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  • 09.02.2018

Aromapflege

Von duftenden Ölen und wohltuenden Salben

Ob Orange, Zeder oder Bergamotte – Aromaöle können Patienten helfen. Am Evangelischen Krankenhaus Herne kümmern sich speziell ausgebildete Aromapflegeexperten um den richtigen Einsatz dieser ätherischen Öle.

Stefanie Eisenberg vom Evangelischen Krankenhaus Herne ist davon überzeugt, dass Aromaöle helfen können. Deshalb machte sich die Pflegedienstleiterin dafür stark, Aromapflege als festen Bestandteil des Pflegeangebots im Haus zu etablieren. „Mittlerweile setzen wir die duftenden Essenzen regelmäßig bei der Behandlung unserer Patienten ein“, sagt sie. Aromapflege gelte dabei als unterstützende Maßnahme und ergänze die ärztliche Therapie.

„Angefangen hat alles im Februar 2015“, erinnert sich Eisenberg. Damals hat sie an einem geeigneten Konzept getüftelt und hat infrage kommende Ölmischungen mit der Apotheke abgestimmt. Zunächst wurden die Mischungen nur bei Chemo-, Palliativ- und neurologischen Patienten eingesetzt. Mittlerweile werden auch chronische Schmerzpatienten behandelt. Sukzessive ziehen die anderen Stationen nach. In Kürze entsteht dafür extra ein interner Arbeitskreis Aromapflege, der für alle interessierten Berufsgruppen offen ist.

Zweijährige Zusatzweiterbildung zum Aromapflegeexperten

Möglich ist diese Ausrichtung dank der beiden Aromapflegeexpertinnen Silvia Streich-Landwehr und Martina Wansel. Beide sind gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und haben eine zweijährige Zusatzweiterbildung an der Heilpflanzenschule PhytoAro in Dortmund absolviert. In dieser Zeit haben sie mehr über Geschichte und Inhaltsstoffe von ätherischen Ölen gelernt, wie sie hergestellt und gelagert werden. „Wir haben viel erfahren über spezifisches Arbeiten mit solchen Ölen, über die Chemie der Aromen, Botanik und Kontraindikationen“, erläutert Streich-Landwehr. „Jetzt sind wir fit in Sachen Aromamassage, Wickel und Kompressen und wissen genau, welche Öle bei welchen Beschwerden eingesetzt werden sollten“, ergänzt Wansel. Als onkologische Fachkrankenschwester hat sie vor allem mit Patienten zu tun, die sich stark belastenden Tumortherapien unterziehen müssen. Unerträglicher Juckreiz oder Übelkeit sind klassische Begleiterscheinungen dabei. „Einreibungen mit individuell abgestimmten Ölmischungen sowie Riechdosen können hier wohltuend wirken“, weiß die erfahrene Pflegekraft.

Riechdosen mit dem ätherischen Öl der Orange oder Bergamotte wirken beispielsweise angstlösend, entspannend und stressabbauend, eine entsprechende Dose mit Zedernduft beruhigt und wirkt stärkend. Hautstoffwechselanregend sind etwa ein paar Tropfen Mandelöl, Rosmarin oder Lavendel, die sanft auf der Haut einmassiert werden.

Weitere Formen der Anwendung sind Waschungen oder gezieltes Betupfen etwa der Schläfen bei starkem Kopfschmerz.

„Für nahezu jeden Patienten gibt es Varianten, die eine wohltuende Wirkung auf sein Befinden ausüben“, sagt Kollegin Streich-Landwehr. „Damit wir auch sicher gehen können, dass der Patient einen positiven Effekt erfährt, erheben wir vorher eine genaue Anamnese, in der es um Unverträglichkeiten oder Vorlieben geht“, beschreibt sie weiter. Daraufhin erstellen sie und ihre Kollegin ein entsprechendes Konzept und entwerfen eine individuelle Rezeptur, die dann in der hauseigenen Klinikapotheke mit hochwertigen und reinen Aromaölen angefertigt wird.

Positive Resonanz

Mittlerweile hat eine kleine hausinterne Studie unter 23 Patienten ergeben, dass die Arbeit der Aromapflegeexperten einen positiven Effekt besitzt. Alle Patienten gaben an, sich nach der Anwendung besser zu fühlen. 70 Prozent der Befragten bezeichneten die Behandlung mit Aromaöl als „sehr wirkungsvoll“, die restlichen 30 Prozent als „wirkungsvoll“. Vor allem, wenn Patienten über Muskel- und Gelenkbeschwerden (43 Prozent) oder Übelkeit (30 Prozent) klagen, hilft die Aromapflege.

Am Evangelischen Krankenhaus Herne soll deshalb die Aromapflege kontinuierlich weiter ausgebaut werden. Beide Aromapflegeexpertinnen schulen dafür Pain Nurses und andere Kollegen am Haus. Streich-Landwehr sitzt zudem im Aromakreis Nordrhein-Westfalen, um stets auf dem neuesten Stand der Entwicklungen zu bleiben.

Die positive Resonanz auf die Aromatherapie spricht sich rum. „Inzwischen fragen die Patienten von sich aus danach“, berichtet Streich-Landwehr. Sie erlebten die Anwendung als eine besondere Form der Zuwendung und angenehme Sinneserfahrung, die ihr Wohlbefinden steigere ohne dass sie Nebenwirkungen befürchten müssten.

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