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  • 28.10.2016
  • Praxis

Bronchialkarzinom: Symptome zeigen sich erst spät

Trotz medizinischen Fortschritts hat sich die Prognose bei der Erkrankung an einem Bronchialkarzinom kaum verbessert. Von zehn Patienten lebt fünf Jahre nach der Diagnose nur noch ein einziger. Daher kommt der Pflege eine besondere Bedeutung zu. Eine sorgfältig geplante Schmerztherapie, Begleitmedikation und psychische Unterstützung können die Lebensqualität des Betroffenen deutlich verbessern.

Das Bronchialkarzinom zählt in Deutschland zu den häufigsten zum Tode führenden Krebserkrankungen (1, 5). Bei der Krankheitsentstehung spielen eingeatmete Schadstoffe eine wichtige Rolle. Rauchen zählt zu den entscheidendsten Risikofaktoren (3). Krebsfördernd kann auch der Staub von Asbest-, Uran-, Radon-, Arsen-, Chrom- oder Nickelverbindungen sein. War Ihr Patient an seinem Arbeitsplatz derartigen Partikeln ausgesetzt, müssen Sie besonders aufpassen (2).

Diagnostik
Schon seit vielen Jahren sucht man nach einer zuverlässigen Methode der Früherkennung. Allerdings wird das Bronchialkarzinom häufig noch immer zu spät entdeckt. Als Erstes nimmt man Röntgenaufnahmen des Thorax vor. Das Röntgen ist jedoch nicht empfindlich genug, um kleine Tumoren sichtbar zu machen (2). Man setzte daher große Hoffnungen auf die Computertomografie (CT), die tatsächlich viele Befunde zutage fördert. Des Öfteren ist aber unklar, was diese Befunde bedeuten. Bei entsprechendem Verdacht folgt daher eine Bronchoskopie mit Biopsie, gegebenenfalls auch eine endobronchiale Sonografie. Die Biopsie ermöglicht eine histologische Diagnostik, die Voraussetzung der Therapieplanung ist (2).

 

Zur Früherkennung bei Risikopatienten kommt auch die Autofluoreszenz-Bronchoskopie infrage. Da gesundes Gewebe in blauem Licht einer bestimmten Wellenlänge wesentlich stärker fluoresziert als entartetes Gewebe, werden Krebszellen sichtbar (3).

 

Ist die Tumordiagnose gesichert, folgen weitere Untersuchungen zur Stadieneinteilung beziehungsweise zur Erfassung von Metastasen, zum Beispiel CT von Schädel und Bauchorganen, Sonografie des Bauchraums, Skelettszintigrafie, Knochenmarkpunktion und eventuell PositronenEmissions-Tomografie (PET) (3).

Eine Lungenfunktionsprüfung und eine Blutgasanalyse (BGA) bringen Klarheit, ob die Erkrankung operabel ist (5).

 

Behandlung

Zur Therapie des Lungenkrebses gehören Operation, Chemo- und Strahlentherapie. Welche Therapieform im Einzelfall die geeignetste ist, wird anhand der Art des Tumors und des Stadiums der Erkrankung festgelegt. Hiervon hängt auch ab, ob eine kurative Therapie möglich ist.

 

Kleinzellige Karzinome streuen sehr früh über die Blutbahnen. Daher befinden sich kleinzellige Karzinome zum Zeitpunkt der Diagnose oft schon in einem fortgeschrittenen Stadium, und die Behandlung umfasst meist eine Chemotherapie mit verschiedenen Zytostatika, der sich eine Strahlentherapie anschließt. Bei nicht kleinzelligen Karzinomen hingegen ist die Behandlung bei kurativem Therapieansatz zunächst operativ. Postoperativ erfolgt oft eine Strahlentherapie. Insbesondere bei fortgeschrittenen Tumoren verbessert eine präoperative Radio- und Chemotherapie die Prognose (3).

 

Palliative Therapieformen wie Laser-, Chemo- oder Strahlentherapie können den Tumor oft über Monate verkleinern und so die Beschwerden lindern. In manchen Fällen ist auch eine palliative Operation hilfreich. So können bronchiale Endoprothesen aus Silikon oder Metall (Stents) verengte Bronchien offenhalten (3).

 

Medikamente sind unumgänglich

Insbesondere im Spätstadium der Erkrankung sind meist eine medikamentöse Schmerzbehandlung und eine medikamentöse Begleitmedikation erforderlich. Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten:

Eine effiziente Schmerztherapie erreicht man mit Morphinpräparaten. Neuroleptika und Antidepressiva tragen zur Verbesserung der seelischen Befindlichkeit bei. Antitussiva setzt man zur Minderung eines starken Hustenreizes ein, Antiemetika (z. B. Vomex®, Paspertin®) gegen Übelkeit und Erbrechen. Laxanzien (z. B. Bifiteral®, Dulcolax®) helfen bei Verstopfung, Glukokortikoide (z. B. Fortecortin®) bei einem Hirnödem oder Leberkapselspannungsschmerz infolge von Metastasen (3).

 

Das können Sie für Ihren Patienten tun

Neben der medizinischen Standardtherapie gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen. Eine vollwertige Ernährung stärkt den allgemeinen Gesundheitszustand und verhindert, dass Nährstoffdefizite auftreten. Bieten Sie Ihrem Patienten eine hochkalorische Kost mit Zwischenmahlzeiten an. Bestimmte Diäten sollten Sie unbedingt ausschließen, da diese den Patienten schwächen können (5).

 

Wichtig ist es auch, den Patienten und seine Angehörigen einfühlsam zu begleiten, in der seelischen Verarbeitung der Krankheit zu unterstützen und für seine Ängste Verständnis zu zeigen. Denn eine Krebserkrankung stellt eine enorme psychische Belastung dar. Meist trifft den Betroffenen die Diagnose „Bronchialkarzinom" vollkommen überraschend. Er ist beunruhigt und mitgenommen, vielleicht auch aufgrund der bestehenden Symptome geschwächt. Häufig ist die Erkrankung schon so weit fortgeschritten, dass eine Heilung unwahrscheinlich ist. Die meist schlechte Prognose erfordert eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Therapiewillen. Wichtig ist es daher, sehr genau auf die Äußerungen des Kranken und auch seiner Angehörigen bezüglich seiner Befindlichkeit zu hören. Ermutigen Sie Ihren Patienten, sich innerhalb der Familie auszusprechen, seine Gedanken auszudrücken und Gefühle zu zeigen, sodass Leid und Sorgen gemeinsam getragen werden. Die Angehörigen sollten in die Pflege des Patienten integriert werden. Tragende soziale Beziehungen sind gerade in dieser Lebenskrise von unschätzbarem Wert und tragen maßgeblich zur Krankheitsbewältigung bei. Eventuell helfen Ihrem Patienten weitere Ansprechpartner wie Sozialarbeiter, Seelsorger, Psychologen oder Selbsthilfegruppen. Weisen Sie Ihren Patienten auf Literatur zu speziellen Problemen hin (beispielsweise Broschüren von der Deutschen Krebshilfe) (5).

 

 

 

Lebensqualität erhalten

Es sollte immer Ihr Ziel sein, die größtmögliche Lebensqualität des Kranken zu gewährleisten. Wichtig ist es, dass Ihr Patient keine Schmerzen hat.Daher sollten Sie dafür sorgen, dass er eine ausreichende Schmerztherapie erhält (3). Akupunktur kann manchen Patienten helfen, besser mit der durch die Chemotherapie verursachten Übelkeit zurechtzukommen. Auch Entspannungstechniken wie Autogenes Training können zum Wohlbefinden beitragen und dem Patienten helfen, besser mit Angst und Schmerzen umzugehen (2).
Durch atemunterstützende und sekretlösende Maßnahmen können Atembeeinträchtigungen vermieden werden. Leiten Sie den Patienten an, wie er seine Atmung verbessern kann, beispielsweise mittels Atemtrainer oder Kontaktatmung. Dies dient auch dazu, einer Lungenentzündung vorzubeugen. Zur Pneumonieprophylaxe sollte Ihr Patient inhalieren – beispielsweise dreimal täglich mit physiologischer NaCl-Lösung – und anschließend abhusten. Bieten Sie Ihrem Patienten eine atemstimulierende Einreibung an und führen Sie bei Atemnot eine atemunterstützende Lagerung durch (5).
Andere Folgeerkrankungen können Thrombose oder Dekubitus sein. Um sie zu vermeiden, sollten Sie den Patienten frühzeitig mobilisieren. Mobilisation erhält zudem seine Selbstständigkeit. Ziel sollte es sein, seine Eigenständigkeit möglichst lange zu erhalten, ohne ihn zu überfordern (3).
Achten Sie darauf, dass Ihr Patient an allen Nachuntersuchungen teilnimmt. Nur so kann ein erneutes Auftreten der Krankheit möglichst früh erkannt werden. Die erste Untersuchung erfolgt sechs Wochen nach Abschluss der Behandlung. Anschließend ist beim nicht kleinzelligen Karzinom in den ersten beiden Jahren etwa alle drei Monate ein Termin beim Arzt einschließlich Röntgen- und Blutuntersuchung vorgesehen. Dann werden die Untersuchungen noch drei Jahre lang alle sechs Monate durchgeführt und schließlich nur noch einmal im Jahr (2).
Beim kleinzelligen Bronchialkarzinom sind im ersten Jahr alle sechs bis acht Wochen Nachuntersuchungen vorgesehen, da hier ein früher Rückfall häufiger ist. Anschließend geht es weiter wie bei nicht kleinzelligen Lungentumoren (2).
Weitere Untersuchungen wie etwa eine Bronchoskopie können je nach Tumorform und Beschwerden im Einzelfall infrage kommen. Der Einsatz weiterer spezieller bildgebender Verfahren, wie etwa einer Computertomografie, hängt von den Symptomen ab (2).

 

 

Literatur:

(1) Consilium practicum: Handbuch für Diagnose und Therapie, CEDIP Verlag Österreich, 1. Auflage, 2007.
(2) Gesundheitpro.de, Ärztlicher Ratgeber: Lungenkrebs (Bronchialkarzinom), http:// www.gesundheitpro.de/Aerztlicher-Ratgeber- Lungenkrebs-Bronchialkarzinom-Lungen-krebs-A050905ANONI014385.html, 2009.
(3) Menche, N.: Pflege Heute, Elsevier Urban & Fischer, München, Jena, 2007.
(4) pqsg-Magazin, Standard Pflege von Senioren mit Bronchial- und Lungentumoren, www.pqsg.de/seiten/indexer/ index-keyword-lungenkrebs.htm, 2009.
(5) Seel, M.: Die Pflege des Menschen: Gesundsein. Kranksein. Altern. Sterben. Beobachtung. Brigitte Kunz Verlag, Hagen, 3. Auflage, 1998.

 





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