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  • 03.03.2015
  • Management

Generalistik

Altenpflege ist der Gewinner

Der Geschäftsführer der Katholischen Schule für Gesundheits- und Pflegeberufe in Dortmund und Vorsitzende des Bundesverbandes Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe, Carsten Drude, hat in einem Plädoyer für die Generalistik deutlich gemacht, dass auch die Altenpflege von einer generalistischen Ausbildung profitiert. Die Generalistik-Gegner hätten vor allem eigene Interessen im Blick und nicht etwa die Ausbildungsqualität oder die künftige Flexibilität der Auszubildenden.
 


Die Horrorszenarien der Gegner einer generalistischen Pflegeausbildung die teilweise von Trägerverbänden in der Altenpflege lautstark deklariert werden, entsprechen in keinster Weise den jetzigen und zukünftigen Anforderungen an die Angehörigen der Pflegeberufe.

Generalistik bedeutet eben nicht die Abschaffung einzelner Berufszweige, vielmehr bietet sich im Rahmen der Zusammenführung der bisher getrennten Berufsaus-bildungen die Chance, den Professionalisierungsprozess für alle Pflegeberufe weiter voranzutreiben. In der generalistischen Pflegeausbildung werden dabei bestehende und bewährte Konzepte aus den bisherigen Ursprungsberufen genutzt und im Rahmen einer curricularen Gestaltung zu einem völlig neuen Berufsbild zusammengeführt.

Der Status Quo sieht so aus, dass momentan keinerlei Durchlässigkeit aus Sicht der Altenpflegeausbildung in andere Berufszweige möglich ist. Mit einem Examen in der Gesundheits- und Krankenpflege kann man sehr wohl in einer Altenpflegeeinrichtung tätig sein, umgekehrt ist dies aber nur sehr selten der Fall. Würde man die bisherige Altenpflegeausbildung beibehalten, heißt dies in der Konsequenz, dass man Gefahr läuft, den Status als Heilberuf zu verlieren und völlig losgelöst von in- und ausländischen Entwicklungen separiert wird.

Studien und Modellversuche haben belegt, dass es im Bereich der theoretischen Ausbildung am Lernort Schule möglich ist, alle Pflegeberufe gemeinsam auszubilden. Die jeweilige Bildungseinrichtung ist dabei gefordert darauf zu achten, dass nicht das Lebensalter des Pflegeempfängers ausschließlich als Kriterium herangezogen wird. Viel bedeutsamer für die zukünftigen Anforderungen in allen pflegerischen Handlungsfeldern sind messbare Kompetenzen.

Die bisher bekannt gewordenen Überlegungen des Gesetzgebers hinsichtlich einer generalistischen Pflegeausbildung machen deutlich, dass der Ausbildungszweig Altenpflege sehr wohl der Gewinner eines solchen Gesetzgebungsverfahrens ist. Die Pflichtstunden im Bereich der praktischen Ausbildung werden für den Bereich Langzeitpflege und ambulante Pflege deutlich zunehmen.

Bedingt durch die Tatsache, dass jeder Schüler diese Pflichtstunden absolvieren muss, werden in den ambulanten, stationären und teilstationären Altenhilfeeinrichtungen deutlich mehr Schülerinnen und Schüler diesen Zweig kennenlernen. Es liegt an den jeweiligen Trägern, das Handlungsfeld für die potentiellen zukünftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter attraktiv zu gestalten.

Trägerverbände, die sich lautstark gegen diesen Prozess wenden, haben nur ihre jeweils eigene Einrichtung im Blick und nicht die Qualität der Ausbildung oder die zukünftige Flexibilität der Auszubildenden.

Aktuell wird in verschiedenen Veröffentlichungen und Stellungnahmen stets das Argument ins Feld geführt, dass die Ausbildungsplatzzahlen im Bereich der Alten-pflege angestiegen seien und dass diese Form der Ausbildung damit ein absolutes Erfolgsmodell sei. Der positiven Entwicklung dieser Zahlen widerspreche ich nicht, jedoch muss man auch der Tatsache ins Auge blicken, dass der Lernort Schule in dieser Diskussion völlig außen vor gelassen wurde.

In vielen Bundesländern ist der Teil der schulischen Ausbildung in der Altenpflege nicht annähernd auskömmlich finanziert. Eine einheitliche, generalistische Pflegeausbildung bietet hier die Chance, alle Strukturen mindestens auf das Finanzniveau der bisherigen Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung anzuheben – also auch hier ein Gewinn für die bisherige Altenpflegeausbildung.

Erfreulicherweise ist aus den zuständigen Ministerien (BMG, BMFSFJ) von allen Protagonisten zu hören, dass nicht mehr das ob sondern das wie der Gestaltung der Generalistik diskutiert wird.

Carsten Drude

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