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  • 31.03.2015
  • Management

Internationale Studienergebnisse

Verbesserte Blutzuckereinstellung dank korrekter Injektionstechnik

Die Blutzuckereinstellung insulinpflichtiger Diabetespatienten in ambulanten Pflegestationen kann mit der Anwendung einer optimierten Injektionstechnik verbessert werden. Das zeigen Studienergebnisse eines internationalen Forscherteams. Die daraus resultierende anhaltende Compliance mindert die klinischen Langzeitfolgen einer Diabeteserkrankung und ermöglicht Kosten- sowie Effizienzeinsparungen in der Versorgung.

 

Bei jedem dritten Diabetespatienten, der Insulin spritzt, bilden sich nach Angaben des Verbands der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) Fettgewebswucherungen unter der Haut an Oberschenkeln und Bauch. Diese Lypohypertrophien entstehen, wenn man dieselbe Stelle zu oft spritzt. Das Problem: An diesen Verhärtungen wird das Insulin nicht mehr wie vorgesehen vom Körper aufgenommen - die Blutzuckerwerte schwanken. Hier hilft die richtige Anwendung: Eine im Fachmagazin „Journal of Clinical & Translational Endocrinology" veröffentlichte Studie (Grassi et. al) kam zu dem Ergebnis, dass die Blutzuckereinstellung von Diabetes-Patienten nach einer Schulung in richtiger Injektionstechnik sich deutlich verbesserte. Sie brauchten sogar weniger Insulin. Wichtig sei, die Einspritzstelle und auch die Pen-Nadel nach jeder Injektion zu wechseln.
 

Die Ergebnisse zeigen, dass eine Schulung der richtigen Injektionstechnik schon nach 3 Monaten, also einer relativ kurzen Zeit, nicht nur die Blutzuckereinstellung verbessern, sondern auch zu größerer Therapiezufriedenheit und einem geringeren täglichen Insulinbedarf führen. Diese positiven Ergebnisse seien insofern wichtig, weil sie zu einer besseren Einhaltung der Therapie (Compliance) beitragen, heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung. Eine anhaltende Compliance mindert die klinischen Langzeitfolgen einer Diabeteserkrankung und ermöglicht Kosten- und Effizienzeinsparungen in der Versorgung.


Methodik
Für die Studie füllten 346 Diabetes-Patienten, die 18 verschiedenen ambulanten Pflegestationen in Norditalien zugewiesen waren und seit mindestens vier Jahren Insulin injizierten, einen Fragebogen über die von ihnen angewendete Spritztechnik aus. Der jeweils zuständige Krankenpfleger untersuchte daraufhin die Spritzstellen der Patienten auf das Auftreten von Lipohypertrophie (LH), gefolgt von einer jeweils individuell angepassten Schulung, während derer suboptimale Spritztechniken hervorgehoben wurden. Alle Patienten wurden hinsichtlich korrekter Spritzstellenrotation zur Vermeidung der Bildung von LH instruiert. Gleichzeitig wurde eine Umstellung auf 4-Millimeter-Pen-Nadeln eingeleitet, um intramuskulären Injektionen vorzubeugen. Die Patienten wurden angewiesen, Injektionsnadeln nicht wieder zu verwenden. Nach drei Monaten erfolgte eine erneute Untersuchung hinsichtlich der angewendeten Spritztechnik, Änderungen klinischer Parameter, Status der Injektionsstellen und psychologischer sowie klinischer Reaktionen auf die 4-Millimeter-Pen-Nadeln.



Die Autoren der Studie berichten, dass Patienten, die Insulin injizieren, bei den meisten Arztbesuchen über Blutzuckereinstellung und Dosisanpassungen sprechen, aber dass nur sehr wenig Zeit für eine Verbesserung der Injektionstechnik aufgewendet wird. Die Untersuchung konzentrierte sich deshalb auf einen kombinierten Ansatz aus Schulung der Injektionstechnik und Verkürzen der Nadellänge um zu zeigen, welchen Einfluss diese Änderungen auf die Diabetesbehandlung haben können.

Weniger Schmerzen, mehr Lebensqualität
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine signifikante Anzahl von Patienten die Bedeutung einer guten Injektionstechnik erkannt hat. Die Patienten führten ihre Injektionen korrekter aus und die meisten verzichteten bei Einsatz der 4-Millimeter-Pen-Nadel auf die Bildung einer Hautfalte. 4-Millimeter-Pen-Nadeln eignen sich nachweislich für die Insulintherapie bei Erwachsenen, unabhängig vom Body-Mass-Index, sowie für Kinder und Jugendliche, da sie eine zuverlässige Insulinabgabe in das subkutane Gewebe gewährleisten und das Risiko einer intramuskulären Injektion eliminieren. Die Patienten gaben an, dass das Spritzen mit einer 4-Millimeter-Pen-Nadel weniger schmerzhaft sei, was das psychische Befinden und die Lebensqualität verbessern kann.
 
Eine Reihe weiterer klinischer Studien, in denen die Auswirkungen verschiedener Nadellängen und -durchmesser untersucht wurden, hatte bereits die Vorteile kürzerer, feinerer Nadeln gegenüber längeren gezeigt, jedoch wurde mit diesen Studien keine Verbesserung der Blutzuckereinstellung nachgewiesen. Die Studie von Grassi et al. weist somit erstmalig nach, dass die Blutzuckereinstellung von einer besseren Injektionstechnik profitieren kann.
 
Ken Strauss, Direktor für Medizinsicherheit bei der europäischen Arzneimittelagentur und Mitautor der Studie sagte: „Die Bedeutung der Studie von Grassi et al. ist enorm. Patienten müssen nicht Monate oder Jahre auf eine Verbesserung der wichtigsten klinischen Parameter wie Blutzuckereinstellung und Senkung des Insulinbedarfs warten, wenn geeignete Injektionstechniken und passende Hilfsmittel zur Verfügung stehen." Die Verbesserungen seien schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt im Verlauf der Insulintherapie festzustellen, was die Patienten motiviere, eine ständige Optimierung anzustreben. Die Ergebnisse dieser Studie verdeutlichten, dass ein kombinierter Ansatz aus Schulung der richtigen Injektionstechnik und Einsatz der 4-Millimeter-Pen-Nadel einen signifikanten Einfluss haben könne. Nicht nur werde die Blutzuckereinstellung verbessert, sondern die Patienten benötigten außerdem weniger Insulin und eigneten sich eine optimierte Injektionstechnik an, was die Diabetesbehandlung erleichtere und ihre Lebensqualität verbessere.

Bewusstsein der Patienten schärfen
Nach der Eingangsuntersuchung begann jeder Patient mit der Anwendung der 4-Millimeter-Pen-Nadel und wurde in der korrekten Injektionsweise unterrichtet. 3 Monate später wurden die Patienten erneut untersucht. Hierbei wurden ihre Injektionstechnik, der Zustand der Injektionsstellen und ihre psychologische Reaktion auf die 4-Millimeter-Pen-Nadeln sowie deren klinischer Einfluss bewertet.

Am Ende der Studie zeigte die Mehrheit der Patienten ein verbessertes Verständnis für die Bedeutung der Injektionsnadel, die Pflege der Injektionsstellen, das Vorgehen zur Vermeidung von Komplikationen wie Lipohypertrophien und die Notwendigkeit des Wechsels der Injektionsstelle.  

 

Literatur
Grassi G, Scuntero P, Trepicciono R, Marubbi F, Strauss K. Optimising Insulin Injection Technique and its Effects on Blood Glucose Control, Journal of Clinical & Tranlational Endocrinology (2014), doi: 10.1016/j.jcte.2014.07.006

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Lo Presti D, Ingegnosi C, Strauss K. Skin and subcutaneous thickness at injecting sites in children with diabetes: ultrasound findings and injecting recommendations. Pediatr Diabetes (2012),  Nov, 13 (7): 525-33

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Grassi G, Scuntero P, Trepicciono R, Marubbi F, Strauss K. Optimising Insulin Injection Technique and its Effects on Blood Glucose Control, Journal of Clinical & Tranlational Endocrinology (2014), doi: 10.1016/j.jcte.2014.07.006


Die Informationen für diesen Artikel wurden von Kenneth Strauss, Direktor für Medizinsicherheit bei der europäischen Arzneimittelagentur (European Medical Association, EMA) und Mitautor der Studie, zur Verfügung gestellt.

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