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  • 28.10.2016
  • Management

Barmer GEK Pflegereport 2011

Mehr Tempo bei Pflegereform nötig

Jeder zweite Mann und zwei von drei Frauen werden im Laufe ihres Lebens pflegebedürftig. Professionelle Pflege wird immer mehr von ambulanten Diensten geleistet. Das Sterben verlagert sich zunehmend ins Krankenhaus oder Pflegeheim. Dies sind die zentralen Ergebnisse des Pflegereports 2011 der Barmer GEK, der Ende November in Berlin vorgestellt wurde.

Der Vizechef der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, forderte ein baldiges Handeln in Sachen Pflegefinanzierung und Pflegebedürftigkeitsbegriff. Zwar reichten die Finanzen der gesetzlichen Pflegeversicherung wohl noch bis 2014 aus, das Thema Pflege werde Gesellschaft, Gesundheitswesen und Politik aber weiter treiben. „Auf Dauer können wir uns Reformen im Schneckentempo nicht mehr leisten, wir müssen schneller vorankommen", sagte Schlenker bei der Vorstellung des Barmer GEK Pflegereports 2011.

Noch härter ins Gericht mit der Politik und der geplanten Pflegereform ging der für den Report verantwortliche Studienleiter Professor Heinz Rothgang vom Zentrum für Sozialpolitik an der Universität Bremen. „Die geplanten Leistungsverbesserungen bleiben Stückwerk. Statt vorläufige Sonderregelungen speziell für Demenzkranke einzuführen, brauchen wir eine zügige Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs", sagte er. Um die bisherige Leistungshöhe zu halten und gleichzeitig die Versorgung Demenzkranker zu verbessern seien Mehrausgaben von rund drei Milliarden Euro erforderlich. Die Bundesregierung plant laut den jüngst verabschiedeten Eckpunkten eine Beitragsanhebung von 0,1 Prozentpunkten im Gesamtvolumen von 1,1 Milliarden Euro.

Rothgang regte eine Dynamisierung der Pflegeleistungen an, ausgerichtet an der allgemeinen Bruttolohnsteigerung und der Inflationsrate. Voraussetzung dafür müsse aber eine nachhaltige Finanzreform sein. „Nur eine umfassende Pflegeversicherung, die alle Einkommensarten berücksichtigt, die Beitragsgrenze anhebt und bislang Privatversicherte einbezieht, kann die strukturelle Einnahmeschwäche der Pflegeversicherung beseitigen."

Risiko für Pflegebedürftigkeit steigt
Wie hoch ist das Risiko, im Laufe seines Lebens pflegebedürftig zu werden? Laut Pflegereport lag es für Männer im Jahr 2009 bei 50 Prozent, für Frauen sogar bei 72 Prozent. Der Anstieg ist beträchtlich: Im Jahr 2000 hatte das Risiko für Männer noch bei 41 Prozent und für Frauen bei 65 Prozent gelegen.

Alle weiteren Ergenisse des Pflegereports im Überblick:
·    Die Zahl der Pflegebedürftigen hat von 1999 bis 2009 um 16 Prozent auf 2,34 Millionen Menschen zugenommen, allein seit 2007 um 4,1 Prozent. Ursache ist die Alterung der Bevölkerung – das altersspezifische Pflegerisiko bleibt dagegen konstant.
·    Pflegebedürftigkeit wird mit höherem Alter assoziiert. So werden fünf Prozent der 80-Jährigen und 20 Prozent der 90-Jährigen innerhalb eines Jahres pflegebedürftig. Sie spielt aber auch in den ersten Lebensjahren eine Rolle. Kleinkinder und Kinder haben mit 0,1 bis 0,2 Prozent eine ähnlich hohe Pflegeeintrittswahrscheinlichkeit wie 50-Jährige und eine deutlich höhere als unter 50-Jährige.
·    Nachdem über Jahre hinweg vor allem im Bereich der vollstationären Pflege Zuwächse zu verzeichnen waren, ist im Jahr 2009 erstmals der Anteil der Pflegebedürftigen in stationärer Pflege minimal rückläufig. Gleichzeitig stieg der Anteil der Pflegebedürftigen, die über ambulante Pflegedienste versorgt werden, in den zwei Jahren von 2007 bis 2009 um zehn Prozent. Der Trend zu mehr professioneller Pflege wird immer mehr von den ambulanten Diensten getragen.
·    Frauen sind länger pflegebedürftig als Männer. So überlebten Männer, die im Jahr 1999 pflegebedürftig wurden, durchschnittlich drei Jahre, Frauen vier Jahre.
·    Das Sterben verlagert sich ins Krankenhaus oder Pflegeheim. Die Zahl der über 30-Jährigen, die im Krankenhaus verstarben, ist zwischen 2000 und 2009 von 401 000 auf 423 000 Menschen im Jahr gestiegen. Gleichzeitig wuchs die Zahl der im Pflegeheim Verstorbenen von 140 000 auf 159 000. Damit verstarben 70 Prozent in Krankenhäusern oder Pflegeheimen. 2000 lag die Quote bei 65 Prozent.

Quelle: Pressekonferenz der Barmer GEK am 29. November 2011 in Berlin

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