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  • 30.06.2017
  • Praxis

Bereichswechsel

"Der richtige Schritt"

Für Intensivpflege konnte sich Vera Frkovic schon seit ihrer Ausbildung begeistern. Nach vielen Jahren auf der Intensivstation wechselte sie vor fünf Jahren in die außerklinische Intensivpflege. 

Frau Frkovic, was war für Sie der Grund, von der Intensivstation in die außerklinische Intensivpflege zu wechseln?

Nach meiner Ausbildung wollte ich unbedingt auf einer Intensivstation anfangen. Dort habe ich dann auch viele Jahre gearbeitet. Viele verschiedene Krankheitsbilder, Medikamente, Notfälle: Die Versorgung von schwerstkranken Menschen hat mich sehr gereizt.  Aber gerade in den letzten Jahren wurde die Zeit für den einzelnen Patienten immer knapper, die Arbeitsbelastung dafür immer größer. Das hat mich zunehmend belastet. Ich wollte damals einfach raus aus dem hektischen Stationsalltag und habe nach einem Berufsfeld gesucht, in dem ich meine Arbeit guten Gewissens erledigen kann. Gleichzeitig wollte ich aber weiterhin mein Wissen auf dem Gebiet der Beatmung sinnvoll einbringen. 

Können Sie das in der außerklinischen Intensivpflege machen?

Auf jeden Fall in viel größerem Maße als auf der Intensivstation. In der Außerklinik liegt der Schwerpunkt auf den individuellen Bedürfnissen der Klienten. Diese sind meist relativ stabil, die  Akutversorgung spielt eine untergeordnete Rolle. Es geht vielmehr um die Pflege „am Bett“ und auch um die psychosoziale Betreuung. 

Können Sie da ein Beispiel nennen?

Viele Klienten werden nach der einer schweren Erkrankung nach Hause verlegt. Sie sind plötzlich tracheotomiert, beatmet und in ihren Alltagskompetenzen stark eingeschränkt. Das kann ziemlich belastend sein. Als Pflegekraft hat man hier die Aufgabe, die Ressourcen so gut es geht zu fördern und den Patienten emotional zu stabilisieren. Dasselbe gilt übrigens für die Angehörigen.

Hat man denn als Pflegeperson eine so enge Beziehung zu den Angehörigen?

Zum Teil schon. Denn in der außerklinischen Intensivpflege verbringt man meistens zwölf Stunden bei den Betroffenen. Wenn diese in der eigenen Wohnung leben, dann bekommt man zwangsweise auch viel von den sozialen Beziehungen, Problemen etc. mit. Man wird oft ein Teil der Familie.

Ist es dann nicht schwierig, sich emotional abzugrenzen?

Ganz einfach ist das sicherlich nicht. Aber ich glaube, da muss jeder seinen eigenen Weg finden. Ich persönlich denke auf dem Heimweg oft noch über die Arbeit nach. Zu hause angekommen schiebe ich diese Gedanken aber in eine Schublade. Aber das gelingt natürlich nicht immer.

Ist es in der Außerklinik weniger stressig als auf einer Intensivstation?

Ich würde nicht sagen, dass es weniger stressig ist. Es ist aber ein anderer Stress. Auf einer Intensivstation hat man ständig Action – instabile Patienten, diagnostische Maßnahmen, etc. Es herrscht ständig Eile. In der Außerklinik ist es oft der psychische Stress, der überwiegt. 

Vermissen Sie manchmal die „Action“ auf einer Intensivstation?

Nein, überhaupt nicht. Für mich war der Wechsel in die Außerklinik der richtige Schritt. Den Alltag zusammen mit dem Klienten so zu gestalten, dass für ihn das Leben lebenswert ist, das hat für mich persönlich einen sehr hohen Wert. Tägliche Adrenalinstöße zu bekommen ist mir nicht mehr wichtig.

Vielen Dank für das Gespräch!

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