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  • 14.04.2015
  • Management

Gemeinsames Pilotprojekt von Goethe-Universität und Städel Museum

Die Kraft der Kunst auf Demenz

Welchen Einfluss hat die Malerei auf Menschen mit Demenz? Dieser Frage geht ARTEMIS nach. Das Projekt ist eine Kooperation des Arbeitsbereichs Altersmedizin der Goethe-Universität Frankfurt am Main und des Städel Museums. Die Forscher wollen herausfinden, ob und wie interaktive Beschäftigung mit Kunst das Wohlbefinden und das Kommunikationsverhalten von Menschen mit Demenz steigern und die Beziehung zu ihren pflegenden Angehörigen verbessern kann.

 

Der Arbeitsbereich Altersmedizin der Goethe-Universität Frankfurt am Main und das Städel Museum haben ein medizinisches Pilotprojekt für Menschen mit Demenz gestartet: ARTEMIS. ARTEMIS steht für ART Encounters: a Museum Intervention Study und ist die erste umfassende wissenschaftliche Studie zur interaktiven Kunstvermittlung und den therapeutischen Potenzialen von Kunsttherapie bei Demenz im deutschsprachigen Raum.

Im Rahmen des Projekts wird untersucht, welchen Beitrag regelmäßige Museumsbesuche und die interaktive Beschäftigung mit Kunst leisten können, um das emotionale Wohlbefinden und das Kommunikationsverhalten von Menschen mit leichter bis mittelgradiger Demenz zu steigern sowie die Beziehung zu ihren betreuenden Angehörigen zu verbessern. Zudem soll auf diese Weise Menschen mit Demenz und ihren durch die Pflege eingebundenen Angehörigen ein Stück gesellschaftliche Teilhabe und soziale Integration ermöglicht werden.

Wissenschaftlicher Beweis fehlt noch
„Die Begegnung mit Kunst ist Teil unserer Kultur. Dass Menschen mit Demenz in vielerlei Hinsicht hiervon profitieren können, scheint erst einmal intuitiv richtig. Bislang steht der wissenschaftliche Nachweis allerdings noch aus. Dieser ist jedoch eine wichtige Voraussetzung für eine breite Anwendung und soll durch das ARTEMIS-Projekt erstmalig erbracht werden", sagte Prof. Dr. Johannes Pantel, Leiter des Arbeitsbereichs Altersmedizin an der Goethe-Universität.

Durch kreativ-therapeutische Ansätze wie Kunst- oder Musiktherapie könnten noch vorhandene kommunikative Potenziale gefördert und alternative Zugangswege zur Erlebniswelt von Menschen mit Demenz erschlossen werden. Für die Musiktherapie gebe es inzwischen eindeutige Wirksamkeitsbelege, insbesondere im Hinblick auf die Verbesserung des situativen Wohlbefindens und bestimmter Kommunikationsaspekte der Betroffenen. Für die Kunsttherapie stünden solche Beweise noch aus. Das inspirierte schließlich die Arbeitsgruppe um Pantel zu dem wissenschaftlich begleiteten ARTEMIS-Projekt.

Gefördert wird das Projekt durch die Familie Schambach-Stiftung. „Die Familie Schambach-Stiftung fördert das Projekt, weil die Förderung regionaler Projekte auf dem Gebiet der Altersforschung ein wichtiger Teil des Stiftungszwecks ist, und weil gerade auf dem Gebiet der Demenzforschung hoher Forschungsbedarf besteht", sagte Dr. Hansjörg Werner, Vorstandsmitglied der Stiftung. Das Bedeutsame an diesem Projekt sei, dass nicht die Defizite der Menschen mit Demenz im Vordergrund stünden. ARTEMIS habe zum Ziel, durch Kunstbetrachtung die erhaltenen Fähigkeiten der Menschen mit Demenz zu wecken, zu fördern und Teilnehmer zu eigener Kreativität anzuregen.

Selbst kreativ arbeiten
Das Projekt ist für die Dauer von zwei Jahren angelegt. Der Auftakt erfolgte bereits im Oktober 2014. Zwei Teilnehmergruppen, bestehend aus insgesamt sieben an Demenz erkrankten Patienten und je einem begleitenden Angehörigen, nehmen seitdem an etwa einstündigen thematischen Führungen durch speziell geschulte Kunstvermittler des Museums teil. Im Anschluss daran wird in den Städel Atelierräumen kreativ gearbeitet.

Bewusst werden verschiedene künstlerische Techniken in die Atelierarbeit aufgenommen: Collagen, Malerei, einfache Drucktechniken und Arbeiten mit Ton. Die Aufgaben sind so angelegt, dass die an Demenz erkrankte Person und ihr Begleiter miteinander in einen kreativen Austausch treten können.

Das ARTEMIS-Projekt ist die erste randomisierte und kontrollierte Studie zum Einfluss von Museumsbesuchen und künstlerischer Betätigung auf das emotionale Befinden von Menschen mit Demenz. Vor und nach dem Museumsbesuch werden in einer Kurzbefragung Daten zur Stimmung und zum Gedächtnis der Menschen mit Demenz erhoben. Die Studie vergleicht erstmals mithilfe einer Interventionsgruppe und einer Kontrollgruppe die Auswirkungen der interaktiven Auseinandersetzung mit Kunst im demenziellen Kontext. Die Zuteilung zu einer von beiden Gruppen erfolgt nach dem Zufallsprinzip.

Die Teilnehmer in der Kontrollgruppe erhalten ebenfalls die Gelegenheit zu wöchentlichen Besuchen im Städel Museum, allerdings ohne Kunstführungen und anschließende Atelierarbeit.

Zusätzlich zu Standardtests, die in beiden Gruppen den Verlauf der Demenzerkrankung dokumentieren, ermitteln die Forscher auch die Belastung der Angehörigen, die Beziehung zwischen ihnen und den Erkrankten, Veränderungen der Lebensqualität und die Sicht auf die Zukunft. Mithilfe von Videoaufzeichnungen, die während der Atelierarbeit gemacht werden, soll das gemeinsame kreative Arbeiten einzelner Teilnehmer dokumentiert werden.

Das streng vertraulich behandelte Videomaterial wird mit dem methodischen Ansatz der Zeitreihenanalyse ausgewertet. Dabei wird jedes Video in kurze Zeitsequenzen unterteilt, die von geschulten Beobachtern mit Blick auf die Kommunikationsfähigkeit, das Wohlbefinden und das emotionale Ausdrucksverhalten der gefilmten Personen ausgewertet werden. Anschließend werden Trendverläufe berechnet und Interventionseffekte nachgewiesen.

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