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  • 05.03.2015
  • Bildung

Expertise in Leadership

Pflege braucht Expertise in Leadership

41 Teilnehmer der Initiative "Expertise in Leadership" der B. Braun-Stiftung bauen in sechs Seminaren ein fiktives Krankenhaus auf. So sollen die beruflich Pflegenden unter anderem eine eigene Führungsperönlichkeit entwickeln.

 

Die Pflegewissenschaftlerin Prof. Christel Bienstein aus Witten hat zum Start der Initiative „Expertise in Leadership am 20. bis 21. Februar in Berlin an alle beruflich Pflegenden appelliert, sich mehr für Führungsaufgaben zu qualifizieren: „Wir brauchen einen höheren Anteil an Menschen in Führungspositionen", erklärte Bienstein.

Expertise in Leadership für Pflegende ist ein berufsbegleitendes Fortbildungsangebot der B. Braun- Stiftung, das Pflegenden in Leitungsfunktionen weitere Führungskompetenzen vermittelt. „Die B. Braun Stiftung möchte die Position und damit den Einfluss von Pflegenden im Krankenhaus stärken", sagte der Geschäftsführer der B. Braun-Stiftung Prof. Dr. Alexander Schachtrupp. Für den Chirurgen lassen sich die Aufgaben der Zukunft nur durch interprofessionelle Zusammenarbeit der drei Berufsgruppen Arzt, Management und Pflege bewältigen: „Die Pflege verfügt über ein großes Potenzial, die Behandlung von Patienten sicherer und auch wirtschaftlicher zu gestalten."

Dass die Pflegequalität und der Ausbildungsstand beruflich Pflegender direkten Einfluss auf das Outcome der Patienten hat und den Drehtüreffekt vermindert, zeigt eine in 2014 veröffentlichte europäische Studie . 300 Kliniken in 9 Ländern belegen den Zusammenhang zwischen Mortalitätsrate nach chirurgischen Eingriffen und Arbeitsbelastung beziehungsweise Ausbildungsgrad der Pflegenden. Dokumentiert wurden 400.000 Patientenfälle von 2009 bis 2010. Demzufolge sinkt die Wahrscheinlichkeit des Überlebens mit der Arbeitsbelastung, während sie mit höherer Ausbildung der Pflegenden steigt.

Die Chancen für Pflegende, Führungspositionen zu übernehmen, ist so gut wie nie. Doch mangelt es an Pflegeexperten. „Viele Pflegende haben Prozessverantwortung, leiten Abteilungen, das reicht aber nicht", so Bienstein. Die Pflegewissenschaftlerin gab einen Überblick über Karrierechancen, die durch Substitution, Delegation und Allokation entstehen sollen. Auch das im Ausland etablierte akademische Berufsbild des Advance Nurse Practitioner (ANP) mit eigenverantwortlichen Tätigkeitsfeld ist eine Karriereoption.

Die Initiative Expertise in Leadership vertieft nicht nur Managementkompetenzen, sondern unterstützt bei der Entwicklung einer eigenen Führungspersönlichkeit. Zum Ende der sechs Seminare müssen die 41 Teilnehmer für ein fiktives Krankenhaus in kommunaler Trägerschaft ein Projekt ausarbeiten und dem Stadtrat überzeugend präsentieren. Die dafür notwendige Qualifikation wird in einzelnen Seminarblöcken vermittelt und vertieft. So stehen im ersten Seminar Informationen zum Projektmanagement und zur Projektpräsentation im Vordergrund.  „Nutzen Sie Projekte bewusst als Lernerfahrung auf dem Weg zu Expertise in Leadership, denn Projekte sind kleine Unternehmen", erläuterte Prof. Dr. Sabine Bhonet-Joschko, Gesundheitsökonomin aus Witten im Programmteil Projektmanagement.

Darüber hinaus gaben Psychologin Irma Schmincke-Blau und Stimm-Expertin Maria Beck neben dem Feedback zu Inhalt und Präsentationstechnik ein persönliches Coaching: „Das Gehirn braucht Bruchteile von Sekunden, um zu entscheiden, ob es jemandem gerne zuhört".

Der Abend stand unter dem Motto Teambuilding und Motivation. Der Gastredner und international gefragte Dirigent Prof. Dr. Gernot Schulz, der die Berliner Philharmoniker dirigierte und mit Karajan und Bernstein gearbeitet hat, ließ die Teilnehmer fühlen, worauf es beim Dirigieren eines Orchesters ankommt: Die Aufgabe eines Dirigenten ist der einer Führungskraft im Krankenhaus ähnlich - mit einem Unterschied, so Schulz: „Musik gibt ein unmittelbares Feedback, Dissonanzen und falsche Töne sind sofort wahrnehmbar – das ist Herausforderung und Motor zugleich. Wenn wir es nicht schaffen, die Fähigkeiten und Charaktere der einzelnen Musiker zu integrieren, wird es kein Klangerlebnis geben."

Die weiteren Seminare der Reihe werden sich der Kommunikation, dem Krankenhaus als Unternehmen, der Prozessgestaltung, dem Fehler- und Qualitätsmanagement sowie dem interprofessionellen Projektmanagement widmen.

Wer sich bei der B. Braun-Stiftung erfolgreich um einen Platz in den Förderprogrammen bewirbt, durchläuft qualitativ hochwertige Fortbildungsprogramme. Das Bewerbungsverfahren für die nächsten Förderprogramme - Mentoringprogramm und „Expertise in Leadership" für Mediziner in 2016 - beginnt in diesem Jahr. Informationen sind unter www.bbraun-stiftung.de zu finden.

Die von der der B. Braun Melsungen AG unabhängige B. Braun–Stiftung sieht sich als Förderin für moderne Medizin. Die Institution mit nordhessischer Tradition wurde 1966 von den damaligen Vorständen der B. Braun Melsungen AG, den Brüdern Otto und Dr. Bernd Braun, in Melsungen gegründet, um Krankenpflegepersonal und junge Ärzte in ihrer fachlichen Weiterbildung zu fördern. Auch heute unterstützt die Unternehmerfamilie die langfristige Entwicklung der Stiftung.

Die B. Braun-Stiftung fördert trotz sehr geringer Zinserträge Stipendien, Forschung und Veranstaltungen mit einem Jahresbudget von bis zu 900.000 Euro. Seit Gründung hat sie fast 14.000 Stipendien an Pflegende, 646 an Ärzte vergeben.

Von Andrea Thoene

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