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  • 24.06.2015
  • Management

Berufspolitisches Engagement

Wer will, der kann auch

Es gibt viele Wege und vor allem gute Gründe berufspolitisch aktiv zu sein, auch für junge Pflegende. Denn an den beruflichen Rahmenbedingungen wird sich nichts ändern, wenn es die Berufsgruppe nicht selbst einfordert, sagt Christina Zink, Referentin für Jugend und Ausbildung im DBfK Nordwest. Wir sprachen mit ihr über die Ergebnisse unserer jüngsten Station24-Blitzumfrage.

 

Frau Zink, in unserer Blitzumfrage auf dem Junge Pflege Kongress Mitte Mai in Dortmund gaben nur 13,5 Prozent der Teilnehmer an, berufspolitisch aktiv zu sein. Halten Sie das auch für die Junge Pflege insgesamt für eine realistische Zahl?

Das können wir nicht wirklich beziffern. Ich vermute, dass es sich in diesem Bereich bewegt. Der Organisationsgrad der beruflich Pflegenden in Deutschland ist nicht richtig darstellbar.

Da gibt es ja nicht nur die Berufsverbände, in denen man aktiv sein kann, sondern zum Beispiel auch die Gewerkschaft oder den Betriebsrat, die Mitarbeitervertretung, die Jugend- und Auszubildendenvertretung. Und nicht zu vergessen lokale Aktionen wie „Pflege am Boden". Auch wenn ich nicht Mitglied in einer Organisation bin, so bin ich doch dann politisch aktiv, wenn ich an solch einer Aktion teilnehme.

Aber Sie treffen da tatsächlich einen wunden Punkt: Wenn wir noch nicht mal verlässliche Aussagen über die Gesamtanzahl der Pflegefachpersonen haben, lässt sich auch schwerlich ableiten, wie viele davon in einer beruflichen Interessenvertretung organisiert sind. Da erhoffen wir uns mit der Einführung von Pflegekammern einen besseren Überblick.

Wie schwer ist es, junge Pflegende von berufspolitischem Engagement zu überzeugen?

Ich würde das nicht unbedingt an der Altersgruppe festmachen. Und überzeugen… also politisches Interesse liegt zunächst mal in der Person selbst begründet. Und das ist bei jungen Menschen gar nicht so gering wie weithin angenommen.

Zumindest bestätigen Jugendstudien das, schränken es aber insofern ein, als dass dieses Interesse nicht zwingend aus einer Gemeinwohlorientierung heraus geschieht, sondern aus konkreten Bedarfen im näheren Umfeld oder eines persönlichen Bezugs wegen. Begründet wird das mit den gesellschaftlichen Bedingungen, vor allem dem Leistungsdruck, der heutzutage auf jungen Leuten lastet.

Ich denke, die Erkenntnis ist wichtig, dass sich an den beruflichen Rahmenbedingungen nichts ändern wird, wenn es die Berufsgruppe nicht selbst einfordert. Und da kann zumindest Aufklärungsarbeit betrieben werden – von den Verbänden beispielsweise, aber insbesondere von den Lehrenden in den Schulen und Hochschulen. Die nehmen in Sachen berufspolitischer Sozialisation schon eine gewisse Vorbildfunktion ein.

Die meisten Teilnehmer der Blitzumfrage gaben an, keine Zeit für Berufspolitik zu haben, eine zweite Gruppe, dass sie nicht glauben, etwas bewirken zu können. Schlichtes Desinteresse spielte dagegen nur bei jedem Zehnten eine Rolle. Ist das eher ein frustrierendes Ergebnis oder macht es Hoffnung?

Ich würde es vor allem als Motivation sehen, an der Stelle noch mehr Aufklärungsarbeit zu leisten. Ich glaube, das Thema Berufspolitik ist wörtlich betrachtet nicht sonderlich attraktiv für junge Menschen.

Dass das Ganze aber auch mit einer Menge Spaß verbunden sein kann, hat die Arbeitsgruppe Junge Pflege im DBfK Nordwest ja gerade auch beim Junge Pflege Kongress in Dortmund gezeigt. Und die Resonanz und die Stimmung im Publikum waren großartig. Wir kommen als Verband im Übrigen auch in die Schulen und stellen uns und die Arbeit der AG Junge Pflege vor. Tatsächlich schafft es aber nicht jeder, solche Aktivitäten auch noch neben der Ausbildung oder dem Studium auszuüben.

Berufspolitisches Engagement bedeutet aber auch, diejenigen zu unterstützen, die die Interessen der Berufsgruppe in der Öffentlichkeit oder in der Politik vertreten. Das bedeutet, auch durch eine Mitgliedschaft, zum Beispiel in einem Berufsverband, ohne jegliche aktive Beteiligung, engagiere ich mich bereits berufspolitisch und kann damit auch indirekt etwas bewirken.

Sie sprachen gerade von Aufklärungsarbeit — beim Thema Generalistik traute sich ein knappes Drittel der Umfrageteilnehmer keine Einschätzung hinsichtlich der Vor- und Nachteile einer entsprechenden Ausbildungsreform zu. Müssen die Berufsverbände hier noch nachlegen?

Ich glaube, hier herrscht – ähnlich wie beim Thema Pflegekammer – eine gewisse Unsicherheit, die sicherlich auch mit in den teilweise sehr konträren Positionen der verschiedenen Interessensvertretungen begründet ist. Aufklärung ist die eine Sache, aber Information sollte grundsätzlichen von beiden Seiten aus erfolgen. Und von Seiten der Nutzer zumindest auch ein Abwägen der verschiedenen Argumente mit einem kritischen Blick darauf, wer welche Argumente aus welchen Überlegungen heraus vertritt.

Hier gilt im Übrigen das, was ich eben schon gesagt habe: Wir kommen gerne in die Ausbildungseinrichtungen und diskutieren über aktuelle berufspolitische Themen wie beispielsweise die generalistische Ausbildung.

Stichwort konträre Positionen: Eine Mehrheit der von uns befragten jungen Pflegenden schätzt, dass die Auseinandersetzungen um Pflegekammer und Generalistik die Berufsgruppe gestärkt haben. Teilen Sie diese Ansicht – gerade auch mit Blick auf den Nachwuchs?

Zumindest scheint eine größere Aufmerksamkeit den aktuell vorherrschenden berufspolitischen Themen gegenüber vorhanden zu sein, das ist jedenfalls meine Wahrnehmung. Das liegt sicherlich auch mit an der medialen Verbreitung. Pflegekammer und generalistische Ausbildung sind inzwischen nicht nur in der Fachpresse vorherrschende Themen, sondern werden auch in der Tagespresse thematisiert. Und da passiert es doch auch mal, dass sich Bekannte oder Angehörige bei einem erkundigen, was es damit auf sich hat.

Hinzu kommt, dass diejenigen, die sich gut informiert fühlen, tendenziell diesen neuen Weichenstellungen sehr optimistisch gegenüberstehen. Ich nehme an, die Themen werden auch in den Schulen und Hochschulen breit diskutiert. Vielleicht liegt es ja daran, dass in den Befragungen der Berufsgruppe zur Pflegekammer insbesondere unter jungen Pflegenden eine breitere Zustimmung vorherrschte.

Das schlägt sich ja auch in unserer Blitzumfrage nieder: 3 von 4 Teilnehmern erwarten von einer Verkammerung mehr Mitbestimmung und eine stärkere Stimme für die Pflege. Frau Zink, vielen Dank für das Gespräch.

 

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