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  • 03.07.2017

Palliativpflege

"Die Umstände des Todes belasten Pflegende sehr"

Pflegende in der Palliativversorgung sind per se häufiger mit Sterben und Tod konfrontiert als Kollegen in anderen Bereichen. Wie sehr sie das psychisch belastet, ist bislang nicht systematisch für diese Gruppe erfasst worden. Jetzt sollen mit einer bundesweiten Befragung regionale Daten aus Rheinland-Pfalz überprüft werden. Wir sprachen mit den Projektverantwortlichen über erste Ergebnisse und Hintergründe. 

Sie haben im Frühjahr 2015 Pflegende aus dem Palliativsektor in Rheinland-Pfalz zu ihrer Arbeitssituation und Gesundheit befragt. Warum? 

Diehl: Bisherige Studien im Bereich der spezialisierten Palliativversorgung konzentrieren sich hierzulande auf Palliativstationen und Hospize oder deren Vergleich. Zudem werden häufig Mitarbeiter unterschiedlicher Fachdisziplinen befragt. Die darin verwendeten Erhebungsinstrumente sind nicht speziell auf Pflegende aus dem Palliativsektor zugeschnitten. Diese Lücke wollten wir schließen mit einem selbstentwickelten, halbstandardisierten Fragebogen, welchen wir speziell für diese Berufsgruppe konzipiert sowie auf ihre Arbeitssituation und Gesundheit ausgerichtet haben. 

Wie haben Sie den Fragebogen konkret entwickelt? 

Diehl: Wir haben Interviews mit Pflegenden, Palliativmedizinern, ehrenamtlich Tätigen und einem Seelsorger aus diesem Bereich geführt  – also mit Personen von Palliativstationen, aus Hospizen und der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, kurz SAPV. Auf Basis der Ergebnisse dieser Interviews haben wir einen Fragebogen entwickelt, welcher von insgesamt 149 Pflegenden aus Rheinland-Pfalz beantwortet wurde. Das entspricht einer Quote von knapp 35 Prozent. 

Was haben Sie herausgefunden?

Diehl: Mehr als jeder Zweite fühlte sich durch „Qualvolle Umstände des Todes“, wie Ersticken, stark bis sehr stark belastet. Die „Nähe oder besondere Beziehung zu einem Patienten“ wurde von rund 40 Prozent der Befragten als Belastung empfunden. Rund 15 Prozent der Pflegenden gaben an, sich durch „Sterben/Tod von Patienten“ belastet zu fühlen. Mehr als jeder Vierte gab einen mittelmäßigen bis schlechten körperlichen Gesundheitszustand an. In Hinblick auf den psychischen Gesundheitszustand ist es fast jeder Fünfte. Rund elf Prozent der Befragten bezeichnen sowohl ihren körperlichen als auch psychischen Gesundheitszustand als mittelmäßig bis schlecht.

Jetzt sollen diese Ergebnisse bundesweit überprüft werden …

Rieger: Ja, genau. Zudem sollen bundeslandspezifische Auswertungen erfolgen, welche nicht nur die spezialisierte, sondern auch die allgemeine Palliativversorgung miteinbeziehen, um entsprechende Präventionsmaßnahmen ableiten zu können.

Was ist das Ziel Ihrer bundesweiten Befragung?

Rieger: Mit den Daten wollen wir Belastungs- und Ressourcenunterschiede zwischen Palliativstationen, Hospizen, der SAPV sowie der allgemeinen Palliativversorgung analysieren.  

Läuft die bundesweite Befragung schon? 

Rieger: Ja, wir sind gerade mitten drin. Bis September 2017 werden deutschlandweit 20 Prozent aller Einrichtungen der spezialisierten und zehn Prozent aller Einrichtungen der allgemeinen Palliativversorgung kontaktiert. Die anonyme Erhebung erfolgt wissenschaftlich unabhängig über das Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universitätsmedizin Mainz sowie über das Competenzzentrum Epidemiologie und Versorgungsforschung bei Pflegeberufen, kurz CVcare, des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf. Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, kurz BGW, fördert die Befragung. Wir hoffen, es beteiligen sich möglichst viele Einrichtungen. Das wäre wünschenswert, um Belastungsschwerpunkte ausfindig zu machen und mögliche bedarfsorientierte Präventionsansätze für Pflegende zu entwickeln.

Dafür viel Erfolg.

Elisabeth Diehl ist Diplom-Soziologin und Epidemiologin. Sie war die Projektverantwortliche für die Durchführung und Auswertung des ersten Projekts in Rheinland-Pfalz.










Sandra Rieger hat einen Master of Arts in Soziologie und ist Projektverantwortliche für die Durchführung und Auswertung des bundesweiten Projekts. 

Beide sind wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 

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