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  • 10.01.2019
  • Management

Pflegekompetenzzentren

So verbessern sich Pflegestrukturen

Immer mehr Menschen sind auf Pflege angewiesen. Doch in der Versorgung gibt es oft Engpässe - gerade in ländlichen Regionen. Die Krankenkasse DAK-Gesundheit will mit Pflegekompetenzzentren die Situation für Pflegebedürftige und deren Angehörige verbessern. Wie das gelingen soll, hat BibliomedPflege den Leiter des DAK-Projekts "Regionale Pflegekompetenzzentren", Milorad Pajovic, gefragt.

Herr Pajovic, die DAK-Gesundheit will unrentable Kliniken in sogenannte Pflegekompetenzzentren umwandeln. Was versprechen Sie sich davon?

Das oberste Ziel eines regionalen Pflegekompetenzzentrums ist es, sektorenübergreifende Angebote und Einrichtungen der Langzeitpflege unter einem Dach zusammenzuführen. So kann die Zusammenarbeit aller Pflegeakteure auf kommunaler Ebene erleichtert und gestärkt werden. Das hat für Pflegebedürftige und deren Angehörige den Vorteil, dass die notwendigen Strukturen und Anbieter gebündelt sind. Das erleichtert die Kommunikation, verringert Schnittstellen und bringt vor allem in strukturschwachen Regionen Entlastung im Pflegealltag.

Wie wollen Sie diesen Ansatz konkret in der Praxis umsetzen?

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, dies in der Praxis umzusetzen: Regionale Pflegekompetenzzentren können entweder bestehende Krankenhäuser ergänzen und erweitern oder Krankenhäuser, die vor der Schließung stehen, ersetzen. Dies ist immer davon abhängig, welche Strukturen es vor Ort gibt und was für die jeweilige Region sinnvoll ist.

Was unterscheidet Ihren Ansatz von bereits bestehenden Pflegekompetenzzentren?

Das Konzept der regionalen Pflegekompetenzzentren soll vor allem die digitale Infrastruktur schaffen und stärken. Es geht zwar auch darum, dass Tagespflege, Ärztezentren und andere Akteure physisch vor Ort sind. Kern ist aber, die einzelnen Akteure digital zu verknüpfen. Das erleichtert zum Beispiel die Kommunikation zwischen Pflegedienst und Arzt, verringert den Dokumentationsaufwand in der stationären Pflege oder hilft Angehörigen, die Gesundheitsdaten pflegebedürftiger Familienmitglieder zu verwalten. Neben bereits vorhandenen Anwendungen, wie die elektronische Gesundheitsakte Vivy, können in regionalen Pflegekompetenzzentren auch neue E-Health-Anwendungen erprobt werden.

Wie sollen diese Zentren finanziert werden?

Für das Pilotprojekt in den niedersächsischen Landkreisen Grafschaft Bentheim und Emsland haben wir einen Förderzuschlag aus dem Innovationsfonds in Höhe von 10 Millionen Euro erhalten. Hier ist die Finanzierung also gesichert. Wie eine flächendeckende Finanzierung aussehen kann, muss auf Bundesebene besprochen werden. Unser Vorstandsvorsitzender, Andreas Storm, hat vor Kurzem den Vorschlag gemacht, die Pflegefinanzierung grundsätzlich zu reformieren (https://www.bibliomed-pflege.de/alle-news/detailansicht/36847-kasse-fordert-eigenanteile-von-pflegeleistungen-zu-deckeln/): Die Eigenanteile für Betroffene sollten gedeckelt werden, alles darüber hinaus übernimmt die Pflegeversicherung. Derzeit ist es umgekehrt, was aber eine sehr große Belastung für Pflegebedürftige und deren Familien sein kann. Zur Finanzierung brauchen wir dann einen Bundeszuschuss aus Steuermitteln. Denkbar wäre, diese Steuergelder auch in die Pflegeinfrastruktur in Form von Pflegekompetenzzentren fließen zu lassen.

Wann wird das Pilotprojekt in den Modellregionen starten?

Der offizielle Projektstart erfolgt im Laufe des Jahres 2019. Das genaue Datum steht noch nicht fest. Vor Ort ist die Pflegeinfrastruktur jedoch bereits sehr gut aufgestellt. Hier hat unser Projektpartner, die Gesundheitsregion Euregio, bereits hervorragende Arbeit geleistet, weshalb wir uns auch für die niedersächsischen Standorte entschieden haben.

Sind weitere Pflegekompetenzzentren in Planung? Wie soll es mit der Entwicklung solcher Zentren Ihrerseits weitergehen?

Pflegekompetenzzentren haben das Potenzial, die Pflegestrukturen in ganz Deutschland zu stärken und zu verbessern. In vielen Regionen wäre ein solches Zentrum also sinnvoll. Wir sind hier vereinzelt bereits in Gesprächen und freuen uns immer über weitere Kooperationsangebote.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Pajovic.

 

Das unterscheidet ein Pflegekompetenzzentrum von einem Medizinischen Versorgungszentrum

Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sind Einrichtungen, in denen Ärzte gleicher oder unterschiedlicher Fachrichtungen unter einem Dach zusammenarbeiten. Sie sind ein wichtiges Bindeglied zwischen ambulanter und stationärer Versorgung.

Es gibt reine Hausarzt-MVZ sowie spezialisierte facharztgruppengleiche MVZ. Darüber hinaus wurde 2015 mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz Kommunen die Möglichkeit eingeräumt, MVZ zu gründen und damit aktiv die Versorgung in der Region weiterzuentwickeln.

Pflegekompetenzzentren nach Vorstellung der DAK-Gesundheit sind ein neues Konzept, in dem alle Akteure und Elemente der Pflege zusammenlaufen - unterstützt von digitalen Strukturen. Pflegestützpunkte können dabei eines von vielen Elementen sein.

Bezahlt werden könnten diese Zentren aus Mitteln des Fonds zur Umstrukturierung von Krankenhäusern, um ebendiese nicht mehr benötigten Häuser für die Pflege nutzbar zu machen.

Quellen: Bundesgesundheitsministerium, DAK-Gesundheit

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