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  • 14.12.2017
  • Praxis

Medizinische Versorgung auf dem Land

Krankenschwester 2.0

Ein Modellprojekt in Oberfranken testet derzeit den Einsatz von eNurses auf dem Land. Doch was genau macht eigentlich eine eNurse und wie ist sie ausgebildet?

Ob demografischer Wandel oder Fachkräftemangel – auf dem Land treten die Auswirkungen am ehesten zutage. Um Versorgungsengpässe erst gar nicht entstehen zu lassen, hat die Bayerische Staatsregierung ein Förderprogramm zum Erhalt und zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum aufgelegt. Darin enthalten ist das Projekt „eNurse“. eNurses sollen die pflegerische und ärztliche Versorgung in ländlichen Regionen aufrechthalten und im besten Fall sogar verbessern. eNurse ist ein Projekt der Unternehmung Hochfranken GmbH & Co. KG, einem Zusammenschluss von rund 71 niedergelassenen Haus- und Fachärzten in der Region Hochfranken.

eNurse als Bindeglied

Kennzeichnend für das Projekt ist die bessere Zusammenarbeit und Vernetzung der verschiedenen Fachdisziplinen – mit der eNurse als Bindeglied. Sie nimmt im Rahmen der Delegation Ärzten Hausbesuche ab und entlastet sie damit. Der Einsatz moderner telemedizinischer Technologie ermöglicht es dabei, Befunde direkt an den betreuenden Arzt zu übermitteln oder spontan eine Videokonferenz abzuhalten.

Zusatzweiterbildung nötig

Die eNurse ist eine ausgebildete medizinische Fachangestellte mit der Zusatzweiterbildung zur nicht-ärztlichen Praxisassistentin (NäPA). Diese darf gemäß der Delegationsvereinbarung (Anlage 8 und Anlage 24 BMV-Ä) auf Anordnung des Arztes Hausbesuche übernehmen. Jede eNurse versorgt einen festen Patientenstamm und eine feste Zahl an Arztpraxen. Für die Hausbesuche nutzt sie ein Notebook mit Touch-Display, mit dem sie notwendige Patientendaten aus der jeweiligen Praxis abfragen und bereits bestehende Daten ergänzen kann. Auch die Daten der Messgeräte für Blutzucker, Blutdruck, EKG, Puls und Gewicht können per Bluetooth oder USB übertragen und dem Arzt umgehend in die Praxissoftware übermittelt werden. Sollten während des Hausbesuchs Fragen aufkommen, kann die eNurse jederzeit den Arzt mittels Videokonferenz einbinden oder ihm Bildmaterial senden.

Versorgung chronisch kranker Personen

Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes mellitus und deren Begleiterkrankungen, zum Beispiel dem Diabetischen Fußsyndrom, zu betreuen und behandeln, zählen zu den Kernaufgaben der eNurse. Patienten, die an einer offenen Wunde leiden, werden bei regelmäßigen Hausbesuchen fachgerecht betreut. Die eNurse bedient sich auch in diesem Fall telemedizinischer Verfahren, um die Wunde zu dokumentieren und in die entsprechende Patientenakte der Praxis zu übermitteln. Der behandelnde Arzt kann die Fotos bei Bedarf zeitgleich ansehen, auswerten sowie weitere Therapie- und Behandlungsmaßnahmen an die eNurse kommunizieren.

Die Planung der Hausbesuche wird spätestens am Vortag abgeschlossen, für Notfälle werden Pufferzeiten eingeplant. Der Tag der eNurse beginnt mit den Besuchen der Patienten, anschließend werden die abgenommenen Blutröhrchen zum Laborversand in die Praxis geliefert. Dann setzt die eNurse ihre Patientenbesuche für eine andere Praxis fort.

Mehr Zeit für Patienten

Bisherige Erfahrungen zeigen, dass viele immobile oder mobil eingeschränkte Patienten für die Zusatzleistung ihres Hausarztes dankbar sind, da diese die Praxis nicht mehr aufsuchen können und der behandelnde Arzt kaum die notwendige Zeit für regelmäßige Blutkontrollen oder Wundversorgungen aufbringen kann. Die eNurse kann mehr Zeit für jeden einzelnen Patienten einplanen. Ein weiterer Vorteil ist die feste Terminplanung.

Das Projekt wird derzeit in Oberfranken getestet und vom bayerischen Gesundheitsministerium mit rund 192.000 Euro unterstützt. Die Initiative sei ein „innovatives Digitalisierungsprojekt“, beschreibt Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml den Ansatz.

 

 

Dieser Text ist entstanden in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege und der Unternehmung Gesundheit Hochfranken GmbH & Co. KG. 

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