linie Tröpfchen, etwa beim Husten und Niesen sowie bei bestimmten medizinischen Maßnahmen, die mit Aerosolbildung einhergehen (z. B. endotracheales Absaugen, Bronchoskopie), angesehen. Eine indirekte Übertragung, z. B. über Hände oder kontaminierte Oberflächen im klinischen Umfeld, ist ebenfalls gegeben und zu bedenken. Präventionsmedizinische Maßnahmen, zu denen u. a. die Expositions- und Dispositionsprophylaxe einschließlich Desinfektion, Sterilisation und andere hygienische Vorgehensweisen gehören, sind essentiell in der Prävention und Bekämpfung der neuen Virusinfektion.

Bei der Versorgung von mit SARS-CoV-2 infizierten Patienten im Krankenhaus verbreitet sich das Virus beträchtlich in Schlaf- und auch Waschräumen aus.

Von anderen Coronaviren ist bekannt, dass sie auf unbelebten Oberflächen wie Metall, Glass oder Plastik bis zu 9 Tage überleben können [3e].

Wenn Oberflächendesinfektionen Coronaviren einschließen sollen, sind vorzugsweise Präparate mit nachgewiesener Wirksamkeit gegen behüllte Viren wie in der Kategorie „begrenzt viruzid“ zu verwenden. Es sollten vor allem solche angewendet werden, die ihre Wirkung in 1-5 Minuten entfalten [24]. Mittel mit erweitertem Wirkbereich gegen Viren wie „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“ können ebenfalls verwendet werden. Geeignete Mittel enthalten die Liste der vom RKI geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren (RKI-Liste) und die Desinfektionsmittel-Liste des Verbunds für Angewandte Hygiene (VAH-Liste). Bei behördlich angeordneten Desinfektionsmaßnahmen ist die RKI-Liste heranzuziehen.

RKI-Hygieneempfehlungen: Desinfektion, Reinigung, Abfallentsorgung

Stand: 9. März 2020

Desinfektion und Reinigung

  • Tägliche Wischdesinfektion der patientennahen (Handkontakt-)Flächen (z. B. Nachttisch, Nassbereich, Türgriffe) mit einem Flächendesinfektionsmittel mit nachgewiesener, mindestens begrenzt viruzider Wirksamkeit
  • Bei Bedarf sind die Desinfektionsmaßnahmen auf weitere kontaminationsgefährdete bzw. kontaminierte Flächen auszudehnen.
  • Alle Medizinprodukte mit direktem Patientenkontakt (z. B. EKG-Elektroden, Stethoskope) sind patientenbezogen zu verwenden und nach Gebrauch zu desinfizieren. Bei Transport in einem geschlossenen, außen desinfizierten Behälter ist eine zentrale Aufbereitung möglich. Thermische Desinfektionsverfahren sollten wann immer möglich bevorzugt angewendet werden. Ist dies nicht möglich, sollen Desinfektionsmittel mit nachgewiesener, mindestens begrenzt viruzider Wirksamkeit verwendet werden (siehe hierzu auch KRINKO-BfArM-Empfehlung „Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten“).
  • Geschirr kann in einem geschlossenen Behältnis zur Spülmaschine transportiert und wie im Krankenhaus üblich gereinigt werden.
  • Wäsche/Textilien können einem desinfizierenden Wäschedesinfektionsverfahren gemäß RKI-Liste zugeführt werden. Als Taschentücher sind Einwegtücher zu verwenden.
  • Für Betten und Matratzen werden wischdesinfizierbare Überzüge empfohlen.

Abfallentsorgung

Die Entsorgung von Abfällen, die mit Sekreten oder Exkreten kontaminiert sind, erfolgt nach Abfallschlüssel 180103 gemäß Richtlinie der LAGA Nr. 18.

Dauer der Maßnahmen

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Empfehlung lagen noch keine ausreichenden Daten über die Dauer der Erregerausscheidung bei nicht mehr symptomatischen Personen vor, um eine generelle abschließende Empfehlung zur Beendigung der Maßnahmen nach Abklingen der Symptomatik zu geben. In diesen Fällen sollte daher derzeit eine individuelle Entscheidung getroffen werden. Das RKI hat in Abstimmung mit der Arbeitsgruppe Infektionsschutz der „Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden“, kurz AOLG, mögliche Kriterien zur Aufhebung der Isolierung bzw. Entlassung erarbeitet.

Schlussdesinfektion

Die Schlussdesinfektion erfolgt mit mindestens begrenzt viruziden Mitteln gemäß der Empfehlung „Anforderungen an die Hygiene bei der Reinigung und Desinfektion von Flächen“.

RKI-Empfehlungen: Basishygiene, räumliche Unterbringung, Personalschutzmaßnahmen

Stand: 18. März 2020

Ziel ist es, die Ausbreitung in Einrichtungen des Gesundheitswesens möglichst zu vermeiden. Daraus ergeben sich folgende Empfehlungen:

  1. Konsequente Umsetzung der Basishygiene einschließlich der Händehygiene in allen Bereichen des Gesundheitswesens.
  2. Ergänzende Maßnahmen im klinischen Bereich – räumliche Unterbringung

Vorgehen bei Verdachtsfällen

  • Einzelunterbringung in einem Isolierzimmer mit eigener Nasszelle.
  • Die Nutzung eines Isolierzimmers mit Schleuse/Vorraum ist grundsätzlich zu bevorzugen.
  • Eine gemeinsame Isolierung mehrerer Patientinnen und Patienten ist unter bestimmten Bedingungen möglich (KRINKO-Empfehlung „Infektionsprävention im Rahmen der Pflege und Behandlung von Patienten mit übertragbaren Krankheiten“).
  • Risiken durch raumlufttechnische Anlagen, durch die eine Verbreitung des Erregers in Aerosolen auf andere Räume möglich ist, sind vor Ort zu bewerten und zu miniminieren.

Personalschutzmaßnahmen/Persönliche Schutzausrüstung

  • Einsatz geschulten Personals für die Versorgung von SARS-CoV-2-Betroffenen, welches möglichst von der Versorgung anderer Patientinnen und Patienten freigestellt wird.
  • Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) bestehend aus Schutzkittel, Einweghandschuhen, dicht anliegender Atemschutzmaske (FFP2 bzw. FFP3 oder Respirator bei ausgeprägter Exposition gegenüber Aerosolen, z. B. bei Bronchoskopie oder anderen Tätigkeiten, bei denen Aerosole entstehen können) und Schutzbrille.
  • Die Anforderungen an die persönliche Schutzausrüstung werden in der TRBA250 bzw. in der KRINKO-Empfehlung „Infektionsprävention im Rahmen der Pflege und Behandlung von Patienten mit übertragbaren Krankheiten“ spezifiziert. Hier abrufbar
  • Persönliche Schutzausrüstung vor Betreten des Patientenzimmers anlegen, und vor Verlassen der Schleuse/des Zimmers dort belassen.
  • Händehygiene: Die bekannten Indikationen für die Händehygiene (Händedesinfektion bzw. in Handschuhwechsel) gemäß den „5 Momenten der Händehygiene“ beachten.
  • Händedesinfektion mit einem Desinfektionsmittel mit nachgewiesener, mindestens begrenzt viruzider Wirksamkeit nach Ausziehen der Handschuhe und vor Verlassen des Zimmers.
  • Einweghandschuhe bzw. -kittel vor Verlassen des Zimmers bzw. der Schleuse in einem geschlossenen Behältnis entsorgen.
  • Beobachtung des Gesundheitszustandes des eingesetzten Personals. 

RKI-Empfehlungen: Transporte von COVID-10-Betroffenen innerhalb und außerhalb des Krankenhauses 

Stand: 9. März 2020

Patiententransport innerhalb des Krankenhauses

  • Ist ein Transport im Krankenhaus unvermeidbar, soll der Zielbereich vorab informiert werden. Der Transport soll als Einzeltransport erfolgen, dabei trägt die Patientin oder der Patient einen Mund-Nasen-Schutz, sofern es der Gesundheitszustand der betroffenen Person zulässt.
  • Das Transportpersonal und das Personal der Funktionsabteilung tragen einen Schutzkittel, Atemschutzmaske (mindestens FFP2) und Einmalhandschuhe sowie je nach Exposition eine Schutzbrille. Der Kontakt zu anderen Patientinnen, Patienten oder Besuchern ist zu vermeiden.
  • Unmittelbar nach den Maßnahmen in der Zieleinrichtung sind die Kontaktflächen und das Transportmittel vor erneuter Nutzung zu desinfizieren.

Krankentransport eines Erkrankten außerhalb des Krankenhauses

  • Vor Beginn des Transports ist das aufnehmende Krankenhaus über die Patienteneinweisung und über die betreffende Verdachtsdiagnose/Erkrankung zu informieren.
  • Falls es der Gesundheitszustand der Patientin oder des Patienten zulässt, sollte sie oder er mit einem Mund-Nasen-Schutz versorgt werden.
  • Informationen zur persönlichen Schutzausrüstung des Personals vgl. Absatz „RKI-Empfehlungen: Basishygiene, räumliche Unterbringung, Personalschutzmaßnahmen“.
  • Unmittelbar nach Transport ist eine Wischdesinfektion sämtlicher zugänglicher Flächen und Gegenstände mit einem Flächendesinfektionsmittel (vgl. Absatz „RKI-Hygieneempfehlungen: Desinfektion, Reinigung, Abfallentsorgung“) durchzuführen. 

RKI-Empfehlungen zu Besucherregelungen

Stand: 9. März 2020

  • Soziale Kontakte sollten möglichst über Telekommunikation statt über persönliche Besuche erfolgen.
  • Besuche auf ein Minimum beschränken und zeitlich begrenzen.
  • Besucherinnen und Besucher sind zu den erforderlichen Schutzmaßnahmen zu unterweisen. Diese beinhalten:
  • Das Einhalten von mindestens 1-2 m Abstand zu Patienten
  • Das Tragen von Schutzkittel und dicht anliegendem, mehrlagigem Mund-Nasen-Schutz
  • Die Händedesinfektion beim Verlassen der Patientin oder des Patienten.
  • Die konkrete Umsetzung dieser Empfehlungen soll unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten unter Einbeziehung des Hygienefachpersonals, des betriebsärztlichen Dienstes und ggf. in Rücksprache mit dem zuständigen Gesundheitsamt erfolgen [3c, 3e].

Empfehlungen für die stationäre Altenpflege

Für stationäre Pflegeeinrichtungen gelten folgende Grundsätze und Empfehlungen:

  • Wenn Mitarbeitende, Besucherinnen oder Besucher Symptome zeigen, dürfen sie nicht in diese Einrichtungen.
  • Heimbewohnerinnen und -bewohner mit Symptomen sollten isoliert sowie auf Influenza und SARS-CoV-2 getestet werden, wenn regional Fälle auftreten. Alle müssen verstärkt auf die Hygieneregeln achten, besonders das Personal [3f].
  • Besucherinnen und Besucher sind darüber zu informieren, dass sie das Pflegeheim nicht aufsuchen sollen, wenn sie eine akute Atemwegserkrankung haben (z. B. über Aushänge).
  • Besuchsregelungen sollten ggf. mit den Gesundheitsbehörden abgestimmt werden.
  • Personal mit akuten Atemwegserkrankungen sollten zu Hause bleiben.
  • Bei neu aufgenommenen Bewohnerinnen und Bewohnern sollte der Gesundheitsstatus erhoben werden, Personen mit Atemwegserkrankungen oder fieberhaften Erkrankungen sollten der betreuenden Ärztin oder dem betreuenden Arzt zur Entscheidung des weiteren Vorgehens vorgestellt werden.
  • Erkrankte Bewohnerinnen und Bewohner mit Atemwegserkrankungen oder fieberhaften Erkrankungen sollten im Zimmer versorgt werden.
  • Händedesinfektionsmittel und Einmaltaschentücher sollten in allen Bereichen, auch den Wohnbereichen, bereitgestellt werden.
  • In der Pflege von Erkrankten mit Fieber oder Atemwegserkrankungen sollte den Empfehlungen entsprechende Schutzausrüstung verwendet werden.
  • Schutzausrüstung und Hinweise zu deren Benutzung sollten unmittelbar vor den Wohnbereichen platziert werden.
  • Mülleimer zur Entsorgung von Einmalartikeln sollten im Innenbereich vor der Tür aufgestellt werden.
  • Bei Übernahme durch bzw. Transfer in eine andere Einrichtung sollte eine Vorab-Information bezüglich Atemwegserkrankung bzw. auf eine COVID-19-verdächtige Erkrankung erfolgen.
  • Es sollte eine Beobachtung des Gesundheitszustands des Personals erfolgen.

Für Beschäftigte in der Altenpflege wird auf das Projekt „Monitoring des Managements von Ausbrüchen durch respiratorische Erreger in Pflegeeinrichtungen“ des RKI aus dem Jahr 2013 verwiesen. Die Checkliste steht auf der RKI-Webseite bereit. 

 

Anmerkungen

Autor

WEITERE FACHARTIKEL AUS DEN KATEGORIEN