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  • 13.02.2015
  • Management

Originelle Personalakquise

„Bitte nicht twittern!"

Wie ein Pflegedienstinhaber mit frecher Jobanzeige mehr als nur Bewerber anlockte.

 

Bloß nicht langweilen – schon gar nicht bei Stellenanzeigen. Das war Norbert Buchholz, Pflegedienstinhaber aus Bergisch-Gladbach, schon immer wichtig. Als beispielsweise Papst Franziskus im März 2013 sein Amt aufnahm, inserierte er: „Da Sie das 75. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, ist eine Bewerbung zum Papst aussichtlos. Werden Sie also Teil unseres Pflegedienstes." Oder er regte die Leser an, das Verhältnis zu ihrem Arbeitgeber neu zu überdenken: „Manchmal muss man einen Arbeitgeber aufgeben – nicht weil er Ihnen egal ist, sondern weil Sie es ihm sind." Entscheidend sei der erste Satz, ist sich Buchholz sicher. „Mit dem möchte ich mich von meinen Mitbewerbern abheben." Und er möchte zeigen: „Ich bin ein humorvoller Chef!"

Eine besondere Art von Humor zeigte der 52-Jährige auch bei seinem neuesten Jobinserat. „Sie können alles und erwarten nichts? Dann bewerben Sie sich bei uns als: ‚Eierlegende Wollmilchsau (w/m)‘". Ferner lockte er mit „gestressten, überforderten Kollegen, langweiligen Routinearbeiten und einem attraktiven Gehalt von 850 Euro brutto". Auf die Idee war er in seinem Sommerurlaub gekommen, den er wie immer auf der Nordseeinsel Föhr verbrachte. Bei einem Latte Macchiato hatte er ganz nebenbei die Stellenanzeigen durchblättert – und ein ähnliches Inserat einer Computerfirma entdeckt. Das habe sich ihm ins Hirn gebrannt und er habe versucht, etwas Ähnliches zu gestalten.



Im Herbst letzten Jahres schaltete er seine ersten beiden Annoncen der „Eierlegenden Wollmilchsau". Ganz unauffällig in einem regionalen Anzeigenblatt. Der Erfolg war „überproportional gut", für beide Anzeigen konnte er jeweils zwei neue Mitarbeiter einstellen. „So viele Rückmeldungen habe ich bei Standardanzeigen sonst nie", sagt der Pflegedienstinhaber. Früher hatte er teilweise überhaupt keine Rückmeldungen, oder es meldeten sich Personen, die zwar „das Herz auf dem rechten Fleck" hatten, aber keinerlei Qualifikationen mitbrachten. Seitdem habe er versucht, stärker seinen Humor in die Anzeigen einzubringen.

Er sei sich bewusst, dass die Anzeige von der satirischen Überspitzung lebe. Und dass sein Humor nicht jedermanns Sache sei. Es gebe auch Kritiker. Die werfen ihm vor, dass der Ruf der Pflege doch ohnehin schon schlecht genug sei. Da müsse man doch mal auf die positiven Seiten hinweisen. Aber: „Wer die schönen Seiten des Berufs nicht selbst kennt, den möchte man doch gar nicht haben", meint der gelernte Krankenpfleger. Er wolle mit seiner Anzeige auch keine Kritik an den derzeitigen Missständen in der Pflege üben. Auch wenn manche das von ihm denken. Er möchte einfach auf humorvolle Art und Weise neue Mitarbeiter gewinnen. Punkt.

Als sich im Januar dieses Jahres kurz nach erneuter Schaltung der Jobanzeige „Bild", „Spiegel online", weitere Zeitungen und sogar Radio- und Fernsehsender bei ihm meldeten, fühlte sich der Pflegedienstinhaber mehr als überrollt. Irgendjemand hatte seine Jobanzeige abfotografiert und über Twitter verschickt. Es habe sich sogar ein Sender gemeldet und wollte ein politisches Statement zur Pflege von ihm. „Aber das", sagt Buchholz. „überlasse ich lieber den Vertretern der Berufsverbände, die sind viel kompetenter als ich. Ich versuche, das Tagesgeschäft zu beherrschen. Und dafür brauche ich gute Mitarbeiter."

Es habe sich auch schon ein Pflegedienstinhaber aus Norddeutschland gemeldet und gefragt, ob er dieselbe Anzeige schalten könne. Klar, habe er gesagt, ich habe ja kein Copyright drauf. „Vielleicht lass ich mir auch eine ganz neue Anzeige einfallen", überlegt Buchholz. „Aber diesmal schreibe ich dann drunter: Bitte nicht twittern!"

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