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  • 27.04.2015
  • Management

Aktionsbündnis für Patientensicherheit

10 Jahre im Einsatz für Patientensicherheit

Das Aktionsbündnis für Patientensicherheit (APS) feiert in diesem Jahr sein 10-jähriges Bestehen. Am 11. April 2005 schlossen sich Vertretern der Gesundheitsberufe, ihrer Verbände, Patientenorganisationen sowie aus Industrie und Wirtschaft zusammen, um die Patientensicherheit hierzulande weiterzuentwickeln und als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu etablieren. Mittlerweile zählt der gemeinnützige Verein mehr als 550 Mitglieder.

 

Multiresistente Krankenhauskeime oder vergessenes OP-Equipment im Körper von Patienten – jeder kennt die Berichte aus den Medien. Diesen Situationen entgegenzuwirken und sachgerecht, ohne Skandalisierungen aufzuklären, sind grundlegende Ziele des Aktionsbündnisses für Patientensicherheit (APS). Dabei gehe es jedoch nicht um Schuldzuweisungen, sondern vielmehr um Lösungen und gemeinsames Lernen, so die 1. Vorsitzende des APS Hedwig François-Kettner.

Herz des Netzwerks

Das Zentrum des APS bilden 7 speziell eingerichtete Arbeitsgruppen (AGs). Sie setzen sich aus Experten und Patienten zusammen und erarbeiten konkrete Handlungsempfehlungen zur Stärkung des Patientenwohls. Auf der Agenda stehen Themen wie Infektionsprävention, Patienteninformationen, Lernziele bei der Patientensicherheit, Behandlungsfehlerstatistik, Critical Incident Reporting Systeme (CIRS) im Krankenhaus, Medizinprodukt-assoziierte Risiken, Arzneimitteltherapiesicherheit oder beispielsweise Mindestanforderungen an klinische Risikomanagementsysteme. „Die AGs liefern uns unter anderem wichtige Erkenntnisse, wo genau noch mehr für Patientensicherheit getan werden muss", sagt François-Kettner.

Defizite aufdecken

Allerdings macht die APS-Vertreterin klar, dass das Bündnis nicht die Arbeit von Fachgesellschaften erledige: „Wir versuchen mit unserer Wirkweise, Lücken und Schwachstellen im System aufzuzeigen, dafür Handlungsempfehlungen zu erarbeiten und den Praxisbereichen und auch der Politik damit Unterstützung für Anpassungen und Veränderungen zu geben".  

Das APS habe zwar in der Vergangenheit schon viel angestoßen. Dennoch habe das Netzwerk als gemeinnütziger Verein in seiner Ehrenamtlichkeit Grenzen, betont François-Kettner. „Der allein ideelle Betrieb einer nationalen Plattform zum Ausbau der Patientensicherheit wird künftig den Anforderungen nicht gerecht". Hier sei auch die Politik gefragt. „Wir bitten daher, dass der im Rahmen des Gesetzes zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-VSG) vorliegende Gesetzesentwurf zur Förderung von Einrichtungen zum Ausbau der Patienten beschlossen wird", so die APS-Vorsitzende weiter.

Appell an die Politik

Denn bislang seien Patienten im Gesundheitswesen hierzulande noch nicht genug eingebunden. Wohl haben sie einen Sitz im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) – aber dort noch kein Stimmrecht. „Das Patientenrechtegesetz hat wichtige Impulse gegeben, aber wir sehen noch sehr viel größeren Handlungsbedarf", sagt François-Kettner. In vielen Fragestellungen würden die „Player" im Gesundheitswesen immer noch zu wenig aus Patientensicht entscheiden, dafür aber noch zu häufig auf Grundlage partikularer Interessen, die mit dem Patienten in erster Linie ökonomische Ziele verfolgten.

Mehr Moral im Gesundheitswesen

„Die Schwächen im System, die vermeidbaren Unzulänglichkeiten oder Partikularinteressen dürfen uns nicht ruhen lassen". Der Gesundheitsmarkt müsse sich in dieser Hinsicht höhere moralische Werte zu Eigen machen, fordert die APS-Repräsentantin. „Lebensqualität für den Patienten egal in welchem Stadium, nicht Gewinnorientierung muss die oberste Maxime sein!"

Was fehlt der Pflege?

Vor allem pflegenden Angehörigen, die ihre Verwandten zuhause versorgen und damit maßgeblich die Lebensqualität der Betroffenen fördern, müsse intensiver unter die Arme gegriffen werden: „Sie sind noch zu oft alleingelassen, benötigen systemseitige Unterstützung, größere Sicherheit und unsere professionelle Befassung". Zwar habe das Pflegestärkungsgesetz 1 (PSG 1) in diesem Sektor wichtige Impulse gesetzt. Professionelle Angebote zu einer sicheren Patientenversorgung, klippenarme Wegweiser und regelhaftes Supervising seien damit aber noch nicht erreicht. Zur Vermeidung von Pflegebedürftigkeit müsse insbesondere der Prävention und Rehabilitation mehr Raum gegeben werden, erklärt die APS-Vorsitzende.

Internationale Vernetzung

Um Gesundheitsversorgung schließlich so sicher wie möglich zu machen, ist es wichtig, auch auf internationaler Ebene zusammenzuarbeiten. So beteiligt sich das APS etwa an dem Projekt „High 5s", einer Initiative der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Erforschung und Verbreitung von Methoden, die die Patientensicherheit in Kliniken erhöhen. In den Projektkrankenhäusern von acht Teilnehmerländern werden Standard Operating Procedures (SOPs) implementiert und evaluiert – in Deutschland zur Vermeidung von Eingriffsverwechslungen, zum sicheren Umgang mit hoch konzentrierten, injizierbaren Medikamenten und zur systematischen Medikationsüberprüfung an Versorgungsschnittstellen.

Außerdem engagiert sich das APS bei der Erstellung einer europäischen „Good Practices"-Datenbank (PaSQ – Joint Action on Patient Safety and Quality of Health Care). Am 17. September 2015 ruft der Verein zum „Internationalen Tag der Patientensicherheit" auf.

Nationale Projekte

Auch hierzulande ist das Netzwerk an mehreren Kampagnen beteiligt, beispielsweise an der Aktion „Saubere Hände" – ein nationales Projekt zur Verbesserung der Compliance der Händedesinfektion - oder am Aufbau eines nationalen Bericht- und Lernsystems für Krankenhäuser (Krankenhaus-CIRS-Netz-Deutschland). Darüber hinaus vergibt das APS jährlich den „Preis für Patientensicherheit".

Mit diesem Award zeichnet das gemeinnützige Bündnis zukunftsweisende Best-Practice-Beispiele und praxisrelevante Forschungsarbeiten aus, die die Sicherheitskultur im Gesundheitswesen nachhaltig fördern. Zum Beispiel: Methoden zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit, zielgerichtete Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für medizinische Berufsgruppen, Ideen zur Optimierung von Infrastruktur und Ablauforganisation oder Modelle für eine patientenzentrierte Kommunikation.

Preis für Patientensicherheit 2015

In diesem Jahr stand die Berliner Charité ganz oben auf dem Sieger-Treppchen. Die Jury mit Vertretern aus Pflege, Ärzteschaft, Apotheken, Selbsthilfe, Forschung, Industrie und Kostenträgern würdigte vor allem das Risikomanagement zum Schutz vor Wundliegen und Sturz.

Zu den weiteren Gewinnern zählte ein Projekt zur Verbesserung der Versorgung Frühgeborener, das „Asklepios CIRS-Netz – Einrichtungsübergreifendes Lernen aus Fehlern" sowie simparteam®, ein Notfalltraining für geburtshilfliche Teams. Die Preise sind insgesamt mit 20.000 Euro dotiert. „Wir möchten Best-Practice-Beispiele zur Beförderung der Patientensicherheit sichtbar machen und dadurch Nachahmer gewinnen", so François-Kettner. 

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