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  • 01.03.2018

Rauchen in Dienstkleidung

Risiko kalter Tabakrauch

Rauchen Pflegende in ihrer Dienstkleidung, hat das nicht nur Folgen für ihre eigene Gesundheit. Auch Patienten werden in Mitleidenschaft gezogen und können mitunter gravierende gesundheitliche Schäden davontragen.

Rauchen ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko in Deutschland. Jährlich sterben etwa 120.000 Personen in Deutschland vorzeitig durch Rauchen.

Rauchverbot: Pflegende sollten Vorbilder sein

Ein Krankenhausaufenthalt ist für viele Patienten ein geeigneter Moment, um über eigene Gewohnheiten und Verhaltensweisen zu reflektieren und Änderungen anzustoßen. Mitarbeitern im Gesundheitswesen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, in der sie ihre Beratungskompetenz in Sachen Gesundheitsförderung und Prävention unter Beweis stellen können. In diesem Zusammenhang können sie Betroffenen Zusammenhänge zwischen etwaigen Erkrankungen und Rauchverhalten erklären, verlässliche Wege aus der Sucht aufzeigen und Hilfsmöglichkeiten anbieten, wie etwa eine Nikotinersatztherapie.

Glaubwürdiger wirkt dies für Patienten allerdings, wenn die gesamte Einrichtung rauchfrei ist und die Angestellten nicht in Dienstkleidung rauchen, sondern als überzeugendes Vorbild auftreten.

Gegen Rauchen in Dienstkleidung spricht jedoch auch die tatsächliche hygienische Gefahr, die von kaltem Tabakrauch, auch Tertiärrauch genannt, ausgeht. Er bleibt auf Kleidung, Haut und Haaren hängen - selbst wenn im Freien geraucht wird.

Tertiärrauch wird unter dieser Bezeichnung wissenschaftlich erst seit etwa 2006 untersucht. Aktuell sind etwa 50 Artikel zu diesem Thema in den gängigen wissenschaftlichen Datenbanken verfügbar.

Krebserregender Tabakrauch: Aufnahme über die Haut

Doch diese wenigen aktuellen Studien zeigen schon eine gefährliche Tendenz auf: Durch chemische Reaktionen, wie Oxidation, entstehen aus Reststäuben von Tabakrauch sekundäre, krebserregende Giftstoffe. Bisher nachgewiesene Bestandteile sind Nikotin, tabakspezifische Nitrosamine, 3-Ethenylpyridin, Phenol, Cresol, Naphtalen, Formaldehyd und Schwermetalle.

Der kalte Tabakrauch kann schon allein über Hautkontakt aufgenommen werden. Besonders für Frühgeborene und Kleinkinder ist dies gefährlich, da sie meist doppelt so viel Staub wie Erwachsene aufnehmen. Auch immunsupprimierte Patienten sind besonders gefährdet.

Dienstkleidung aus Baumwolle ungeeignet

Sämtliche Auswirkungen des Tertiärrauchs sind zwar noch schwer abschätzbar. Erste Untersuchungen zeigen aber, dass bestimmte Materialien, wie Wolle und Baumwolle – also Stoffe, aus denen üblicherweise die Dienstkleidung hergestellt wird – mehr Schadstoffe aufnehmen und diese länger speichern als etwa Polyesterfasern. Diese kleidungsgebundenen Schadstoffe können die menschliche Hautbarriere überwinden und zum Beispiel zu einer verschlechterten Wundheilung führen. Es erscheint daher empfehlenswert, kalten Tabakrauch auf Dienstkleidung grundsätzlich zu vermeiden.

Rauchverbot in Dienstkleidung

In der Praxis gab es bereits ein gerichtliches Verfahren: Im Todesfall eines Frühchens wurden unter anderem Hygienemängel nach dem Rauchen als mögliche Ursache untersucht. Kalter Tabakrauch wurde auch bereits auf rauchfreien Intensivstationen nachgewiesen. Vermutlich wurde der Rauch von Haut und Haaren der Beschäftigten an die Umgebung abgegeben.

In der freien Wirtschaft ist das Rauchverbot in Dienstkleidung bereits übliche Praxis. Gerade in so sensiblen Bereichen wie Klinikstationen allerdings nicht. Das sollte sich dringend ändern.

Literatur über die Verfasserin.

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