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  • 20.12.2017

Neu im DPR-Vorstand

"Der Hebammen-Nachwuchs wird diskriminiert"

Yvonne Bovermann vertritt die Interessen der Hebammen im Präsidium des Deutschen Pflegerats. Sie erläutert, vor welchen Herausforderungen der Berufsstand aktuell steht. 

Frau Bovermann, Sie setzen sich für die Akademisierung des Hebammenberufs ein. Warum? 

Bereits jetzt sind wir – ähnlich wie die Pflegenden – beruflich abgehängt innerhalb der EU. Beispielsweise gilt die automatische Anerkennung von Hebammen aus Deutschland nicht für Auszubildende, die ihre Ausbildung nach Januar 2016 begonnen haben. Hier hat man ein wichtiges Datum tatenlos verstreichen lassen, sodass der Hebammen-Nachwusch dadurch faktisch diskriminiert wird. Das ist nicht akzeptabel. Zudem arbeitet kein anderer Gesundheitsfachberuf derart eigenständig und ohne Arztzuweisung. Die Anforderungen an Hebammen sind längst enorm gestiegen. Im deutschen Qualifikationsrahmen lässt sich unsere Berufstätigkeit auf Stufe 6 einordnen. Das entspricht einem hochschulischen Bachelor-Abschluss oder einem Handwerksmeister. Die Ausbildung befindet sich jedoch weiterhin auf Qualifikationsstufe 4, der dreijährigen berufsfachschulischen Ausbildung. Hier klafft also eine Lücke zwischen Berufsausbildung und Anforderungen des Berufs. 

Wieso ist es wichtig, den Schritt in Richtung Akademisierung jetzt zu gehen? 

Eine entsprechende EU-Richtlinie existiert bereit seit 2013. Mittlerweile ist die Zeit für eine fristgerechte Umsetzung knapp geworden. Eine Übergangszeit kann es gar nicht mehr geben. Dennoch drängen wir auf die Einhaltung der Frist, da wir sonst befürchten, dass sich die Berufsreform auf unbestimmte Zeit verschieben wird. Über 30 Jahre nach der letzten Reform unseres Berufsgesetzes ist jeglicher Aufschub – auch vor dem Hintergrund der sicheren Versorgung von Müttern und Kindern – nicht mehr vertretbar. 

Vor welchen Herausforderungen sehen Sie die Hebammen außerdem stehen?

Dramatisch hat sich die Situation in Kreißsälen entwickelt. Es kann nicht sein, dass sich Geburtenzahlen in einem Haus nach der Schließung von Kreißsälen in umliegenden Kliniken verdoppeln, ohne dass räumliche und personelle Konzepte entwickelt und umgesetzt werden. Immer weniger Hebammen ertragen diese Arbeitsbedingungen und kündigen ihren Job, gleichzeitig wird die Lage für die verbleibenden Kollegen schwieriger. Wir fordern deshalb, dass Konzepte für alle umliegenden Kreißsäle entwickelt werden bevor ein Haus geschlossen wird. Wir brauchen einen Runden Tisch in der jeweiligen Region, an dem tragfähige Konzepte für die weitere Betreuung der Gebärenden entstehen.

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